Dienstag, 17. März 2020

Länder rund um den Globus schotten sich ab

Mit Grenzschließungen und weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens stemmen sich Länder rund um den Globus gegen die Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie.

Auch in New York wurden drastische Maßnahmen eingeführt.
Auch in New York wurden drastische Maßnahmen eingeführt. - Foto: © APA (AFP/Getty) / Cindy Ord
In 141 Ländern der Welt sind inzwischen gut 168.000 Fälle einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bekannt. Die Gesamtzahl der Toten stieg auf 6500.

In China bleibt die Zahl der neuen Corona-Infektionen laut offiziellen Zahlen auf niedrigem Niveau. Jedoch steigt die Sorge vor Erkrankten, die aus dem Ausland einreisen. Wie die Pekinger Gesundheitskommission am Montag mitteilte, gab es landesweit 14 weitere Todesfälle und 16 neue Infektionen mit der Lungenkrankheit Covid-19. Dabei handelte es sich in zwölf Fällen um Menschen, die nach ihrer Einreise nach China diagnostiziert und somit in der offiziellen Statistik als „importierte Fälle“ geführt werden.

Die Hauptstadt Peking verschärfte ihre Quarantänemaßnahmen für Reisende aus anderen Staaten. Seit Montag müssen alle Passagiere, die aus dem Ausland am internationalen Flughafen ankommen, für zwei Wochen zur Beobachtung in Quarantänezentren. Zuvor war auch eine Quarantäne in Hotels oder zuhause möglich.

Seit Beginn der Epidemie im Dezember haben sich nach der offiziellen Statistik insgesamt 80.860 Menschen in Festlandchina mit dem neuen Coronavirus infiziert. Mehr als 65.000 haben die Krankenhäuser wieder verlassen. 3213 Tote sind bisher in der Volksrepublik zu beklagen.

Die Gesundheitsbehörde hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass China den Höhepunkt der Coronavirus-Ausbreitung überschritten habe. Inwieweit die offizielle Statistik die wahre Lage widerspiegelt und wie hoch die Dunkelziffer nicht erfasster Fälle ist, ist jedoch unklar.

Südkorea

In Südkorea wurde inzwischen eine Kirchengemeinde als neuer Infektionsherd ausgemacht. Mit inzwischen 46 Fällen sei nun ein Drittel der Gläubigen der Grace River Church in Seongnam positiv auf den neuartigen Erreger getestet worden, teilten die Behörden mit. Die Kirche hatte entgegen mehrmaliger Aufforderung der Regierung noch bis Sonntag Gottesdienste abgehalten.

USA

In den USA schränkt New York das öffentliche Leben ein, in Las Vegas schließen einige Hotels und Casinos. China und Südkorea können bei Neuinfektionen weiterhin auf positive Zahlen verweisen, allerdings steigt in den beiden Ländern die Sorge davor, dass infizierte Personen aus dem Ausland einreisen könnten.

Auch die Westküstenmetropole Los Angeles verhängte drastische Schutzmaßnahmen. Bars, Restaurants und Nachtclubs müssen von Montag an für mindestens zwei Wochen schließen, wie Bürgermeister Eric Garcetti auf seiner Facebook-Seite verkündete.

US-Präsident Donald Trump rief indes seine Landsleute dazu auf, von Panikkäufen wegen der Ausbreitung des Coronavirus abzusehen. Trump sagte am Sonntagabend (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus nach einer Telefonschaltung mit Chefs großer Handelsketten an die Adresse der US-Bürger: „Sie müssen nicht so viel kaufen. Nur keine Hektik, entspannen Sie sich einfach.“

In den USA bekam erstmals ein Freiwilliger testweise einen möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus injiziert. Das sei Teil der ersten Phase des klinischen Tests des Impfstoffs an einem Forschungsinstitut in der nordwestlichen Metropole Seattle, teilten die zum US-Gesundheitsministerium gehörenden National Institutes of Health (NIH) mit. 45 gesunde freiwillige Teilnehmer zwischen 18 und 55 sollen in den kommenden Wochen an dem Test in dem Forschungsinstitut teilnehmen. Der Impfstoff namens „mRNA-1273“ wird gemeinsam mit der privaten Biotechnologie-Firma Moderna entwickelt.

