Samstag, 17. November 2018

Land bei Zahlungen säumig - viele Vereine in arger Not

Zahlreiche Vereine und Genossenschaften, die ehrenamtlich in der Gesundheitsvorsorge und -fürsorge tätig sind, standen heuer kurz vor dem Aus. Der Grund dafür: ausständige Zahlungen von Landesbeiträgen aus dem Vorjahr. Und auch eine Zusage von Geldern fürs laufende Jahr kam diesmal erst im Herbst.

Viele ehrenamtliche Südtiroler Vereine mussten sich zuletzt jeden Cent absparen.
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Viele ehrenamtliche Südtiroler Vereine mussten sich zuletzt jeden Cent absparen. - Foto: © APA/DPA

„Das war das schwärzeste Jahr, seit ich beim Verein bin“, sagt Günter Stolz, Präsident der Südtiroler Rheuma-Liga. „Wir standen echt auf der Kippe, mussten zwischenzeitlich einen Bankkredit von rund 50.000 Euro aufnehmen, um den finanziellen Engpass zu überwinden.“ Schließlich habe man 40 Therapeuten und 2 Büroangestellte, die bezahlt werden wollen.

So wie der Rheuma-Liga erging es heuer den meisten ehrenamtlichen Vereinen, Verbänden und Genossenschaften, die in der Gesundheitsvorsorge bzw. -fürsorge tätig sind. Bislang wurde ihnen Ende März mitgeteilt, ob sie für das laufende Jahr in den Genuss einer Förderung gelangten und wie hoch diese ausfiel. Ende Mai wurde die erste Rate des Beitrages ausbezahlt.

Nicht so in diesem Jahr. Aufgrund einer Umstrukturierung in der Abteilung Gesundheit sowie der Zugangskriterien verzögerte sich die Beitragsvergabe. „Wir haben erst Anfang Oktober die Mitteilung erhalten, dass und mit wie viel uns das Land im laufenden Jahr unterstützt“, sagt Stolz. „Gerade noch rechtzeitig. Ansonsten hätten wir unsere Therapeuten nicht mehr bezahlen können.“ Dank Mitgliedsbeiträgen und Kursgebühren sei es zwar möglich gewesen, das Jahresprogramm durchzuführen. „Ankäufe von Hilfsmitteln, die unsere Mitglieder dringend benötigen, blieben aber auf der Strecke“, so Stolz. Auf diese Weise werde das gesamte Ehrenamt in Frage gestellt.

„Man kann nicht ein ganzes Jahr lang ehrenamtlich arbeiten, ohne zu wissen, ob man auf eine Unterstützung durch die öffentliche Hand zählen kann“, sagt auch Martin Telser, Präsident des Dachverbandes für Gesundheit und Soziales. An die 15 bis 20 der Mitgliedsvereinigungen waren betroffen. „Wir bräuchten dringend innovative Projekte. Und die sind dadurch zum Stillstand gekommen“, sagt Telser.

In dieselbe Kerbe schlägt Ulrich Seitz, Vorsitzender der Alzheimervereinigung ASAA und von Kinderherz. „Wenn man im Herbst die an sich ja positive Nachricht erhält, dass mein Verein Geld bekommt für Initiativen, die geplant waren, aufgrund der Unklarheit über den Landesbeitrag aber nicht durchgeführt wurden, dann ist das eben leider nicht mehr ganz so positiv“, sagt er. Dadurch bestehe die Gefahr, dass man sogar einen Teil des Beitrages wieder zurückzahlen müsse. Verschärft wurde die Situation zusätzlich, da die zweite Rate des Beitrages von 2017 den Vereinen ebenfalls erst im Spätsommer ausbezahlt wurde.

Nötig geworden war die Verschärfung der Kriterien aus mehreren Gründen (siehe Interview). Einer davon liegt allerdings auch bei den Vereinen selbst. Wie in allen Bereichen gab es auch hier in Vergangenheit das eine oder andere schwarze Schaf. Ab 2019 sollte alles wieder seinen gewohnten Lauf nehmen – so wurde es den Organisationen zumindest versprochen.

D/em

stol