Donnerstag, 05. November 2020

„Lasst die Schulen offen“

Durch erneute Umstellung auf Homeschooling und Betreuung der Kleinkinder zuhause droht Überforderung der Familien. Der Landesbeirat für Chancengleichheit und der Südtiroler Jugendring sprechen sich für die Aufrechterhaltung des Präsenzunterrichts aus. „Lasst die Schulen offen“, ruft der SJR auf.

Der SJR weist darauf hin, dass Lernen in der Schule und im Kindergarten vor allem auch soziales und emotionales Lernen ist.
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Der SJR weist darauf hin, dass Lernen in der Schule und im Kindergarten vor allem auch soziales und emotionales Lernen ist. - Foto: © shutterstock
In seiner Sitzung am gestrigen Mittwoch sprach sich der Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen für die Aufrechterhaltung der Präsenz in den Schulen aller Altersstufen und in den Kinderbetreuungseinrichtungen aus.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eines der zentralen Themen des Landesbeirats für Chancengleichheit. Der Covid19-Lockdown im Frühjahr hat die Familien in Südtirol vor größte Herausforderungen gestellt, um einerseits ihrer beruflichen Beschäftigung nachgehen und andererseits das Homeschooling und die Betreuung der Kinder gewährleisten zu können.

„Der Landesbeirat ist sich bewusst, dass der Schutz der Gesundheit Priorität hat. Dennoch kann es nicht sein, dass durch die aktuellen Verordnungen und den teilweisen Lockdowns in immer mehr Gemeinden nun eine Überforderung der Familien droht, die großteils von den Frauen zu schultern ist,“ so die die Präsidentin des Landesbeirates für Chancengleichheit Ulrike Oberhammer.

Die Präsenz in den Betreuungs- und Bildungsstrukturen ist das primäre Anliegen des Landesbeirats. Für besondere familäre Anforderungen solle zudem eine Notbetreuung angeboten und die gesetzlich vorgesehene Elternzeit, mit entsprechenden finanziellen Entschädigungen ausgebaut werden.

Südtiroler Jugendring: „Lasst die Schulen offen!“

Das öffentliche Leben wird wieder weitgehend heruntergefahren und dadurch werden auch Kinder und Jugendliche in ihrer Lebenswelt erneut massiv einzuschränken. Vorwiegend passiert dies mit der Begründung andere zu schützen. „Indem wir so vorgehen, erkennen wir als Gesellschaft Kinder und Jugendliche nicht als gleichwertige Personen an, sondern reduzieren sie als Mittel zum Zweck. Das Recht auf Bildung bleibt auf der Strecke“, mahnt Tanja Rainer, SJR-Vorsitzende.

Der SJR weist darauf hin, dass Lernen in der Schule und im Kindergarten vor allem auch soziales und emotionales Lernen ist. „Die Sozialisierung mit Gleichaltrigen ist unabdingbar. Dies kann innerhalb der Familie kaum kompensiert werden. Für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung ist der Umgang mit Gleichaltrigen essenziell. Kinder brauchen Kinder und Jugendliche brauchen Jugendliche“, bringt es Kevin Hofer, SJR-Geschäftsführer auf den Punkt.



Der SJR vermisst in der aktuellen Situation die Perspektive der Kinder und Jugendlichen. „Die nun ergriffenen Maßnahmen werden ausschließlich aus der Perspektive der Leistungsträger der Gesellschaft, der Erwachsenen erlassen.“, so Rainer. Es sei zu kurz gedacht gerade jetzt nur an die Arbeitswelt zu denken, diese am Laufen zu halten und die Zukunftsträger, unser Kinder und Jugendlichen, wegen steigender Infektionszahlen und für das Fehlverhalten von zumeist uns Erwachsenen abzustrafen.

„Im Kindes- und Jugendalter wird der Grundstein für das spätere Leben gelegt und wir sind gerade dabei eine 'Generation Lockdown' zu verursachen. Früher oder später werden wir uns den Vorwurf gefallen lassen müssen, dass wir eine ganze Generation in ihrer Entwicklung behindert und ihrer Chancen beraubt haben, wenn wir so weitermachen!“, warnt Rainer weiter. „Lasst die Schulen offen!“, daher der Aufruf des SJR.

stol