Es war der 2. Juni 1946: Am historischen Referendum vor 80 Jahren, ob Italien eine Monarchie bleiben oder Republik werden sollte, beteiligten sich in Südtirol die Männer und – erstmals! – Frauen von lediglich zwölf, damals der Provinz Trient zugeschlagenen Unterlandler und Nonsbeger Gemeinden: Branzoll, Auer, Montan, Truden, Altrei, Neumarkt, Margreid, Kurtatsch, Salurn, Laurein, Proveis, Unsere liebe Frau im Walde/St. Felix.<BR /><BR />Alle übrigen Südtiroler Gemeinden waren von dieser Wahl, die zur Gründung der Republik führte (54,3 zu 45,7 Prozent), ausgeschlossen. Grund dafür waren die noch laufenden Friedensverhandlungen über das weitere Schicksal Südtirols. Der „Pariser Vertrag“ zwischen Italien und Österreich wurde erst drei Monate später, am 5. September 1946, unterzeichnet. <BR /><BR />Weil noch unter Militärverwaltung stehend, durften auch in Friaul Julisch Venetien die Einwohner der beiden Provinzen Triest und Görz nicht mitstimmen, während Ampez, Fodom und Col, die alten ladinischen Gemeinden Tirols, die damals und bis 1964 Teil der Diözese Brixen waren, sich am Referendum beteiligten, weil die heutige Provinz Belluno zu jener von Udine gehörte.<BR /><BR />Bereits 1920, nach dem Ersten Weltkrieg und im Zuge der Annexion, war den Südtirolern – wider dem Völkerrecht – die Selbstbestimmung verweigert worden. Ein entsprechender Antrag der Sozialisten wurde vom italienischen Parlament mit 177 zu 59 Stimmen abgelehnt.<BR /><BR />Bei der sogenannten Option 1939 stimmten 85 Prozent der Südtiroler – nach 17 Jahren Unterdrückung durch das faschistische Regime Italiens und den Lockrufen der deutschen Nationalsozialisten folgend – für die Auswanderung. 75.000 Landsleute verließen bis 1943 die Heimat, gut 50.000 davon für immer. Eine unvorstellbare Tragödie.<BR /><BR /><?Schrift Spationierung="0ru"> Dass diese sprichwörtliche Zerreißprobe großteils und zumindest scheinbar überwunden werden konnte, ist dem Versöhnungswillen der Südtirolerinnen und Südtiroler zuzuschreiben und ihrem Geschick – und obendrein Glück – in den Verhandlungen um eine echte Autonomie. Und ganz zweifelsohne auch den beiden Republiken Österreich und Italien.<BR /><BR /><?_Schrift> Trotzdem werden wir auch heute noch gefragt, was wir Südtiroler eigentlich sind – Deutsche? Italiener? Österreicher? – und wem wir uns wirklich zugehörig fühlen. Mit Fug und Recht können wir antworten: „Wir sind Tiroler und wurden nie danach gefragt, was wir wollen.“ Zusatz: „Aber vielleicht ist das gerade heute auch besser so.“