Donnerstag, 02. April 2015

Lawine in Frankreich: Südtiroler unter den Toten

Eine Lawine im Ecrins-Massiv in den französischen Alpen hat drei junge Alpinisten des Österreichischen Alpenvereins in den Tod gerissen: Einer der Bergsportler im Alter zwischen 20 und 25 Jahren stammte aus Südtirol.

Das Ecrins-Massiv: Blick auf Refuge des Ecrins (eingezeichnet) und Col Emile Pic
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Das Ecrins-Massiv: Blick auf Refuge des Ecrins (eingezeichnet) und Col Emile Pic - Foto: © APA/EPA

Die elfköpfige Gruppe war laut Informationen des ÖAV am Mittwoch gegen 14.30 Uhr am Col Emile Pic nahe der Ecrins-Hütte in rund 3.350 Metern Höhe von einem 80 Meter breiten und 250 Meter langen Schneebrett in die Tiefe gerissen worden, nachdem die Alpinisten eine Scharte bewältigt hatten.

„Die Teilnehmer waren gerade damit beschäftigt, ihre Skiausrüstung anzulegen, als sich das Schneebrett löste“, schilderte ÖAV-Präsident Andreas Ermacora. Sechs Teilnehmer wurden komplett, fünf teilweise verschüttet.

Die Teilverschütteten konnten sich entweder selbst befreien, bzw. kamen ihnen Alpinisten zu Hilfe, die sich in diesem Bereich befunden hatten. Hinter der ÖAV-Gruppe soll nämlich eine Gruppe aus Deutschland und eine aus Tschechien abgestiegen sein. „Und kurz zuvor ist eine deutsche Gruppe abgefahren, ohne dass etwas passiert ist“, so Ermacora.

Verstarben noch am Unfallort

Die drei jungen Alpinisten verstarben noch an Ort und Stelle. Ein Verstorbener stammte aus Wien, der andere aus Salzburg, der dritte aus Südtirol: Es handelt sich um den 24-jährigen Martin Pallua.

Ein Tiroler wurde schwer verletzt und in die Klinik nach Grenoble geflogen. „Er lebt, sein Zustand ist aber sehr kritisch“, sagte Ermacora.

Rest der Gruppe wurde am Donnerstag ausgeflogen

Die restlichen Gruppenmitglieder hatten die Nacht in der Ecris-Hütte verbracht und wurden Donnerstagvormittag mit Rettungshubschraubern nach Briancon ausgeflogen. „Sie werden jetzt von den Behörden einvernommen“, erklärte er. Diese hätten dann zu entscheiden, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird oder nicht.

Gruppe war „bestens ausgerüstet“

Zum Unglückszeitpunkt hatten laut Informationen des ÖAV „gute Verhältnisse“ geherrscht. Die Experten vor Ort hätten die regionale Lawinengefahr mit Stufe „3“ der fünfteiligen Skala angegeben.

Die Gruppe umfasste neun junge Bergsportler, die an dem Alpenvereins-Projekt „Junge Alpinisten“ teilnahmen, und zwei staatlich geprüfte Bergführer aus Österreich. Im Zuge der mehrtägigen Tour sei geplant gewesen, das Ecrins-Massiv zu durchqueren.

Die Gruppe, die „bestens“ ausgerüstet gewesen sei, war seit vergangenem Samstag unterwegs und hätte die Tour nach zwei weiteren Tagen abschließen sollen. Ziel des Projekts „Junge Alpinisten“ sei es, junge Bergsteiger zu selbstständigen Alpinisten auszubilden.

„Zutiefst betroffen“

Noch in der Nacht auf Donnerstag hatte der Alpenverein ein Experten-Team, darunter mehrere Bergführer und ein Notfallpsychologe, nach Frankreich geschickt. Sie sollen die Teilnehmer notfallpsychologisch betreuen und die Aufklärungsarbeit vor Ort unterstützen. Den Angehörigen der Verunglückten sagte der Alpenverein „jede Unterstützung“ zu und half ihnen dabei, nach Frankreich zu kommen.

„Es ist das Schlimmste eingetreten, was passieren kann“, sagte Ermacora unter Tränen: „Dass bergbegeisterte Menschen unter unserer Führung zu Tode gekommen sind, macht uns fassungslos. Wir sind zutiefst betroffen“.

apa

stol