Montag, 14. März 2022

Landesbäuerinnentag: „Wir haben’s in der Hand“

Den Blick auf die Chancen richten, die Ressourcen der Landwirtschaft nutzen, mutig und mit Freude die Landwirtschaft gestalten – möglich nur durch Wertschätzung der heimischen Produkte und Unterstützung durch Politik und Gesellschaft: Das waren die Botschaften der Bäuerinnen beim Landesbäuerinnentag am Sonntag in Bozen.

Landesbäuerin Antonia Egger (rechts) mit den Ehrengästen und Bäuerinnen beim 41. Landesbäuerinnentag in Bozen. - Foto: © SBO

Die erschwerten wirtschaftlichen Bedingungen, die steigende Bürokratie, einengende Bestimmungen, die hohen Ansprüche der Gesellschaft an die Landwirtschaft fordern insbesondere von der Berglandwirtschaft ihre Tribute: „Wenn eine Stalltür schließt, geht sie nicht mehr auf. Wenn wir unsere Berglandwirtschaft weiterhin haben wollen, muss die Politik all ihre Kraft in die Hand nehmen, und sie muss von uns allen unterstützt werden,“ so die Forderung von Landesbäuerin Antonia Egger in ihrer Begrüßungsrede beim 41. Landesbäuerinnentag in Bozen. Dieser konnte wieder im gewohnten Rahmen im Auditorium in Bozen abgehalten werden. Bäuerinnen aus ganz Südtirol waren dazu in ihren Trachten anwesend, um ganz nach dem Motto der Versammlung zu zeigen: „Wir haben’s in der Hand“.

Soziale Medien nutzen

Dass die Bäuerinnen sehr wohl vieles in der Hand haben, zeigte Heike Zeller von „aHEU – Regionale Vermarktungsstrategien“ aus München in ihrem Vortrag auf. Die Kommunikation mit den Leuten aus der Stadt sei wichtig, um Landwirtschaft verständlich zu machen, so Zeller: „Man muss erstmal verstehen, was die Leute nicht verstehen und da sind Wissenslücken da, man muss den Leuten erklären, damit sie bereit sind, mehr für hochwertige bäuerliche Produkte auszugeben.“ Und das funktioniere über Social Media sehr gut: „Die Bäuerinnen habe da super Voraussetzungen, weil sie Emotion und Persönlichkeit mitbringen, und das sind die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kommunikation,“ ermutigte Zeller die Bäuerinnen in ihrem Vortrag.

Witwen geehrt

Drei von fünf Witwen erhielten erhielten beim 41. Landesbäuerinnentag in Bozen persönlich die Witwenehrung überreicht: v.l.: Maria Schrott Wwe. Pernthaler (Zinnerhof, St. Peter/Villnöss), Sr. Mirjam Volgger, Reinhilde Wieser Wwe. Leitner (Weissteinerhof, Pfunders/Vintl), Landesbäuerin Antonia Egger, Elsa Amhof Wwe. Lechner (Tschachnerhof, Obervintl) - Foto: © SBO



Die Witwenehrung machte wiederum deutlich, wie tapfer und mutig die Bäuerinnen auf ihren Höfen sind. „Uns ist es ein großes Anliegen, diese Anerkennung auszusprechen. Wir möchten ihnen durch diese Geschichten die Aufmerksamkeit geben, die sie sich verdienen,“ sagte Sr. Mirjam Volgger, die im Auftrag der Stiftung Südtiroler Sparkasse mit der Landesbäuerin Antonia Egger die Witwenehrung vornahm: „Der Dank kommt von Herzen.“ Der Preis der Stiftung ging an Reinhilde Wieser Wwe. Leitner (Weissteinerhof, Pfunders/Vintl), Elsa Amhof Wwe. Lechner (Tschachnerhof, Obervintl), Maria Schrott Wwe. Pernthaler (Zinnerhof, St. Peter/Villnöss), Maria Anna Oberhauser Wwe. Weidacher (Huberhof, Prags), Hildegard Mayr Wwe. Winkler (Girlan).

Die Bäuerin des Jahres ausgezeichnet

Ausgezeichnet wurde auch die neue Bäuerin des Jahres 2022, Margareth Hofer Vanzetta aus Ratschings. Ganz bewusst zog die gebürtige Kastelrutherin mit ihrer Familie vor 22 Jahren dorthin. Die Familie kaufte den Gogerer Hof, gemeinsam schafften sie sich ein Leben und Wirtschaften mit und in der Natur. Margareth dankte in ihrer Rede ihrer Familie dafür: „Es ist für mich eine große Freude mit meiner Familie den Gogerer Hof zu bewirtschaften. Ihr seid da, auf euch ist Verlass!“


Bäuerin des Jahres Margareth Hofer Vanzetta mit Landesbäuerin Antonia Egger und Konrad Bergmeister, Präsident der Stiftung Südtiroler Sparkasse, bei der Übergabe der Auszeichnung zur Bäuerin des Jahres 2022 - Foto: © SBO



In den Grußworten der Ehrengäste kamen viele Themen zur Sprache. Landesrätin Maria Kuenzer wie auch Landesrat Arnold Schuler sprachen von Ernährungssicherheit und dem Wunsch nach Unabhängigkeit von anderen Ländern, auch in der Energieversorgung, wie der Obmann des Südtiroler Bauernbunds Leo Tiefenthaler ergänzte. Gerade die aktuellen Entwicklungen zeigen auf, dass Landwirtschaft und Energie im eigenen Land elementar seien.

Es sei immer eine Gratwanderung, zwischen den verschiedenen Interessen einer Gesellschaft und man müsse auch die Grenzen der eigenen Möglichkeiten erkennen, so war man sich einig. Wichtig sei die Bedeutung der Landwirtschaft besser zu kommunizieren. Bereits bei den Kindern anzusetzen und ihnen die Landwirtschaft zu zeigen, sei unentbehrlich, so Anneliese Göller, Landesbäuerin des Bayerischen Bauernverbands. Landesrätin Waltraud Deeg unterstrich die wichtige Funktion des Ehrenamts, welches von der Politik mehr Unterstützung erfahren sollte. Durch die Kammerabgeordnete Renate Gebhard kam auch das Thema besser Rentenabsicherung von Frauen zur Sprache, die es unbedingt einzufordern gilt.

Der Versammlung voran ging ein Wortgottesdienst mit Richard Malknecht, für die musikalische Umrahmung sorgte das Ensemble Feinklang und Ludwig Fabi sorgte mit seinem humoristischen Beitrag „Hennastund“ durchaus für kritische Überlegungen.

stol

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