Mittwoch, 04. April 2018

Lawine im Passeiertal: Hätte die Rettung schneller gehen können?

Nachdem am Samstag oberhalb der Timmelsalm 2 Skitourengeher von einer Lawine verschüttet wurden, ist nun eine Diskussion entbrannt, ob die Rettung der Verschütteten hätte schneller gehen können, wenn ein Nordtiroler Hubschrauber im Einsatz gestanden hätte.

Am Samstag war ein Großaufgebot an Rettungskräften zu einem Lawineneinsatz ausgerückt. - Foto: Video Aktiv Schnalstal
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Am Samstag war ein Großaufgebot an Rettungskräften zu einem Lawineneinsatz ausgerückt. - Foto: Video Aktiv Schnalstal

Wie berichtet, war eine Gruppe deutscher Skitourengeher am Samstag gemeinsam mit einem Bergführer zu einer Tour in Richtung Gürtelspitze aufgebrochen. An diesem Tag herrschte Lawinengefahr der Stufe 4 - groß - in diesem Gebiet.

Gegen Mittag löste sich eine Lawine und riss die 5 Personen mit, 2 davon wurden verschüttet. Während sich eine Person selbst befreien konnte, musste eine 47-jährige Frau von den Rettungskräften geborgen werden. Sie wurde anschließend vom Team des Rettungshubschraubers Aiut Alpin mit schweren Unterkühlungen ins Krankenhaus geflogen, später wurde sie in ein Krankenhaus in Deutschland gebracht. Sie konnte bereits am Sonntag wieder entlassen werden.

Vorwurf: Nordtiroler Rettungshubschrauber wäre schneller vor Ort gewesen

Am Mittwoch nun berichtete die Süd-Tiroler Freiheit in einer Aussendung von einem Brief, in dem eine Rettungsorganisation aus Nordtirol eine Sachverhaltsdarstellung an die Südtiroler Landesregierung geschickt hatte. 

In dem Schreiben wird erklärt, die Südtiroler Flugrettung hätte aufgrund des Nebels eine Stunde gebraucht, um den Einsatzort zu erreichen. Man hätte der Landesleitstelle Bozen jedoch schon gleich nach Eingang des Notrufes mitgeteilt, dass ein Notarzthubschrauber auf österreichischer Seite bereit stünde und in 3 Minuten am Unfallort sein könnte.

„Dieses Angebot wurde (...) abgelehnt und Südtiroler Rettungskräfte (Bergrettung und der Rettungshubschrauber Pelikan) alarmiert. Um 13.05 Uhr meldete sich die Leitstelle Bozen in Innsbruck und teilte mit, dass die Südtiroler Rettungskräfte zwar in der Nähe sind, aber aufgrund des starken Nebels von Süden her nicht zum Unglücksort kommen – von Norden her sieht das Wetter wesentlich besser aus. Die Leitstelle Innsbruck alarmierte um 13.07 Uhr den Rettungshubschrauber Martin 8 – zu diesem Zeitpunkt waren seit dem Notruf bereits 57 Minuten verstrichen. Um 13.11 Uhr wurde Martin 8 storniert, da die Südtiroler Einsatzkräfte doch noch zum Lawinenhang gelangen konnten“, heißt es in dem Brief.

Die verschüttete Skitourengeherin war erst nach mehr als einer halben Stunde aus den Schneemassen befreit worden. Etwas länger, und die Frau hätte möglicherweise nicht überlebt.

Sachverhalt wird nun geprüft

Der Landtagsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit Sven Knoll forderte vom Landtag daraufhin eine Aufklärung in dieser Sache sowie eine bessere Zusammenarbeit zwischen Nord- und Südtirol: „Die Kritik richtet sich ausdrücklich nicht gegen die freiwilligen Rettungskräfte, die unter Einsatz des eigenen Lebens den verunglückten Bergsteigern zur Hilfe geeilt sind, sondern vielmehr gegen die behördliche Engstirnigkeit, für die eine willkürliche Staatsgrenze offenbar wichtiger ist, als das Wohl der Patienten.“

Dr. Ernst Fop, der Primar der Südtiroler Notrufzentrale, kündigte an, der Sache umgehend auf den Grund zu gehen. Er gab jedoch auch zu bedenken, dass es sich bei dem Notarzthubschrauber aus Österreich um ein privates Unternehmen handelt. Und er wolle vermeiden, dass hier der Geschäftsgedanke in den Vordergrund gerückt wird.

stol/liz

stol