Alle 9 Stunden ereignet sich auf Südtirols Straßen ein Wildunfall: 2023 sind dabei 981 Wildtiere getötet worden, vor allem Rehwild und Rotwild, aber auch Dutzende Füchse und Dachse. Jahr für Jahr bringt der Straßendienst Hunderte Wildwarnreflektoren an, um Mensch und Tier an neuralgischen Punkten besser zu schützen – und doch ist die Zahl der Kollisionen zwischen Autofahrern und Tieren 2023 die zweithöchste in den vergangenen 12 Jahren.<BR /><BR />Hauptgrund für die hohe Zahl an Wildunfällen ist die hohe Geschwindigkeit der Autofahrer, sagt der Direktor des Jagdverbandes, Benedikt Terzer. „Die besten Präventionsinstrumente nützen nichts, wenn die Geschwindigkeit hoch ist. Gerade in den Dämmerungsstunden wird das Risiko unterschätzt.“ Auch das gestiegene Verkehrsaufkommen im Vergleich zu den vergangenen Jahren spiele bei der Zahl der Wildunfälle eine wichtige Rolle: Je mehr Fahrzeuge unterwegs sind, desto höher ist die Unfallwahrscheinlichkeit, meint Terzer. <BR /><BR />Und: Die Witterung habe ebenfalls Einfluss. Bei hoher Schneelage werde das Wild gezwungen, in niedrige Gebiete abzuwandern und damit sei dann auch mehr Wild unterwegs, das die Straßen überquert.<h3>Nicht jeder Wildunfall wird gemeldet</h3>Bei den 981 Wildunfällen im vergangenen Jahr handelt es sich um gemeldete Kollisionen. Da gebe es aber noch eine Dunkelziffer an nicht gemeldeten Zusammenstößen, sagt Terzer. Er geht dabei von einer Zahl „im unteren dreistelligen Bereich“ aus. „Nach einem Unfall stehen Fahrzeuglenker häufig unter Schock und wissen nicht recht, an wen sie sich wenden sollen“, sagt der Direktor des Jagdverbandes. <h3>Notruf 112 absetzen und abwarten</h3>Kommt es zu einem Wildunfall, so rät der Jagdverband dazu, die Notrufnummer 112 abzusetzen. Die Landesnotrufzentrale informiert dann über die Forstbehörde den zuständigen Jagdaufseher oder Revierleiter. Diese Meldung muss auch dann gemacht werden, wenn das angefahrene Tier flüchtet. 145 Revierleiter und 70 hauptberufliche Jagdaufseher stehen bei Wildunfällen landesweit ehrenamtlich bereit – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr, sagt Terzer. Als Autofahrer sollte man nach Absetzen des Notrufes warten, bis Hilfe eintrifft. Das angefahrene Tier sollte grundsätzlich nicht angefasst werden. Wildtiere können aggressiv werden, wenn sie verletzt sind. Auch tote Tiere sollten nicht berührt werden. Nur wenn das Tier mitten auf der Straße liege und eine Gefahr für herannahende Autos darstelle, sollte es mit Handschuhen an den Fahrbahnrand gezogen werden.<BR /><BR />Rehwild ist besonders gefährdet: Bei 981 Unfällen im vergangenen Jahr sind 793 Stück Rehwild verendet – das sind etwa 2 pro Tag. Auch für Rotwild gehen Kollisionen oft tödlich aus – 2023 verendeten 112 Stück auf Südtirols Straßen. Weiters wurden 37 Dachse und 32 Füchse im Straßenverkehr getötet.<BR /><BR />Zu den Monaten mit besonders vielen Wildunfällen zählen November, Jänner, Februar, April und Mai. Über 90 Wildtiere wurden in diesen Monaten jeweils angefahren oder überfahren. <BR /><BR /> <div class="embed-box"><div class="container-wrapper-genially" style="position: relative; min-height: 400px; max-width: 100%;"><img src=" https://img.genial.ly/5fd380c29270490f70f47a03/f30fb79b-ab39-43a4-b16e-6acb3b0565c8.jpeg" class="loader-genially" style="position: absolute; top: 0; right: 0; bottom: 0; left: 0; margin-top: auto; margin-right: auto; margin-bottom: auto; margin-left: auto; z-index: 1;width: 80px; height: 80px;"/><div id="66053cd24dc08d0014d40eda" class="genially-embed" style="margin: 0px auto; position: relative; height: auto; width: 100%;"></div></div><script>(function (d) { var js, id = "genially-embed-js", ref = d.getElementsByTagName("script")[0]; if (d.getElementById(id)) { return; } js = d.createElement("script"); js.id = id; js.async = true; js.src = " https://view.genial.ly/static/embed/embed.js"; ref.parentNode.insertBefore(js, ref); }(document));</script></div> <h3>Auf diesen Straßen kommt es häufig zu Unfällen</h3>Besonders gefährlich sind Straßen durch Waldgebiete frühmorgens und abends. Zu den Hotspots, wo es besonders häufig kracht, zählen die Pustertaler Straße, vor allem der Abschnitt zwischen Olang und Percha, die Grödner Straße bei Lajen, die Straße zwischen Unterinn und Oberbozen, der Straßenabschnitt zwischen St. Pankraz und St. Walburg, die Malser Haide und die Straße zwischen Prad und Taufers im Münstertal. <h3>Wild taucht oft in kurzer Entfernung auf</h3>Um Unfälle zu vermeiden, sollte man beachten, dass Wild in den meisten Fällen in einer Entfernung von nur 20 Metern oder kürzer vor dem Fahrzeug auftaucht. Mit 50 km/h ist man da bereits zu schnell unterwegs. Nachts sollte man in bewaldeten Gebieten mit Fernlicht fahren – wenn möglich – rät der Jagdverband. Die Augen der Tiere wirken wie Rückstrahler und seien dadurch besser zu erkennen. <BR /><BR />Auf Südtirols Straßen werden jedes Jahr 700 bis 1000 Wildwarnreflektoren angebracht, um Wildunfälle zu verhindern, sagt der Direktor der Abteilung Straßendienst, Philipp Sicher. Kostenpunkt: 8 Euro je Reflektor und weitere 8 Euro für die Halterung. Das Licht des Pkw sorgt dafür, dass der Wildwarnreflektor ebenfalls Licht abgibt, und durch diesen Lichtschein erschrickt das Wild und überquert dann im Normalfall nicht die Straße, sondern bleibt stehen. Landesweit wurden bereits Zehntausende Reflektoren installiert. Jedes Jahr fallen Hunderte Reflektoren aus – auch aufgrund des Winterdienstes: Die Beschädigungen bei Schneeräumungen sind unvermeidlich, sagt Terzer. Diese Reflektoren müssen dann ausgetauscht werden. <BR /><BR />