Indes haben Experten des Landesdenkmalamtes mit einer Bestandsaufnahme der künstlerisch und historisch wertvollen Elemente im vom Einsturz betroffenen Gebäudeteil des Landesgerichtes begonnen.<BR /><BR />Bis Dienstagabend waren bei der Vergabeagentur 19 Angebote für Ausweichquartiere in Bozen und eines in Meran eingegangen. Am Mittwoch sichteten nach einer ersten Prüfung durch das Landesamt für Vermögensgüter Landesgerichtspräsidentin Francesca Bortolotti und der Leitende Staatsanwalt Axel Bisignano die Interessensbekundungen. <BR /><BR />Wie durchsickerte, sollen sich die in Frage kommenden Gebäude in der Italienallee, der Freiheitsstraße, in Gries und im Stadtzentrum von Bozen befinden. Auch Immobilien in der Industriezone seien angeboten worden. Das bzw. die Gebäude, die letztendlich ausgewählt werden, müssen geeignet sein, die Gerichtsämter und die Staatsanwaltschaft für mindestens fünf Jahre zu beherbergen und 200 bis 250 Personen Platz bieten. <BR /><BR />„Wir konnten mit großer Zufriedenheit feststellen, dass die Solidarität und das Interesse groß war, die gesamte Wirtschaft hat sich engagiert“, betonte Hochbau- und Vermögenslandesrat Christian Bianchi am Mittwoch im Landtag. Die Stadt Bozen habe geschlossen auf den Notstand reagiert.<BR /><BR />Der Landesrat erinnerte daran, dass seit dem Übergang des Gerichtsgebäudes ans Land zehn Millionen Euro in 183 Instandhaltungsmaßnahmen geflossen seien. Bei der Zehnjahresüberprüfung zur Statik im Jahr 2024 sei festgestellt worden, dass einige wichtige Unterlagen fehlten. <BR /><BR />Daraufhin hätten sich die Ämter zu einer vertieften Analyse der Statik entschlossen. Die Statiker aus Bozen hätten Tests in allen Gebäudeteilen durchgeführt. In ihrer Stellungnahme vom 25. Oktober 2024 sei die statische Eignung des Gebäudes bestätigt worden. Zugleich hätten die Experten aber zwei Maßnahmen empfohlen: Die Belastung in den oberen Stockwerken sollte verringert und vier tragende Säulen im Atrium verstärkt werden. Die Arbeiten seien heuer im Februar für einen Betrag von 497.000 Euro vergeben worden – mit dem Auftrag, sie innerhalb von 150 Tagen bzw. zwischen Juni und Oktober durchzuführen. Landesrat Bianchi klärte auch das Rätsel um den Stand der Arbeiten zum Zeitpunkt des Einsturzes auf. <BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/bianchi-wollen-uebergangsphase-ohne-grosse-verzoegerungen-ueberbruecken" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Wie schon am Freitag berichtet</a>, sei eine der Säulen bereits ausgetauscht worden. Durch die laufenden Ermittlungen soll auch geklärt werden, ob diese erste Maßnahme direkte oder indirekte Auswirkungen gehabt haben könnte, so Bianchi.<BR /><BR />Landeshauptmann Arno Kompatscher dankte allen Einsatzkräften, sie hätten äußerst effizient gearbeitet. Auch sprach er den Richtern, Staatsanwälten und allen Mitarbeitern seine Solidarität aus. Auch wenn es keine Opfer gegeben habe, sei der Einsturz doch ein Schock gewesen. „So etwas geht nicht spurlos vorüber“, sagte Kompatscher. Er hoffe, dass der Gerichtsbetrieb nach den gestern per Dekret aus Rom bis Ende September verlängerten Gerichtsferien mit 1. Oktober wieder regulär aufgenommen werden könne. <BR /><BR />Parallel zur Herbergssuche für die Gerichtsämter wird alles getan, um aus den Trümmern zu retten, was zu retten ist – nicht nur Computer und Unterlagen, sondern auch Wandreliefs und Fresken. Die Kunstwerke und historischen Unterlagen würden geborgen, katalogisiert und in Sicherheit gebracht, so Landeskonservatorin Karin Dalla Torre. Das historische Archiv unterhalb des Atriums enthält auf über tausend Laufmetern Unterlagen, die bis in die 1920er-Jahre zurückreichen und ins Landesarchiv Bozen überführt werden sollen.