Beamte der Steuerpolizei und einige von Finanzpolizei-General Francesco Attardi persönlich ausgewählte Experten nehmen die Unterlagen dazu jetzt genau unter die Lupe. Wie berichtet, ermittelt die Bozner Staatsanwaltschaft gegen Stiftungsgründerin Helga Christian und die Kuratoriumsmitglieder Otto Scrinzi sowie gegen die vom „Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (Döw)“ als rechtsradikal eingestuften Peter Kienesberger und Erhard Hartung. Einerseits geht es darum, herauszufinden, ob die Laurin-Stiftung möglicherweise als Geheimverbindung angesehen werden könne, andererseits und vor allem darum, ob sie gegen Gesetze im Bereich des Banken- und Kreditwesens verstoßen haben könnte. Die Laurin-Stiftung hat sehr viele wirklich bedürftige Menschen in Südtirol in schwierigen Zeiten unterstützt. Allerdings pflegt sie auch gute Kontakte zur rechtspatriotischen Szene. An den Heimatbund sollen Spenden geflossen sein. Eva Klotz von der Süd-Tiroler Freiheit verteilt mit ihrer Bewegung die von Kienesberger herausgegebene Zeitschrift „Der Tiroler“; laut Bayerischem Verfassungsschutz verbreitet Kienesberger rechtsextremistisches Gedankengut. Für die Freiheitlichen bürgt die Laurin-Stiftung für einen Kredit über 260.000 Euro.Die Staatsanwaltschaft will nun genau wissen, wer die Kreditnehmer in jenen sieben Jahren waren, ob sie als bedürftig einzustufen seien oder ob ihnen möglicherweise eine Zugehörigkeit zur rechten Szene nachgewiesen werden kann. Auch will Staatsanwalt Guido Rispoli wissen, welche Bedingungen für die Darlehen gewährt wurden: Wurden Zinsen verlangt? Wurde das Geld zurückgezahlt und wenn ja, wieviel? Wenn das Geld nicht zurückbezahlt wurde: Warum nicht und wer ist der Begünstigte? Möglicherweise orientiert sich die Staatsanwaltschaft mit ihren Fragen auch an historischen Ermittlungen gegen andere Stiftungen. Beispielsweise gegen die Niermann-Stiftung bzw. ihren Nachfolger, die Parcami-Stiftung. Im Zuge des Ein-Tirol-Prozesses, so berichtet die Tageszeitung „Alto Adige“, sei ans Tageslicht gekommen, dass der bereits verstorbene Norbert Burger 1982 die Stiftung dazu gebracht habe, an 17 ehemalige politische Häftlinge – Südtirol-Aktivisten – Pensionen auszuzahlen. Ein Teil davon sei ausbezahlt worden, rund 50.000 Deutsche Mark soll Burger allerdings in Richtung Heimatbund verschoben haben.In Deutschland gab es Ermittlungen dazu gegen Burger und auch Kienesberger – am Düsseldorfer Landesgericht wurde zumindest der Rechtsstreit gegen Burger jedoch im Jahr 1988 durch die Bezahlung einer Geldstrafe über 15.000 Euro abgeschlossen.Uli/D