Mittwoch, 21. Februar 2018

Leiche ohne Kopf: Auch nach 10 Jahren ein Rätsel

Am 21. Februar 2008 fanden Arbeiter an der A22 bei Klausen die Leiche eines Mannes ohne Kopf. „Es war ein außergewöhnlicher Fall: Wir haben eine sehr genaue Untersuchung vorgenommen, um den Mann zu identifizieren“, erinnert sich der damalige Primar der Pathologie, Eduard Egarter Vigl. Doch obwohl die Fahnder nichts unversucht ließen, ist eines der mysteriösesten Verbrechen in Südtirol bis heute ungeklärt geblieben.

In diesem Karton war vor 10 Jahre die Leiche ohne Kopf gefunden worden.
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In diesem Karton war vor 10 Jahre die Leiche ohne Kopf gefunden worden. - Foto: © D

Wobei auch nicht eindeutig geklärt werden konnte, was – außer dem gescheiterten Versuch, den Leichnam beiseite zu schaffen bzw. zu verbergen – sich effektiv auf Südtiroler Boden abgespielt hat. Als der Mann gefunden wurde, war er schon 36 bis 45 Stunden tot. Er hätte sowohl in Südtirol als auch andernorts gestorben sein können.

Arm schaute aus Karton

2 Arbeiter, die Müll einsammelten, hatten den Leichnam am 21. Februar 2008 neben der Notspur der Brennerautobahn auf der Höhe von Klausen gefunden. Der Tote lag in einem Karton – ohne Kopf, in Kauerstellung fest mit braunem Klebeband umwickelt. Zusätzlich war der Körper noch in einen Plastiksack gesteckt und in eine schwarze Mörtelwanne aus Plastik gelegt worden. Blut oder andere Körperflüssigkeiten konnten so nicht durch den Karton sickern, der von außen entsprechend sauber aussah. Nur ein Arm schaute heraus. Die Arbeiter schlugen sofort Alarm.

Nach den ersten Erhebungen am Auffindungsort wurde der Leichnam in die Pathologie am Bozner Krankenhaus gebracht, wo Primar Eduard Egarter Vigl die Autopsie durchführte.

„Da der Kopf fehlte, fielen wichtige Merkmale zur Identifizierung wie die Augenfarbe oder das Gebiss weg. Wir führten also eine sehr genaue Untersuchung durch, um so viel wie möglich über den Toten herauszufinden“, erinnert er sich. „Der Unbekannte war etwa 20 Jahre alt und hatte ein sehr gepflegtes Äußeres. Er war beschnitten und am Körper rasiert.“

Todesursache Ersticken

Todesursache war Ersticken, der Kopf war erst post mortem abgetrennt worden. „Die scharfe Abtrennung am Hals war gekonnt durchgeführt worden, es gab keine Splitter an der Wirbelsäule“, stellte der Pathologe fest. Ein Metzger, der damals von den Ermittlern zu Rate gezogen wurde, bestätigte, dass bei Tieren genau so vorgegangen werde.

Der Pathologe nahm Fingerabdrücke und isolierte die DNA. Alle Informationen wurden sowohl dem RIS in Parma als auch an Interpol übermittelt, doch sämtliche Abgleiche mit vermissten Personen, auf die die Beschreibung des Toten passte, verliefen ergebnislos.

Auch die Vergleiche der Fingerabdrücke mit jenen, die in den EU-Datenbanken über Straftäter gespeichert waren, brachten kein Ergebnis. Doch so schnell gaben sich die Ermittler unter der Leitung von Staatsanwalt Axel Bisignano nicht geschlagen.

An der Mautstelle Schönberg bei Innsbruck werden Fahrzeuge beim Vorbeifahren nicht nur gezählt, sondern auch gefilmt. Diese Aufnahmen zeigen auch die Kfz-Zeichen der Fahrzeuge. Der Staatsanwalt ersuchte bei seinen Nordtiroler Kollegen um Einsicht in alle Aufnahmen, die bis zu 3 Tage vor Auffinden der Leiche zurück reichten. Doch die Hoffnung der Fahnder, ein verdächtiges Fahrzeug zu entdecken, in dem der Leichnam nach Südtirol transportiert worden sein könnte, wurde enttäuscht.

Bestattung in Bozen

Im Mai 2009 schließlich wurden Latz-Overall, Pullover, Socken und Unterhose des unbekannten Toten dem Millionenpublikum der Fernsehsendung „Aktenzeichen xy ungelöst“ gezeigt. Zahlreiche Hinweise gingen ein, wonach der blaue Mechaniker-Overall in Deutschland hergestellt worden sei. „Zur Arbeit benutzt worden war er aber nie, die Firmenetiketten waren herausgetrennt worden“, erinnert sich Pathologe Egarter Vigl.

Der unbekannte Tote blieb vorerst in der Kühlzelle in der Pathologie, doch alle Ermittlungsstränge führten ins Leere. Schließlich gab Staatsanwalt Bisignano grünes Licht für die Bestattung des Unbekannten am Bozner Friedhof. Fingerabdrücke und DNA des Toten bleiben in den Datenbanken für Vergleiche abrufbar, sollten doch noch einmal neue Hinweise zu dem mysteriösen „Cold case“ auftauchen.

rc

stol