Montag, 06. August 2018

Leeres Pilzekörbchen besser als Risiko

Pilzesammler müssen sich gedulden: Hitze und Wind haben bis jetzt nur sehr wenige „Schwammeln“ aus dem Waldboden gelockt. Karl Kob, Koordinator der Kommission für Mykotoxologie im gesamtstaatlichen Verein Bresadola, warnt davor, auf unbekannte Pilzsorten auszuweichen: „Gerade in pilzarmen Jahren landen oft die falschen im Körbchen – auch mit fatalen Folgen.“

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Foto: © shutterstock

Die heurige Pilzsaison ist mager angelaufen. „Die hohen Temperaturen, die wenigen gewittrigen Regenfälle, gefolgt von starkem, warmen Wind, der die oberste Schicht des Waldbodens in kürzester Zeit ausgetrocknet hat: All das zusammen hat dazu geführt, dass bis jetzt nur wenig Pilze zu finden sind“, sagt der Pilzvergiftungsexperte Karl Kob.

Trotzdem – oder vielleicht umso mehr – gilt die Regel Nr. 1 für Pilzesammler: Nur mitnehmen, was man 100-prozentig kennt. Erfahrungsgemäß wagt aber so mancher Sammler, gerade in pilzarmen Jahren Schwammerln mitzunehmen, die er – wenn genug Steinpilze und Pfifferlinge wachsen – links liegen lassen würde. „Dabei kommt es immer wieder zu schlimmen Verwechslungen. Aus einem Buch kann man nicht lernen, einen Pilz zweifelsfrei zu bestimmen“; zeigt sich Kob überzeugt. Das gehe erst nach dem Besuch praktischer und theoretischer Kurse, und das über Jahre. Der Verein Bresadola bietet in Südtirol solche Kurse an, jedes Jahr nehmen 70 bis 80 Interessierte daran teil. „Und viele mehrmals, um ihr Wissen aufzufrischen“, sagt Kob.

Achtung vor den giftigen Doppelgängern

Giftige Doppelgänger von genießbaren Pilzen gibt es zuhauf. Vor einem warnen die Experten jetzt besonders, da einige vorwitzige Exemplare – der Trockenheit zum Trotz – bereits gesichtet wurden: Der Spitzgebuckelte Rauhkopf (Cortinarius speciosissimus, C. orellanoides, C. rubellus). Er wird immer wieder mit dem Filzigen Gelbfuß (Chroogomphus helveticus), dem Kupferroten Gelbfuß (Chroogomphus rutilus), und manchmal sogar mit dem Hallimasch verwechselt.

Doch zu welchem Preis: Der Spitzgebuckelte Rauhkopf enthält ein starkes Nierengift, das schwere und irreversible Nierenschäden bis hin zur völligen Nierenzerstörung zur Folge haben kann. Das Perfide an diesem Giftpilz ist, dass man nicht gleich merkt, was man da gegessen hat. „Krankheitssymptome tauchen meist erst nach 2 Wochen auf. Doch dann ist das Gift bereits im Blut, und man kann nichts mehr machen.“

Kob erinnert sich an den Fall eines Mannes, der eine ganze Tasche voll mit Spitzgebuckeltem Rauhkopf nach Hause gebracht hat. „Die Folgen des Pilzmahls waren Nierenverlust und Transplantation“, sagt Kob. Wird der Spitzgebuckelte Rauhkopf erhitzt, verfärbt er sich schwarz – ein Erkennungsmerkmal, aber bis in den Kochtopf sollte er es ja gar nicht schaffen. „Auch nur beim geringsten Zweifel sollten sich Pilzesammler an die Hygienedienste der Gesundheitsbezirken wenden, die gut ausgebildeten Mykologen beraten gerne und kontrollieren den Fund.“

D/rc

stol