Trump sagte, die Menschen kauften derzeit „3 bis 5 Mal so viel, wie sie normalerweise einkaufen würden“. Als Reaktion darauf würden Supermärkte ihre Lager deswegen in einem Ausmaß auffüllen, das jenes für das Weihnachtsgeschäft übersteigen werde. Trump betonte: „Es gibt für niemanden im Land die Notwendigkeit, Grundnahrungsmittel zu horten.“ Seine Gesprächspartner hätten ihn gebeten, den US-Amerikanern auszurichten, dass sie „bitte ein bisschen weniger kaufen“ sollten.

Frankreich

In Frankreich stieg die Zahl der Coronavirus-Infizierten auf mehr als 5.400. Binnen 24 Stunden stieg die Zahl der Todesopfer um 36 auf 127. Der Generaldirektor im französischen Gesundheitsministerium, Jerome Salomon, nannte die Lage im Radiosender France Inter „sehr beunruhigend“. Die Situation könne sich „sehr schnell verschlechtern“, so dass eine Überlastung der Krankenhäuser drohe.

Schweiz

Die Schweizer Stadt Genf, in der unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihren Sitz hat und in der die Vereinten Nationen ihren Europa-Sitz haben, untersagte drinnen wie draußen Zusammenkünfte von mehr als fünf Personen - außer sie sind beruflich veranlasst. Geschäfte, Restaurants und Bars in der Region um Genf durften nur noch bis Montag um 18.00 Uhr geöffnet bleiben. Dann müssen sie wie Kinos, Theater und Sporteinrichtungen bis zum 29. März schließen.

Iran

Im besonders schwer betroffenen Iran stieg die Zahl der Todesopfer binnen eines Tages um 129 auf 853. Das ist der bisher stärkste Anstieg an einem Tag. Die Zahl der Infizierten stieg binnen eines Tages zudem um mehr als tausend auf nun insgesamt knapp 15.000 Fälle. Die exiliranischen oppositionellen Volksmujaheddin sprachen indes von bereits 4.900 Menschen, die an der Infektion durch das Coronavirus gestorben seien. Allein in Teheran betrage die Zahl der Todesopfer 696, erklärten die Volksmujaheddin am Sonntag.

In den Golfstaaten gibt es einen ersten Todesfall durch die Coronavirus-Pandemie. In Bahrain starb eine infizierte 65-jährige Einheimische mit Vorerkrankungen, wie das Gesundheitsministerium des Landes am Montag via Twitter mitteilte.

Es handelt sich um das erste Coronavirus-Todesopfer in den 6 Staaten des Golfkooperationsrates. Bisher wurden dort fast tausend Infektionen registriert. Die meisten Infizierten hatten sich nach Behördenangaben zuvor im Iran aufgehalten, das besonders stark von der Pandemie betroffen ist. Dort starben nach amtlichen Angaben bereits mehr als 850 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19.

Mit mehr als 400 nachgewiesenen Infektionen ist Katar der am stärksten von der Pandemie betroffene Golfstaat, in Bahrain wurden mehr als 210 Menschen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet.

Australien

Wegen des Coronavirus ist in Teilen Australiens der Ausnahmezustand ausgerufen worden. Damit wollen der südöstliche Bundesstaat Victoria und das Gebiet um die Hauptstadt Canberra die Verbreitung von Covid-19 eindämmen. In Australien gibt es mehr als 300 bestätigte Fälle des Virus. Am Sonntag hatte die Regierung angekündigt, dass alle Einreisenden nach ihrer Ankunft 14 Tage in heimische Quarantäne oder im Hotel bleiben müssen.

Weltweit starben mittlerweile mehr als 7000 Menschen an der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. Bis Montag wurden 7007 Tote und mehr als 175.530 Infektionsfälle in 145 Ländern registriert, wie aus einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Behördenangaben hervorgeht.

apa