Mittwoch, 16. Januar 2019

Lawinengefahr in Nordtirol trotz Wetterberuhigung weiter hoch

In den Alpen ist trotz des Endes des Dauer-Schneefalls die Lawinengefahr hoch. In vielen Regionen galt die zweithöchste Warnstufe 4.

Zwei Beherbergungsbetriebe in der Ramsau wurden von Lawinen teilweise verschüttet. - Foto: APA (BFV LIEZEN)
Zwei Beherbergungsbetriebe in der Ramsau wurden von Lawinen teilweise verschüttet. - Foto: APA (BFV LIEZEN)

In Kärnten starb ein 24-jähriger Skilehrer aus Tschechien unter einer Lawine, ein 57-jähriger Steirer wurde von einer Dachlawine getötet. Glücklicherweise keine Verletzten gab es in Ramsau am Dachstein, wo zwei Beherbergungsbetriebe von einer Lawine getroffen wurden.

Wie die Polizei mitteilte, war der verunglückte tschechische Skitourengeher gemeinsam mit seinem Vater auf einem Forstweg abseits der Pisten unterwegs, als er von einer Lawine 100 Meter mitgerissen wurde - für ihn kam jede Hilfe zu spät. Wie Polizeisprecher Mario Nemetz im Gespräch mit der APA sagte, waren die beiden sehr gut ausgerüstet. Der 24-Jährige war als Skilehrer in der Region tätig, sein Vater war auf Urlaub in Kärnten.

Ein 57-jähriger Steirer ist Dienstagnachmittag ersten Informationen der Polizei zufolge von einer Dachlawine verschüttet worden und gestorben. Der Mann war in der Kleinsölk in St. Nikolai im Sölktal im obersteirischen Bezirk Liezen Flächen beim Schneeschaufeln, als sich eine etwa eineinhalb Meter hohe Schneewechte vom Dach löste. Trotz Reanimation starb der Steirer noch am Unfallort.

Bereits Dienstagfrüh hat eine große Lawine zwei Beherbergungsbetriebe in der Ramsau erfasst. Verletzte oder Vermisste gab es nicht, sagte Bürgermeister Ernst Fischbacher in einer Pressekonferenz in Ramsau am Dachstein. „Das heutige Lawinenereignis überstieg unsere Erfahrungswerte”, so Lawinenkommissionsmitglied Heribert Eisl. Die sogenannte Eiskarlawine hatte um 1.00 Uhr Teile der Hotels mit 60 Gästen verschüttet. „Es war ein Glück und wir sind froh, dass die Lawinen nicht vier Stunden früher abgegangen ist, als alle Gäste beim Abendessen gesessen sind”, sagte Eisl.

Der Videobeitrag von „Apa“ hat die mühseligen Räumungsarbeiten aufgezeichnet.

In der Ramsau ist darüber hinaus am Dienstag ein 31-jähriger Feuerwehrmann beim Abputzen eines mit Schnee bedeckten Daches durch eine Lichtkuppel gebrochen und in den darunter liegenden Raum gestürzt. Er war danach bei Bewusstsein und wurde mit dem Hubschrauber in das Spital nach Salzburg geflogen.

Neue Rekorde

Die Neuschneemengen, die in den vergangenen 15 Tagen registriert worden sind, kommen selbst in den schneereichen Regionen Österreichs nur alle zehn bis 100 Jahre vor. Vereinzelt gab es sogar neue Rekorde. „Noch liegen nicht alle Daten vor, aber in Tirol, Salzburg, Oberösterreich und in der Steiermark gibt es auf jeden Fall neue Rekorde”, sagte Michael Winkler von der ZAMG in Innsbruck.

Einige Beispiel für neue Rekordwerte der 15-tägigen Neuschneesumme: Seefeld mit 283 Zentimetern. Abtenau mit 240 Zentimetern. Bad Mitterndorf mit 270 Zentimetern und Hochfilzen mit eindrucksvollen 451 Zentimetern.

Noch am Dienstag sollte der Schneefall abklingen, in den nächsten Tagen wären höchstens geringe Mengen zu erwarten. Mittwoch und Donnerstag sollen nach den Prognosen der Meteorologen größtenteils sogar sonnig verlaufen. Die Lawinenwarndienste warnten jedoch, dass auch bei einem Rückgang des Risikos die Situation abseits der gesicherten Pisten sehr heikel bleibe. Auch bei Lawinenwarnstufe 3 (erhebliche Lawinengefahr) würde schon die Zusatzbelastung durch einen Wintersportler genügen, um einen Abgang auszulösen.

apa

stol