Jetzt aber scheint sich ein Besitzerwechsel anzubahnen: „Wir sind an einer Ablöse interessiert“, bestätigt Landeshauptmann Arno Kompatscher. <BR /><BR />Die Gerstburg ist eines der prägenden Gebäude der Landeshauptstadt. Sie liegt einen Steinwurf von Schloss Maretsch entfernt und steht seit 1951 unter Denkmalschutz. Der einst „Zum Winkel“ genannte Hof wurde um 1488 von Sigmund Gerstl erworben und für ihn zum Ansitz Gerstburg erhoben. 1495 wurde die Kapelle geweiht. <BR /><BR />Von 1603 bis 1609 baute die Familie von Giovanelli zu Gerstburg und Hörtenberg den südöstlichen Teil an. 1744 kauften die Menz den Ansitz und vererbten ihn an die Huyn. Neben einer Kapelle verfügt die Gerstburg über einen großen Saal im zweiten Stock mit Fresken von Martin Knoller. <BR /><BR />Was sich liest wie das Dossier eines Immobilienmaklers, könnte es bald werden. Seit Langem ist das Land bemüht, seine Ausgaben für Gebäudemieten zu senken. Blätterte man einst zehn Millionen im Jahr auf den Tisch, so sind es nun 3,5. Zu Buche schlagen sich Ämter, Flüchtlingsunterkünfte – und Justitia.<h3> Miete entspricht fünf Jahresgehältern</h3>Seit 2016 ist das Land für das Verwaltungspersonal und die Unterbringung des Verwaltungsgerichts in der Gerstburg zuständig. Diese gehört der Eigenheim GmbH. Diese hat ihren Sitz in Bozen, entwickelt und verkauft Immobilien. Laut Handelskammerauszug ist Georg Mahlknecht Präsident des Verwaltungsrates. Als Geschäftsführerin scheint Marion Wojnar auf. Dem Verwaltungsrat gehören Manfred Wachter, Gudrun Mayr und Brigitte Marmsoler an.<BR /><BR />Berappte der Staat einst für die noble Immobilie 350.000 Euro, so bezieht die Eigenheim GmbH vom Land seit 2016 „nur“ mehr 250.000 Euro im Jahr. Nur, denn die Miete entspricht immer noch fünf guten Jahresgehältern. Der Mietvertrag mit der Eigenheim GmbH läuft 2028 aus und das Land scheint nicht bereit zu sein, weiter 250.000 Euro für die darauffolgenden sechs Jahre zu entrichten. Umgekehrt gab es auch bei der Eigenheim GmbH große Veränderungen, wie etwa den Tod des bekannten Immobilienmaklers Klaus Wojnar im Jahr 2020. Es soll Signale von beiden Seiten in Richtung eines Besitzerwechsels geben.<BR /><BR />„Wir sind an einer Ablöse interessiert“, bestätigt Landeshauptmann Arno Kompatscher“. Konkrete Gespräche sollen noch nicht stattgefunden haben. Die Landesverwaltung bereitet aber die Dokumente vor, um den Eigentümern den möglichen Rahmen darlegen zu können.<BR /><BR />Bleibt die Frage nach der Ablösesumme. Die Gerstburg ist eine Immobilie mit Liebhaberpreis. Da sie denkmalgeschützt ist, steht jedoch dem Land ein Vorkaufsrecht zu. Das Land ist bei einer Ablöse an einen Schätzpreis seiner Ämter gebunden. Die Ablöse könnte als einvernehmliche Enteignung im öffentlichen Interesse abgewickelt werden. Da sich das Gebäude im Zentrum befindet, wird zum (hohen) Marktwert enteignet.