Im Vergleich zu anderen Gebieten funktioniere das in Südtirol zwar schon sehr gut, aber bei den Reserven könnte man noch aufstocken. Es brauche mehr Speicherbecken, um Regenwasser zu sammeln und in Trockenzeiten nutzen zu können. „Wir versuchen schon seit einigen Jahren vergeblich, dieses Problem zu lösen“, erklärt der Experte. Doch auch die Landwirtinnen und Landwirte könnten dazu beitragen, Wasser zu sparen.<BR /><BR />Der Großteil der Flächen, die für Obst- und Weinbau genutzt werden, wird bereits mit Tropfberegnung bewässert. „Das war eine große Umstellung, wird aber seit geraumer Zeit bereits fast überall genutzt“, sagt er. Zahlreiche Tests im Versuchszentrum hätten bewiesen, dass die Bewässerung bei einem wesentlich niedrigeren Verbrauch genauso gut funktioniert.<BR /><BR />Lediglich für Frostnächte kommt die ausgiebigere Überkopfberegnung zum Einsatz. Es gibt zwar allerhand Alternativen, doch die sind entweder wesentlich teurer oder aufwendiger. „Überkopfberegnung ist mit Abstand das effizienteste System, um die Pflanzen vor Frost zu schützen. Das macht es unabdingbar“, sagt Guerra.<h3> Viele Möglichkeiten, Wasser zu sparen</h3>Es gibt in der Landwirtschaft jedoch durchaus andere Möglichkeiten, Wasser zu sparen. Im Obstbau werden bereits vermehrt Sensoren eingesetzt, die anzeigen, wann Pflanzen bewässert werden müssen. Sogenannte Tensiometer messen zudem die Wasserverfügbarkeit im Boden. Die Auswahl an technischen Hilfsmitteln ist groß, und sie kommen bereits vielfach zum Einsatz.<BR /><BR />Doch dabei soll es nicht bleiben: „Solche Situationen zeigen, wie wichtig Wasser als Ressource ist. Deshalb forschen wir seit 30 Jahren in diesem Bereich und das werden wir auch weiterhin tun“, erklärt der Institutsleiter. In Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Bauernbund läuft das Projekt Wasser-Pilot, bei dem Lösungen für einen sparsamen Umgang mit Wasser durch Digitalisierung und Automatisierung in der Landwirtschaft erarbeitet werden. In der LIDO-Anlage der Laimburg werden etwa 20 verschiedene Systeme zur smarten Bewässerung getestet und evaluiert. In Zukunft könnte sich jedoch nicht nur an der Bewässerung an sich etwas ändern, sondern auch an den Pflanzen. „Gewisse Unterlagen speichern Wasser besser als andere. Auch die richtige Sorte spielt dabei eine Rolle“, meint Guerra.<BR /><BR />Im Weinbau sei Wasserknappheit laut Mario Wegher, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Physiologie und Anbautechnik an der Laimburg, kein allzu großes Problem: „Wenn es nicht unbedingt notwendig für das Überleben der Pflanzen ist, wird überhaupt nicht gegossen.“ Die Wurzeln der Reben reichen teilweise bis in eine Tiefe von etwa fünf Metern, wodurch die Pflanzen weniger Wasser benötigen. Während der Reifephase könne ein leichter Trockenstress sogar positiv wirken, da er die Konzentration von Inhaltsstoffen, Gerbstoffen und Farbstoffen erhöht.<h3> Gasser: „Intensivkulturen brauchen viel Wasser“</h3>„Kein Landwirt verbraucht unnötig Wasser“, ist sich Daniel Gasser Obmann des Südtiroler Bauernbundes (SBB) sicher. Generell gehe man in der Landwirtschaft sehr sorgsam mit der Ressource um, aber: „Für Intensivkulturen braucht man nun einmal viel Wasser“, sagt er.<BR /><BR />Gesetzliche Regelungen sorgen laut Gasser bereits dafür, dass in der Landwirtschaft niemand mehr Wasser verbraucht, als ihm auch zusteht. Zunächst muss jede Landwirtin und jeder Landwirt eine Wasserkonzession haben, um überhaupt Wasser entnehmen zu dürfen. Dabei ist auch mit sogenannten Restwassermengen geregelt, wie viel Wasser überhaupt verbraucht werden darf.<BR /><BR />Während im Obst- und Weinbau auf Sensoren gesetzt wird, um zu bestimmen, wann bewässert werden sollte, würde sich das laut Gasser in der Grünlandwirtschaft nicht lohnen. „Wenn nicht viel Wasser zur Verfügung steht, dann werden Grünflächen wenig oder gar nicht beregnet“, erklärt der Bauernbund-Obmann. Auch Tropfberegnung wäre in Grünlandwirtschaft und Ackerbau nicht möglich.<BR /><BR />Ein großes Problem bei der Wasserknappheit seien jedoch fehlende Speicherbecken. Die Beregnungsgenossenschaften in Südtirol seien bereits dabei, solche zu planen. Bisher konnten die Pläne jedoch noch nicht in die Realität umgesetzt werden. „Es wäre für die Zukunft essenziell, das Regenwasser aufzufangen und zu speichern, damit wir in der Not mehr zur Verfügung haben“, meint er.