<b>Von Doris Ebner<BR /><BR />STOL: Kann ein so großes Steinschlagereignis <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/latsch-sicherungsarbeiten-laufen-auf-hochtouren-felsbrocken-zerkleinert" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">wie jenes am Sonntag in Latsch</a> vorhergesehen werden?<BR /></b>Volkmar Mair: An der betroffenen Stelle befindet sich eine hohe, senkrechte Felswand, die wir in der Vergangenheit bereits untersucht und analysiert haben. Auch Projekte zur Sicherung wurden ausgearbeitet. Es handelt sich um eine jener Stellen, die auf unserer Prioritätenliste ganz oben stehen, weil das Gefahrenpotential vergleichsweise hoch ist. Wann jedoch tatsächlich etwas passiert, kann nie vorhergesehen werden. In diesem Fall ist uns nun sozusagen der Steinschlag zuvorgekommen. <BR /><BR /><b>STOL: Gibt es also keine Möglichkeit, ein solches Ereignis zu verhindern, wenn man bereits weiß, dass es eintreten könnte?<BR /></b>Mair: Einen Absturz komplett zu verhindern, ist schwierig oder fast unmöglich. Dafür müssten direkt in der Felswand umfassende und komplexe Arbeiten durchgeführt werden, die sehr aufwändig und auch finanziell kaum stemmbar wären. Wir können aber Schutzdämme und Barrieren errichten, die das Risiko, dass etwas passiert, stark verringern.<BR /><BR /><embed id="dtext86-59710861_quote" /><BR /><BR /><b>STOL: Und genau das wird nun an der betroffenen Stelle in Latsch gemacht?<BR /></b>Mair: Richtig. Die Arbeiten sind bereits in vollem Gange. Da ein großer Teil des Materials im Hang liegen geblieben ist, muss dieser zuerst gesäubert werden, um einen weiteren Abgang zu verhindern. In der Zwischenzeit wurden provisorische Dämme errichtet, damit die Arbeiten gefahrlos durchgeführt werden können. Auch werden die riesigen Felsblöcke zerstückelt und von der Straße geräumt, damit letztere bis Ende der Woche wieder für den Verkehr geöffnet werden kann. Anschließend werden an der betroffenen Stelle der Damm und die Barrieren mit einer hohen Aufnahmekapazität errichtet, die in Zukunft das Material abfangen sollen, sofern sich noch einmal etwas löst. <BR /><BR /><b>STOL: Etwas weiter südlich sind diese Vorkehrungen ja schon getroffen worden...<BR /></b>Mair: Ja, dort haben wir bereits vor Jahren Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Nun wird an die bereits bestehenden Vorrichtungen angeschlossen – und das mit größter Dringlichkeit. <BR /><BR /><b>STOL: Der Steinschlag in Latsch war nicht das einzige Ereignis dieser Art in Südtirol. Immer wieder kam es in letzter Zeit zum Abgang von Geröll. Woran liegt das?<BR /></b>Mair: Solche Phänomene sind zu einem Großteil auch wetterabhängig. Bleibt es für längere Zeit trocken, passiert in dieser Hinsicht meist wenig. Kommt es dann jedoch zu längeren Regenperioden, wie im Moment, macht die Natur wieder auf sich aufmerksam. Allerdings muss dazugesagt werden, dass das, was momentan passiert, weit weg von dem eingeordnet werden muss, was wir unter schwierigen Zeiten verstehen. Und auch die Anzahl der Einsätze hält sich diesbezüglich heuer noch sehr in Grenzen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-59710867_quote" /><BR /><BR /><b>STOL: Auch dank der getroffenen Vorkehrungen?<BR /></b>Mair: Hier in Südtirol haben wir ein System, das sehr gut funktioniert. Wir haben alle Straßenabschnitte begutachtet und die Gefahren eingeschätzt, ebenso wie die Risiken, dass durch eventuelle Steinschläge Autos getroffen werden könnten. Anhand der Analysen wurde dann die erwähnte Prioritätenliste erstellt, die die Reihenfolge für die präventiven Sicherungsarbeiten bestimmt. Diese wird nun nach und nach abgearbeitet. Auch das trägt dazu bei, dass wir jährlich nur an wenigen Tagen Straßen wegen des Abgangs von Felsbrocken komplett sperren müssen.<BR /><BR /><b>STOL: Absolute Sicherheit zu erreichen, ist jedoch utopisch?<BR /></b>Mair: Ja, absolute Sicherheit gibt es nicht. Die Natur ist in ständiger Bewegung und auch unsere Monitoringsysteme zeigen, dass das, was gestern noch stabil war, morgen vielleicht schon eine Gefahr darstellen könnte. Was mir allerdings auffällt, ist die Tatsache, dass wir allgemein eine einseitige Sicht auf Unfälle und Risiken haben. Ein Zusammenprall gehört zu den Risiken, mit denen man im Straßenverkehr rechnen muss. Kommt es jedoch zu einem Geröllabgang, wird dies oft als weit dramatischer eingestuft, obwohl es Gott sei Dank nur ganz selten zu schweren Verletzungen oder gar Todesfällen kommt. Insgesamt sind wir in dieser Hinsicht also bereits sehr sicher unterwegs. <BR /><BR /><i>Der Fahrer des Autos, der am Sonntag nur knapp den riesigen Felsbrocken ausweichen und damit das Leben seiner 3 Beifahrer retten konnte, schildert im Interview seine Eindrücke des dramatischen Vorfalls.</i><BR /><BR /> <video-jw video-id="8gezgJrm"></video-jw>