Sonntag, 06. Januar 2019

Lawinentoter in Vorarlberg - Situation weiter kritisch

In Schoppernau im Bregenzerwald ist am Sonntag ein Skifahrer bei einem Lawinenabgang ums Leben gekommen. Der Verschüttete soll von seinem Kollegen ausgegraben worden, aber noch an der Unglücksstelle verstorben sein, bestätigte die Polizei der APA. Nach ersten Informationen handelte es sich bei dem Getöteten um einen 26-jährigen Mann. Er und sein Kollege waren im freien Gelände unterwegs.

Die Wettersituation bleibt weiterhin angespannt Foto: APA
Die Wettersituation bleibt weiterhin angespannt Foto: APA

In weiten Teilen Österreichs bleib am Sonntag die Lawinengefahr kritisch. Aufgrund der Neuschneemengen und der störanfälligen Schneedecke war die Lawinengefahr in Nordtirol, Vorarlberg und Salzburg am Sonntag auf Stufe 4 gesetzt worden. Aus Sicherheitsgründen blieben zahlreiche Verkehrsverbindungen im Westen gesperrt. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik registrierte in den letzten 24 Stunden 20 bis 60 Zentimeter Neuschnee in den Tälern der Alpennordseite.

Die aufgrund der hohen Lawinengefahr gesperrte Glemmtaler Landesstraße (L111) wurde am Sonntagnachmittag wieder geöffnet. Saalbach-Hinterglemm und Viehhofen waren damit wieder erreichbar. Die Gemeinde St. Koloman im Tennengau ließ am Sonntag ihren Rat an die Bewohner, die Häuser aufgrund möglicher Lawinenabgänge nicht zu verlassen, aufrecht. Die Volksschule und der Kindergarten bleiben bis einschließlich Dienstag geschlossen.

Massig Neuschnee 

In Hochfilzen (Bezirk Kitzbühel) wurden auf 962 Metern Seehöhe zum Beispiel ein Schneedeckenzuwachs von 70 Zentimetern seit Donnerstag festgestellt. Die ZAMG erwartet weitere Schneefälle, weil die Nordwestwetterlage erhalten bleibt. An der Alpennordseite könnten von Dienstag bis Freitag 30 bis 80 Zentimeter Schnee dazukommen. Unter anderem blieb die Felbertauernstraße zwischen Matrei und Mittersill vorerst gesperrt. Mit der Gerlosstraße und der Tuxer Landesstraße sowie kurzzeitig der Fernpassstraße waren weitere für den Urlauberverkehr wichtige Straßenverbindungen von Sperren betroffen.

Der Warndienst Niederösterreich schätzte die Lawinengefahr in den Ybbstaler Alpen und im Rax-Schneeberggebiet über 1.500 m als „groß” ein. Erheblich war das Risiko am Sonntag in den Türnitzer Alpen, im Semmering-Wechsel-Gebiet über 1.400 Metern sowie im Rax-Schneeberggebiet unterhalb von 1.500 Metern. Im Tourenbereich befanden sich Gefahrenstellen durch frischen Triebschnee demnach in allen Expositionen. Bei Hohenberg im Bezirk Lilienfeld lief am Sonntagvormittag eine Suchaktion nach zwei vermissten Tourengehern an. Die zwei Personen waren am Samstagabend abgängig gemeldet worden, bestätigte ein Sprecher der Exekutive auf Anfrage.

In der Obersteiermark mussten Bundesheer und Polizei ihre Erkundungs- bzw. Versorgungsflüge mit Hubschraubern am Sonntagnachmittag einstellen. Ein Flug einer Alouette III aus Aigen im Ennstal mit Versorgungsgütern ins abgeschnittene Sölktal gelang, ein Einsatz zur Absprengung einer Lawine am Grimming, um die B320 freizubekommen, musste abgebrochen werden. Damit konnte auch die Lawinenabsprengung nicht durchgeführt werden. Die Ennstalbundesstraße (B320) zwischen Trautenfels und Espang blieb weiterhin gesperrt.

Laut Landeswarnzentrale Steiermark und dem ÖAMTC waren zahlreiche Straßen gesperrt. In Wildalpen waren die Straßen nach Hinterwildalpen und Rothwald gesperrt, ebenso die Hochschwabstraße nach Weichselboden. In Schladming wurden die Straßen ins Ober- und Untertal gesperrt. Weiters nicht passierbar war die Straße zwischen Ober- und Unterlaussa bei St. Gallen Richtung OÖ und der Koppenpass zwischen Bad Aussee und Obertraun (Oberösterreich).

Auch die B71 zwischen Neuhaus und Maierhöfen sowie zwischen dem Zellerrain und Grünu wurde gesperrt. Ebenfalls kein Durchkommen gab es auf der L135 zwischen Hirschwang und Prein an der Rax. Schneekettenpflicht für alle Fahrzeuge herrschte etwa über den Annaberg auf der B20 und auf der B25 über den Grubberg.

Das Winterwetter sorgte auch für gesperrte Bahnstrecken in Österreich. Nach einem Oberleitungsschaden Sonntagfrüh in Leogang im Salzburger Pinzgau, bei dem 300 Reisende vier Stunden in einem ÖBB-Nightjet festgesessen sind, bleibt die Bahnstrecke zwischen Saalfelden und Hochfilzen laut einer Aussendung der ÖBB voraussichtlich noch bis Montagnachmittag gesperrt.

Nach dem Zugsunglück, bei dem ein Baum auf die Oberleitung gestürzt und ein Zug in Leogang gegen das Hindernis gekracht ist, stellte sich bei den Reparaturarbeiten heraus, dass durch steigende Temperaturen zahlreiche Bäume und Sträucher aufgrund der Schneelast in die Strecke hineinragen und damit einen sicheren Zugverkehr nicht möglich machen, teilte die ÖBB mit. Der Nightjet wurde in den Bahnhof Saalfelden zurückgezogen. Der Zug werde nach Salzburg zurück und von dort über die Korridorstrecke „Deutsches Eck” verkehren.

Aufgrund akuter Lawinengefahr mussten die ÖBB auch den Zugverkehr zwischen Stainach und Schladming einstellen. Für die Züge des Fernverkehrs wurde in diesem Streckenabschnitt ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Für Reisende im Nahverkehr steht ein Schienenersatzverkehr zwischen Stainach und Öblarn zur Verfügung.

apa

stol