Mittwoch, 27. September 2017

Landesverwaltung: Bye, bye „Brennerdoktor“

Der „Brennerdoktor“ gehört zu Südtirol wie das Törggelen und der Proporz. Ersterer soll nun aus der Landesverwaltung verbannt werden. Hanspeter Staffler, Generaldirektor des Landes, spricht von einer „Zäsur“.

In der Landesverwaltung gehören akademische Grade der Vergangenheit an.
Badge Local
In der Landesverwaltung gehören akademische Grade der Vergangenheit an.

Wenn in den Gängen der Landesverwaltung zukünftig ein neues Türschild angebracht wird, dann wird dem ein oder anderen Mitarbeiter etwas fehlen: Künftig sollen die Landesangestellten keine akademischen Grade mehr verwenden. Dies sieht ein Rundschreiben des Generaldirektors Hanspeter Staffler vom 14. September 2017 vor.

Screenshot

Der in Südtirol berühmt-berüchtigte Brennerdoktor ist damit vom Aussterben bedroht. „Brennerdoktor“, was war das nochmal?

Doppelt gemoppelt 

Auch 2017 haben ausländische Studienabschlüsse in Italien keine Gültigkeit. Jeder Absolvent muss über ein Verfahren, etwa an der Uni Bozen, seinen Abschluss anerkennen lassen. Kein aufwendiges Verfahren, aber eines mit doppeltem Mehrwert. Man erhält einen akademischen Titel, der in Italien gültig ist und gleich einen deutschen Doktortitel noch dazu. Oder doch nicht? Nein, eigentlich nicht, die wundersame akademische Mehrung ist ein Südtiroler Spezifikum, das als „Brennerdoktor“ auch Eingang auf Wikipedia gefunden hat.

Aus Bachelor mach Doktor

Der österreichische Grad eines Bachelors wird in Italien als laurea di primo livello anerkannt, der entsprechende akademische Grad lautet dottore. Ein Titel, der mit dem eigentlichen Doktorgrad bis auf den Klang nichts zu tun hat. Und dennoch übersetzen manche Südtiroler Akademiker ihren dottore gerne wieder ins Deutsche zurück – aus einem Bachelor wird dann schnell ein (Brenner)Doktor. Ein Prozedere, das auch bei anderen Abschlüssen wie dem Master angewandt wird.

Achtung: Korrekte Titelführung beachten

Diese landesspezifische Praxis akademischer Titelführung – die rechtlich keine Konsequenzen hat – führte in den vergangenen Jahren immer wieder zu Polemiken. Auch deshalb beschloss der Landtag am 15. Juli 2017 auf Antrag der Grünen, die Landesverwaltung möge zukünftig auf eine korrekte Titelführung achten. Nun, über zwei Jahre später, wird dieser Beschluss umgesetzt: Auf Titel soll zukünftig völlig verzichtet werden.

„Wir mussten zunächst die rechtliche Situation abklären“, erläutert Hanspeter Staffler die Dauer der Umsetzung auf STOL-Nachfrage. Ab sofort aber, so der Generaldirektor des Landes, werden die akademischen Grade von den Türschildern entfernt. Das soll Schritt für Schritt erfolgen: Schilder werden etwa bei Umzügen und Neuanstellungen erneuert, erklärt Staffler, damit könne man Kosten sparen.

Trostpflaster E-Mail-Signatur

„Viele Mitarbeiter haben bereits auf den Titel verzichtet“, resümiert Hanspeter Staffler. Anderen fiele das Ablegen des lieb gewordenen Titels aber schwer, man könne durchaus von einer „Zäsur“ sprechen, so Staffler.

Bleibt das Trostpflaster E-Mail-Signatur. In dieser darf der akademische Grad auch zukünftig verwendet werden. „Allerdings der richtige“, erinnert der Generaldirektor.

stol/aw

stol