„Dieser Sommer wird keiner wie jener von 2020“, betont Markus Falk.<BR /><BR /><BR /><i>Interview: Stephan Pfeifhofer</i><BR /><BR /><BR /><b>Besteht aufgrund der Öffnungen jetzt nicht die Gefahr, dass die Infektionszahlen wieder stark ansteigen werden?</b><BR />Markus Falk: Grundsätzlich ja. Im Unterschied zu 2020 haben wir aber neben den Impfungen noch nicht invasive Tests wie die Nasenflügeltests, welche relativ zuverlässig sind. Das sind mächtige Instrumente, mit denen man die Pandemie wohl nicht steuern, aber zumindest kontrolliert ablaufen lassen kann. In Südtirols Schulen sind die Infektionszahlen total unten geblieben – im Vergleich zu Wien beispielsweise, wo sie relativ schnell angestiegen sind. Das zeigt: Es kommt darauf an, wie man testet. In Südtirol sind die Infektionszahlen bei den 0- bis 9-Jährigen signifikant rückläufig. Wenn man sich vernünftig vorbereitet auf die Öffnungen, dann kann man das Infektionsgeschehen sehr wohl in Grenzen halten. Macht man es richtig, so riskiert man nicht, dass die Zahlen sofort explodieren. Klarerweise muss man den Menschen jetzt auch etwas Mut und Hoffnung machen. Aber: Dieser Sommer wird keiner wie jener 2020.<BR /><BR /><b>Sondern?</b><BR />Falk: Wir werden viel disziplinierter sein müssen. 2020 waren wir ab Mitte Juli und im August nicht mehr diszipliniert. Der Sommer ist heuer viel länger – er geht jetzt los. Wir machen jetzt komplett alles auf und verlassen uns auf die Testungen und das ist richtig so. Aber die Testungen funktionieren nur dann gut, wenn es auch entsprechende Kontrollen gibt und die Bürger diszipliniert bleiben. Negative Testergebnisse sind keine Freifahrtscheine. Die Bürger werden lernen müssen, mit den Tests umzugehen. Es gilt, die Phase zu überbrücken, bis die Impfungen auch die Altersgruppe 30+ erreicht. Bis dahin sollte man sich nicht verkarten – sonst wird die Öffnungsstrategie in Kombination mit den Testungen nicht erfolgreich sein. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-48793016_quote" /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>Aber auch wenn wir bei den Impfungen die Generation 30+ erreichen, so wird die Corona-Pandemie noch lange nicht überwunden sein.</b><BR />Falk: Nein. Wir müssen von einem Zeithorizont von mindestens 2 weiteren Jahren ausgehen. Es wird mittlerweile immer klarer, worauf wir zusteuern. Es werden Corona-Virusvarianten kommen, die auch die Geimpften wieder infizieren werden. Die Bürger werden also öfters Bekanntschaft mit dem Virus und der Impfung machen, bis wir alle immunisiert sind. Aber: Die Zeit der Lockdowns ist theoretisch definitiv vorbei – es sei denn, wir verspielen die Zeit bis August/ September.<BR /><BR /><b>Was macht Sie da so zuversichtlich?</b><BR />Falk: Wenn wir bis dahin diszipliniert bleiben, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem weiteren Lockdown kommt, sehr gering. Wir werden dann zwar nach wie vor Probleme mit dem Coronavirus haben: Die Krankenhäuser werden bis zu einem gewissen Punkt zu tun haben. Aber dieses Infektionsgeschehen wird man sich „erlauben“ können, ohne in den Lockdown zu müssen. Die Gefahr, dass die Intensivabteilungen voll werden, wird jetzt immer geringer. Zurzeit gibt es noch das Problem mit den Varianten – auch bei den jüngeren Altersklassen. Aber gegen die britische Variante wirkt der Impfstoff und diese Variante ist noch gut kontrollierbar. Südtirol ist inzwischen „gut durchseucht“ und gut aufgestellt – auch bei der Impfung der gefährdeten (vulnerablen) Bürger. <BR /><BR /><b>Eine stärkere Ausbreitungsgefahr besteht aber immer bei Feiern: Was sollte man beachten?</b><BR />Falk: Bei Feiern passt niemand auf die Regeln auf – deshalb sollten die Tests frisch sein. Mit einem 2 Tage alten Test ist nicht viel Sicherheit gewährleistet.<BR /><BR /><embed id="dtext86-48793018_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Sie wünschen sich für Südtirol Corona-Wächter. Was meinen Sie damit?</b><BR />Falk: Die Bürgermeister sollten diese Rolle einnehmen und Zusatzmaßnahmen ergreifen. Bei Bedarf sollten sie z. B. festlegen: In meinem Gemeindegebiet gelten die Tests nicht 72 Stunden, sondern nur 24 Stunden. Die Bürgermeister haben sehr viele Möglichkeiten, einzugreifen. <BR /><BR /><b>Wann wird die Wirkung der Impfungen richtig spürbar sein in Südtirol?</b><BR />Falk: Bei den über 80-Jährigen spürt man den Effekt bereits – da gibt es fast keine Fälle mehr. Auch die über 70-Jährigen sind gut geimpft. In Südtirol sind etwa 35 bis 40 Prozent immune Personen – das ist noch zu wenig. In etwa einem bis 2 Monaten könnte die Hälfte der Bürger immun sein. <BR /><BR /><b>Wie gefährlich ist es für Südtirol, dass andere Bürger aus gelben Zonen jetzt einreisen?</b><BR />Falk: Das ist nicht zu unterschätzen. Ich würde mir wünschen, dass jeder, der nach Südtirol kommt und hier einen Zweitwohnsitz hat, vorher negativ getestet wird oder sich für einige Tage in Quarantäne begibt. Das wäre gerade in Gemeinden mit viel Zuzug sinnvoll.<BR /><BR /><b>Ist es richtig, dass Fitnessstudios wieder öffnen dürfen?</b><BR />Falk: Ja. In Fitnessstudios sollte man aber zumindest in der Startphase Tests fordern, die höchstens 24 Stunden alt sind. <BR />