„Ein Abendessen mit meiner Frau? Das wäre Luxus!“ Mit dieser resignierten Feststellung bringt ein Landwirt die Sorgen vieler Menschen in Südtirol auf den Punkt. Um seine 4-köpfige Familie zu versorgen, arbeitet er unermüdlich. Neben seinem Vollzeitjob im öffentlichen Dienst ist er auf dem eigenen Hof tätig und bietet zusammen mit seiner Frau Urlaub auf dem Bauernhof an. Auch sie hat einen Teilzeitjob, doch die finanzielle Belastung bleibt hoch. „Um es kurz und knapp zu sagen: Man muss in Südtirol mehreren Arbeiten nachgehen, um über die Runden zu kommen“, sagt er.<BR /><BR />Der Landwirt ist sich bewusst, dass er allein von der Hofarbeit nicht leben kann; der Hof ist dafür zu klein. Doch dass man im „reichen Land“ Südtirol 3 Jobs braucht, um den Lebensunterhalt zu sichern, empfindet er als untragbar. „Die Bezahlung im öffentlichen Dienst ist katastrophal und entspricht meiner Meinung nach einem Mindestlohn“, beklagt er. Ein anderer Job, etwa in der Privatwirtschaft, ist für ihn nicht möglich, da sich dieser nicht mit den Arbeiten auf dem Hof vereinbaren lässt.<BR /><BR />Finanzielle Unterstützung vom Land? Fehlanzeige. „Dafür ist mein Besitz zu groß“, erklärt er. Dabei wäre sein Hof komplett umzubauen. Der Stall ist bereits über 200 Jahre alt, die Strukturen sind allesamt veraltet. Doch dafür fehlt das Geld. Doch dafür fehlt das Geld. An einen Umbau ist nicht zu denken. Der Vater muss bereits alles daransetzen, dass der Lohn für seine Familie reicht. „Es kann doch nicht sein, dass man in Südtirol 3 Jobs nachrennen muss, um leben zu können“, bemängelt er. <BR /><BR />„Ein Vollzeitjob sollte reichen, um für Essen und Wohnen zu sorgen. Das wäre das Mindeste!“ Trotz der vielen Tätigkeiten bleibt am Ende des Monats nichts für die Familie übrig. Geld auf die Seite zu legen, ist nicht möglich. „Nicht einmal daran zu denken“, sagt er. Die Löhne in Südtirol seien mittlerweile einfach zu weit von der Realität entfernt.<BR /><BR />„Arbeiten, arbeiten, arbeiten – und schauen, mit dem Mindesten auszukommen“, so beschreibt er die finanzielle Lage seiner Familie. Freizeit kennen der Landwirt und seine Frau nicht: „Wann immer wir „frei“ haben, beginnt die eigentliche Arbeit auf dem Hof. Das geht allen Landwirten so.“ <h3> „Übernimmt man einen Hof in Südtirol, ist die Unterstützung gleich null“</h3>Im Jahr 2016 haben der Landwirt und seine Frau den Hof von einem Onkel übernommen, der gesundheitliche Probleme hatte. Der Hof war stark heruntergewirtschaftet, und das Paar hat ihn von Grund auf neu aufgebaut. Doch die finanzielle Unterstützung des Landes blieb aus. Egal, ob es um den Junglandwirte-Beitrag oder den Möbel-Bonus ging – alle Zulagen waren mit enormen Hürden verbunden, sodass sie am Ende statt finanzieller Hilfe hohe Steuern zahlen mussten.<BR /><BR />Seit einem Jahr bietet die Familie auch Urlaub auf dem Bauernhof an. „Das muss natürlich erst ins Rollen kommen“, hofft sie auf eine finanzielle Entlastung durch die 2 Ferienwohnungen. Doch die Aussichten für die Zukunft sind „alles andere als rosig“ – besonders für die jungen Leute. „Was können wir für unsere Kinder tun? Nichts… weil uns die Mittel fehlen“, sagt der zweifache Vater hoffnungslos.<BR /><BR />Die Zustände im Land beschreibt er als „katastrophal“: „Wenn ich im Radio höre, wie viele Menschen mittlerweile auf der Straße leben, kann ich nur den Kopf schütteln.“ Von der Politik ist er enttäuscht; Südtirol sieht er mittlerweile als das „kleine Amerika“. „Wie jemand wirtschaftlich aufgestellt ist, spielt kaum noch eine Rolle. Irgendetwas werden die Leute schon tun.“ <BR /><BR />Das gesamte System der Landwirtschaft sei falsch aufgebaut: „Als Bauern produzieren wir Lebensmittel für die Menschen. Heute müssen wir unsere Höfe erhalten und daneben noch arbeiten gehen, um selbst etwas zu essen zu haben? Das ist lächerlich.“