Donnerstag, 21. Januar 2016

Lärmkarte fürs Mittelmeer: Es ist extrem laut unter Wasser

Die Fische, Wale und Delfine im Mittelmeer schwimmen zumindest mancherorts in einem Höllenlärm. Zu diesem Schluss gelangen Wissenschafter aus Frankreich, Italien, der Schweiz und den USA, die erstmals eine Karte der Lärm-Hotspots im Mittelmeer erstellt haben.

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Speziell die in den vergangenen Jahren intensivierte Suche nach Öl- und Gasvorkommen mittels Schallkanonen sei ein großes Problem, sagte die Co-Autorin der Studie, Silvia Frey, am Donnerstag. „Das ist viel, viel lauter als ein startender Düsenjet.“

Die Fische hörten und spürten den Lärm. Eine generelle Geräuschquelle seien die durchschnittlich etwa 1.500 Handelsschiffe, die zu jedem Zeitpunkt im Mittelmeer unterwegs seien.

Der Bericht im Auftrag des Abkommens zum Schutz von Walen und Delfinen im Mittelmeer und im Schwarzen Meer (ACCOBAMS) hat die Lärmquellen im Zeitraum von 2005 bis 2015 erfasst. Dafür wurden Daten von 1446 Häfen, 228 Ölplattformen, 830 seismischen Explorationsgebieten, sieben Millionen Schiffspositionen, offiziell zugänglichen Angaben zu militärische Aktivitäten und 52 Windfarmprojekten erfasst.

Keine idealen Lebensbedingungen für Fische

Der Einsatz von Schallkanonen habe enorm zugenommen, berichten die internationalen Meeresschutzorganisationen Oceancare und der Rat zur Verteidigung von Naturschätzen (NRDC) weiter. 2005 seien davon nur knapp vier Prozent der Oberfläche des Mittelmeeres betroffen gewesen, 2013 bereits 27 Prozent. „Lärm ist ein Stressfaktor wie bei den Menschen“, sagte Frey.

Zwar könnten sich die Fische in ruhigere Gebiete zurückziehen, aber es sei oft schwierig, einen Ersatz für eine biologisch wertvolle Ursprungs-Umgebung zu finden. „Viele Gebiete im Mittelmeer bieten keine idealen Lebensbedingungen“, sagte Frey.

Die an dem Bericht beteiligten Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass die Karte noch viele Lücken habe. Die Unternehmen hielten sich stark mit der Veröffentlichung von Daten zurück. Der Bericht sei aber zumindest ein erster Hinweis auf das Ausmaß des Lärms im Mittelmeer.

apa/dpa

stol