Leonhard von Pretz von der St.-Josef-Konferenz spricht im Interview über die freiwillige Tätigkeit, die Kriterien für eine finanzielle Unterstützung und einen neuen Dienst, den die Vinzenzgemeinschaft im neuen Jahr anbietet.<BR /><BR /><b>Herr von Pretz, was genau bietet die Fürsorge- und Beratungsstelle in der Kapuzinergasse 11 an?</b><BR />Leonhard von Pretz: Das Beratungszentrum besteht aus einer Gruppe von Konferenzen. Wir haben insgesamt sieben Arbeitsgruppen. Sie kümmern sich hauptsächlich um Familien bzw. Personen, die finanzielle Probleme haben. Ich selbst bin der Leiter einer Arbeitsgruppe, der St.-Josef-Konferenz, die aus sechs Mitgliedern besteht.<BR /><BR /><b> In welchen Fällen wenden sich Menschen an Sie?</b><BR />von Pretz: Meistens geht es um Mietschulden. Es wenden sich aber auch Eltern an uns, deren Kinder einen Sport ausüben, das kostet natürlich auch Geld. Immer häufiger geht es mittlerweile auch um Zahnbehandlungen. Das ist gerade bei älteren Menschen oft ein großes Problem, weil die Behandlungen sehr kostspielig sind und die Leute das Geld einfach nicht auftreiben können.<BR /><BR /><b> Was passiert, sobald eine Anfrage eingereicht wird?</b><BR />von Pretz: Nachdem sich jemand an uns wendet, gibt es zunächst ein Erstgespräch mit dem Betroffenen. Dann holen wir uns einige Dokumente ein, etwa Kontoauszüge oder eine ISEE-Erklärung. Damit prüfen wir, ob eine finanzielle Hilfe tatsächlich notwendig ist. Fällt das Gutachten positiv aus, wird die Person unterstützt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1251363_image" /></div> <BR /><b>„Wie viele Personen werden pro Jahr unterstützt?</b><BR />von Pretz: Wie viele Anfragen jährlich eingereicht werden, kann ich nicht genau sagen. Unsere Gruppe tritt fix einmal pro Monat zusammen, wenn nötig, auch öfter, um die Anfragen zu überprüfen. Im Vorjahr wurden 90 Familien bzw. Personen finanziell unterstützt.<BR /><BR /><b>Welche Menschen treten an Sie heran?</b><BR />von Pretz: Ich würde sagen, dass sich das Verhältnis zwischen Einheimischen und Nicht-EU-Bürgern 50:50 verhält. Ich spreche von Bozen, denn die Stadt unterscheidet sich deutlich vom restlichen Einzugsgebiet.<BR /><BR /><b>Inwieweit?</b><BR />von Pretz: Das finanzielle Problem in Bozen ist viel akuter als im Rest Südtirols. In Bozen gestaltet sich die Wohnungssuche extrem schwierig, sie ist fast zu einer Sache der Unmöglichkeit geworden, überhaupt dann, wenn man ein Nicht-EU-Bürger ist. Doch auch Einheimische tun sich sehr schwer, heute eine Wohnung in Bozen zu finden.<BR /><BR /><b> Wie können Bedürftige die Beratungsstelle erreichen?</b><BR />von Pretz: Das Beratungszentrum befindet sich in der Kapuzinergasse 11. Für Anfragen ist das Sekretariat der Vinzenzgemeinschaft telefonisch (0471/970086) oder per E-Mail (info@vinzenzgemeinschaft.it) zu erreichen. Die Telefonzentrale ist montags, mittwochs und freitags von 9 bis 11 Uhr besetzt. Wer möchte, kann sich auch direkt an mich wenden, unter leonhard.vonpretz@vinzenzgemeinschaft.it.<BR /><BR /><b>Gibt es genügend Freiwillige, die in der Beratungsstelle tätig sind?</b><BR />von Pretz: Für das Beratungszentrum suchen wir derzeit neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Das Problem ist, dass die meisten Freiwilligen immer älter werden. Wir wären froh, wenn wir ein paar jüngere Personen, in etwa 60 bis 70 Jahre alt, bekommen würden für unsere Stelle, die uns unterstützen könnten.<BR /><BR /><b>Welche Neuerung gibt es ab Jänner 2026?</b><BR />von Pretz: Im kommenden Jahr stehen uns zwei neue Mitglieder zur Verfügung, die uns in Rechts- und Wirtschaftsfragen zur Seite stehen werden: Dr. Reinhard Widmann und Dr. Christoph Gasser. Sie stehen jeden ersten Dienstag im Monat für eine kostenfreie Beratung zur Verfügung. Dazu ist eine Anmeldung vorab notwendig. Für den ersten Termin haben wir bereits einige Anfragen erhalten.