Vergangener Montag, gegen 11.15 Uhr: Ein 52-jähriger Meraner lief am Nebeneingang des Meraner Bahnhofs Richtung Bahnsteig 1. Auf der gegenüberliegenden Seite sah er den Zug nach Bozen stehen, den er unbedingt nehmen wollte. <BR /><BR />Weil er offensichtlich zeitlich knapp dran war, nahm er allerdings nicht, wie vorgeschrieben, die Unterführung, sondern sprang vom Bahnsteig aufs Gleisbett, um die Zugspitze zu umrunden und so den Bahnsteig 2 zu erreichen. <h3> „Er blieb zwischen den Gleissträngen liegen“</h3>Der Lokführer des Zuges nach Bozen, der gesehen hatte, dass der Mann auf den Geleisen war, betätigte die laute Zugsirene. „Der Mann kam beim Überqueren obendrein noch ins Stolpern und blieb auf dem Bauch zwischen den Gleissträngen liegen“, schildert Luigi Lamberti, Chef der Meraner Bahnhofspolizei, die Situation. <BR /><BR />Auch der Lokführer des Zuges, der gerade aus Bozen kam, habe daraufhin gehupt, so Lamberti. Salvatore Abate, Polizeihauptmeister der Meraner Bahnhofspolizei, und Bahnhofspolizist Marco Lauriola befanden sich auf Kontrollgang vor der Station der Bahnhofspolizei. Die beiden Polizisten erkannten sofort die brenzlige Lage und bewahrten kühlen Kopf. „Wir sahen den Mann zwischen den Gleisen liegen“, sagt Salvatore Abate.<h3> Mann will nicht in Notaufnahme: „Ihm war die Situation peinlich“</h3> Wahrscheinlich war der Mann etwas benommen oder vom Sturz so erschrocken, dass er gar nicht selbst auf die Beine kam. „Wir sprangen aufs Gleisbett und rannten zu dem Mann hin, halfen ihm auf, zogen ihn auf das andere Bahngleis und hievten ihn auf den gegenüberliegenden Bahnsteig 2, weil wir wussten, dass dieser Zug sich nicht in Bewegung setzen würde“, erzählt Abate. Der Mann sei immer ansprechbar gewesen. <BR /><BR /> „Er blutete an der linken Schläfe, weil er beim Sturz mit dem Kopf auf den kantigen Steinen aufgeschlagen war“, sagt Abate. Unverzüglich wurde über die Landesnotrufnummer ein Krankenwagen gerufen. „Der Mann wollte sich aber nicht in die Notaufnahme bringen lassen. Ihm war die Situation peinlich“, sagt Bahnhofspolizei-Chef Lamberti. <h3> Zug rund 40 Meter vor dem Unfallort zum Stillstand gekommen</h3>Glücklicherweise verkehrten im Meraner Bahnhof keine Schnellzüge, meint Lamberti. „In diesem Fall war der Lokführer des Zuges, der aus Bozen kam, durch die Sirene des stehenden Zuges bereits gewarnt worden und beim Einfahren wird die Geschwindigkeit ohnehin gedrosselt“, so Lamberti. So sei der Zug rund 40 Meter vor dem Unfallort zum Stillstand gekommen.<BR /><BR />Die Personalien des Mannes wurden aufgenommen und eine Strafe verhängt. „Leider kommt es immer wieder vor, dass Leute die Geleise überqueren. Erst vor rund einem Monat hat ein 16-Jähriger diese lebensgefährliche Abkürzung genommen, auch er wurde bestraft“, sagt Lamberti. Um auf diese Gefahren aufmerksam zu machen, sei die Bahnhofspolizei viel in Schulen unterwegs.