Im Interview geht die KSL-Vorsitzende Eva Niederegger auf die aktuellen Schwerpunkte ein und erklärt, wo die Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte des Kindergartens derzeit besonders der Schuh drückt.<BR /><BR /><BR /><b>Frau Niederegger, 70 Jahre KSL sind sicherlich eine gute Gelegenheit für Feierlichkeiten, aber auch ein Grund zur Reflexion, oder?</b><BR />Eva Niederegger: Ja, das ist ein guter Moment für eine Rückschau und für einen Blick in die Zukunft. Der KSL wurde vor 70 Jahren mit dem vordergründigen Ziel gegründet, den Lehrpersonen die notwendige Weiterbildung zu ermöglichen. Die Ziele sind bis heute noch weitgehend ähnlich, wenngleich seit 10 Jahren die pädagogischen Fachkräfte für Kindergärten mit dabei sind. Heute ist dazugekommen, den Berufsverband nach außen zu vertreten sowie die Kontakte zur Bildungspolitik, Bildungsdirektion, den Gewerkschaften und verschiedenen Kooperationspartnern zu pflegen. Wichtig ist auch immer zu verstehen und anzuerkennen, wo der Schuh drückt.<BR /><BR /><b>Wo drückt der Schuh denn derzeit?</b><BR />Niederegger: In dieser Hinsicht gibt es mehrere Themen: der Mangel an Lehrpersonal, die zunehmende Vielfalt in den Klassenzimmern und die drängende Frage, welchen Stellenwert unsere Gesellschaft der Bildung beimisst. Insofern sind wir ein authentisches Sprachrohr, weil wir durch 173 KSL-Sprengelvertreter in den Schulen und in den Kindergärten sehr gut vernetzt sind.<BR /><BR /><b>Für die Jahresversammlung hat auch der alte und neue Bildungslandesrat Philipp Achammer sein Kommen zugesagt. Wie bewerten Sie denn das neue Regierungsprogramm mit Blick auf die Bildung?</b><BR />Niederegger: Wir haben dieses aufmerksam gelesen und können feststellen, dass in Teilen positive Ansätze enthalten sind. Diese tragen wir mit, schließlich fordern wir sie schon seit längerer Zeit. <BR /><BR /><embed id="dtext86-63870295_quote" /><BR /><BR /><b>Worauf beziehen Sie sich?</b><BR />Niederegger: Wir haben etwa herausgelesen, dass das vordergründige Ziel des Bildungssystems darauf ausgerichtet ist, allen in der Schule und im Kindergarten tätigen Menschen Vertrauen zu schenken sowie den Lehrberuf und die Bildungsinstitutionen weiter aufzuwerten, auch durch eine Überprüfung der Gehälter. Das Wort „Überprüfung“ erachten wir als ziemlich unverbindlich, vielmehr wünschen wir uns klare Zeichen. Die Arbeit von Menschen mit Menschen muss einen zentralen Stellenwert haben, gerade diesen Punkt bringen wir mit den Gewerkschaften noch deutlicher vor. Es gibt aber noch weitere Punkte, die wir herauslesen konnten.<BR /><BR /><b>Welche denn?</b><BR />Niederegger: Die notwendige Verstärkung des sprachdifferenzierten Unterrichts bzw. die Verkleinerung der Gruppengrößen in Schulen und Kindergärten mit hoher sprachlicher Komplexität. Darüber hinaus soll eine Aufstockung der Ressourcen überprüft werden, um den stetig wachsenden Anforderungen gerecht werden zu können.<BR /><BR /><b>Ganz so neu sind diese Versprechen bzw. Forderungen nicht. Glauben Sie, es wird sich was zum Besseren ändern, vor allem vor dem Hintergrund aktueller Baustellen wie Personalengpässe und gesellschaftlichem Wandel?</b><BR />Niederegger: Ja, definitiv. Wir im KSL blicken grundsätzlich positiv in die Zukunft, das bringt der Lehrerberuf mit sich. Auch vonseiten der Gewerkschaften vernehmen wir positive Signale, weshalb wir glauben, dass sich etwas bewegen wird. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1006928_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie deponieren Forderungen an die Politik, umgekehrt werden immer deutlicher Anliegen und Erwartungen seitens der Eltern an die Lehrerschaft herangetragen. Wie gelingt es in dieser Hinsicht, etwas Dampf aus dem Kessel zu nehmen?</b><BR />Niederegger: Ja, wir müssen immer wieder betonen, dass wir kein Auffangbecken für die Betreuung der Kinder sind und auch nicht Tätigkeiten übernehmen können, die den Bereich von psychischen Problemen betreffen, sondern unsere Hauptaufgabe die Vermittlung von Bildung ist. <BR /><BR /><b>Welches Motto wird die 70. KSL-Jahresversammlung leiten?</b><BR />Niederegger: Unser Leitthema für 2024 und die nähere Zukunft ist „Gemeinsam gestalten – in die Zukunft begleiten“. Es ist wichtig, solche Zeichen zu setzen, weil individuelle Wunschvorstellungen oft vor der konstruktiven Zusammenarbeit und der Bereitschaft zu Kompromissen steht. Wir als KSL sind überzeugt, dass individuelle Entfaltung auch dann gelingen kann, wenn Kooperation gelebt wird. Deshalb wollen wir den Wert der Gemeinschaft und des Gemeinsinns verstärkt in den Vordergrund rücken.<BR />