Donnerstag, 09. Dezember 2021

Labor-Studie zeigt schwächere Abwehrreaktion bei Omikron

Eine Labor-Untersuchung des Instituts für Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck zeigt, dass das Immunsystem die neue Virusvariante Omikron deutlich schlechter hemmt. Umso wichtig sei die Booster-Impfung, sagen die Virologen.

Angesichts neuer Studienergebnisse wird dringend zu „Booster“ geraten.
Angesichts neuer Studienergebnisse wird dringend zu „Booster“ geraten. - Foto: © APA/AFP / RODGER BOSCH
Untersucht wurden neutralisierende Antikörper in Blutproben von Genesenen und doppelt Geimpften. Dabei zeigte sich, dass der Impfschutz innerhalb weniger Monate signifikant zurückgeht. Studienautorin und Virologin Dorothee von Laer rief eindringlich zur Booster-Impfung auf.

Auch Genesene sollten sich unbedingt impfen lassen, um einer abermaligen Corona-Infektion vorzubeugen. Erste Studien aus Südafrika deuten darauf hin, dass sich Genesene häufiger mit Omikron infizieren als das bei vorhergehenden Varianten des Coronavirus der Fall war. Dies hat Implikationen für alle, die sich noch nicht impfen ließen, warnte Von Laer: „Je mehr Geimpfte den Virus symptomlos in sich tragen, desto gefährlicher ist die Situation für die Ungeimpften“.

„Jene, die genesen und zumindest ein Mal geimpft waren, zeigten in unseren Laborstudien die beste Immunantwort gegen die neue Omikron-Variante“, berichtete Von Laer. Doch der Impfschutz nehme mit der Zeit ab. Von Laer empfahl deshalb: „Doppelt Geimpften sollten sich eher früher als später den dritten Stich holen“.

Vorläufige Daten von Labor-Untersuchungen am Universitätsklinikum Frankfurt würden diese These untermauern: „Die Virologin Sandra Ciesek und ihr Team konnten zeigen, dass der dritte Stich einen guten Schutz vor Omikron bietet“, wusste Von Laer. Diese Daten wurden noch nicht von Fachkollegen überprüft und am Mittwoch in einem Preprint-Paper publiziert. Auch Biontech/Pfizer habe ähnliche Erkenntnisse veröffentlicht.

Impfstoff an Omikron anpassen

Die vorliegenden Ergebnisse würden nahelegen, dass die Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll ist, unterstrich die Virologin. „Ziel wäre es, einen Impfstoff zu haben, der einen längeren Schutz bietet“. Dieser sei aber „noch nicht da“. Von Laer riet deshalb dringend davon ab, auf einen auf Omikron optimierten Impfstoff zu warten, sondern sich schnellstmöglich eine Auffrischungsimpfung verabreichen zu lassen.

In der nunmehr abgeschlossenen Laborstudie wurden lediglich neutralisierende Antikörper untersucht. Die Immunantwort setzt sich aber aus unterschiedlichen Faktoren zusammen, eine wesentliche Rolle spielen etwa die sogenannten „Killerzellen“ (T-Zellen). Sie schützen vor schweren Verläufen. Aktuell sei anzunehmen, dass sich die Omikron-Mutante deutlich schneller verbreite und infektiöser ist als vorhergehende Mutationen. Erste Studien deuten auf leichtere Verläufe hin. Dazu konnte die Innsbrucker Laborstudie noch keine Erkenntnisse liefern, weil klinische Studien noch anstehen.


apa/stol