Es war ein Bauer aus Völs, der am 28. Jänner 2011 einen menschlichen Schädelknochen und mehrere weitere Knochen in unwegsamem Gelände neben dem Radweg zwischen Blumau und Atzwang entdeckt hatte. <BR /><BR />Die Carabinieri sicherten die Überreste sowie die Fundstelle. Vor ihnen lag die schwierige Aufgabe, die Knochen zu identifizieren und die Todesumstände zu klären. Damals wusste noch niemand, dass die Leiche auch 15 Jahre später noch nicht identifiziert sein wird.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1278156_image" /></div> <BR /><BR />Am Tag nach dem Leichenfund wurde ein weiterer Lokalaugenschein durchgeführt, bei dem das Gelände mithilfe eines Metalldetektors abgesucht wurde. Die Zuordnung der Skelettteile zu einer bestimmten Person erwies sich als kompliziert. Gerichtspathologe Guido Mazzoleni untersuchte die sterblichen Überreste. Gesichert worden waren der obere Teil eines Schädelknochens – der Kiefer fehlte – sowie einige weitere Knochen; das Skelett war unvollständig. Die Knochen waren sauber, Haut- oder Muskelreste hafteten nicht mehr daran. An einem Baum fanden sich Reste eines Seils mit einer Schlinge. Wie lange die Überreste dort gelegen hatten, blieb zunächst unklar, zumal der abgelegene Ort kaum begangen wurde.<BR /><BR />Auch der Bauer, der die Knochen entdeckt und die Carabinieri verständigt hatte, war nicht zufällig dort gewesen. Gemeinsam mit einem Baggerunternehmer hatte er das schwer zugängliche Gelände am Rand des Radwegs besichtigt. Zwischen Sträuchern, Büschen und Dornen wollte er eigenen Angaben zufolge eine Zufahrt zu einem höher gelegenen Grundstück errichten. Dabei stießen die beiden Männer auf die Skelettteile.<h3> Sneakers der Marke „Dockers“</h3>Am Fundort wurden mehrere Kleidungsstücke sichergestellt, darunter Sneakers der Marke „Dockers“ in Größe 43. Diese Schuhe rückten in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Das Modell war 2007 in Deutschland vertrieben worden. In Zusammenarbeit mit deutschen Behörden prüften die Fahnder etwa 250 Geschäfte, die es im Sortiment geführt hatten. Die Hoffnung, über diesen Weg Hinweise auf die Identität des Toten zu erhalten, erfüllte sich jedoch nicht.<BR /><BR />Parallel dazu wurde DNA aus den Knochen gewonnen und mit Vermisstenfällen abgeglichen. Zehn in Südtirol vermisste Personen waren anhand des Zeitpunkts des Verschwindens und der Merkmale der Überreste überprüft worden. <BR /><BR />Unter anderem konnte der seit Sommer 2008 vermisste Bozner Andrea Liponi anhand von Zahnaufnahmen ausgeschlossen werden. Ebenso wenig handelte es sich um einen anderen Vermissten, der eine dokumentierte Kopfverletzung erlitten hatte, die am Schädel der Leiche aber nicht festzustellen war. Auch die verbliebenen Proben brachten keine Übereinstimmung.<h3> DNA auch nach Deutschland übermittelt</h3>Die aus den Skelettresten gewonnene DNA der unbekannten männlichen Leiche wurde auch nach Deutschland übermittelt. Dort sollen die Ermittler sie mit den genetischen Daten jener Vermissten abgleichen, die altersmäßig infrage kommen – Männer zwischen 20 und 50 Jahre.<BR /><BR />Eine Spur hatte schon zuvor nach Deutschland geführt, konkret nach Regensburg. Hinweise deuteten darauf hin, dass es sich bei dem Toten um einen seit März 2008 vermissten Arzt handeln könnte. Eine vom RIS in Parma durchgeführte DNA-Analyse widerlegte diesen Verdacht jedoch: Der Verstorbene war nicht der Gesuchte aus Regensburg.<BR /><BR />Daraufhin dehnte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf das Trentino und die Provinz Belluno aus. Angehörige vermisster Männer wurden um DNA-Proben gebeten; auch diese Tests führten zu keiner Übereinstimmung.<h3> Gesichtsrekonstruktion wurde nie durchgeführt</h3>Als letzte Möglichkeit blieb eine forensische Gesichtsrekonstruktion. Die dafür veranschlagten rund 3000 Euro wurden vom Justizministerium jedoch nicht bewilligt, da der Tote keine Anzeichen von Gewalteinwirkung zeigte. Unterstützung sagte die Vereinigung „Penelope“, die Angehörige Vermisster vertritt, zu: Sie kündigte an, sich um eine Finanzierung zu bemühen, um dem unbekannten Toten doch noch ein Gesicht – und damit vielleicht einen Namen – zu geben.<BR /><BR />Doch passiert ist das leider nicht – bis heute ist der Tote ohne Namen.