Laura Dahlmeier liebte die Berge – sie suchte nicht den Wettkampf, sondern die Stille, die Herausforderung, die Freiheit. Doch genau dort, wo sie sich am lebendigsten fühlte, kam sie am 28. Juli ums Leben. Beim Abstieg vom 6096 Meter hohen Laila Peak im Norden Pakistans wurde sie von einem Steinschlag getroffen. Ihre Kletterpartnerin Marina Krauss, die den Unfall überlebte, hat nun der Familie geschildert, was geschah. „Der Spiegel“ berichtet darüber.<BR /><BR /><b> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/jetzt-spricht-dahlmeiers-vater-leiche-ist-unauffindbar" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Mehr als zwei Monate nach dem tödlichen Unfall hat ihr Vater, Andreas Dahlmeier, öffentlich über die vergeblichen Versuche gesprochen, seine Tochter heimzuholen.</a></b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1227300_image" /></div> <BR /><BR />In der Nacht zum 28. Juli brechen die beiden Frauen bei Dunkelheit auf. Es ist still, die Stirnlampen werfen schmale Lichtkegel auf das gefrorene Eis. Doch schon bald spüren sie, dass sich die Bedingungen verändern: Die Luft wird wärmer, der Schnee weicher. In der Höhe kann das lebensgefährlich sein – der Fels verliert Halt, Steine beginnen zu rollen.<h3> Die Temperatur steigt – und damit die Gefahr</h3>Die Frauen erkennen das Risiko. Sie wissen, dass sie umkehren müssen. An der zweiten Abseilstelle bauen sie eine Eissanduhr – eine Sicherung aus gebohrten Löchern im kompakten Eis, durch die sie das Seil ziehen. Krauss seilt sich zuerst ab. Sie erreicht ihren Standplatz, ruft hinauf. Dann ist Dahlmeier an der Reihe.<BR /><BR />In diesem Moment passiert es. Über ihnen löst sich ein Felsgürtel. Große Brocken donnern herab. Einer trifft Dahlmeier am Kopf. Krauss steht schräg rechts unter ihr, knapp außerhalb der Falllinie. Als sie aufblickt, sieht sie ihre Partnerin reglos im Seil hängen – 15 Meter über ihr.<BR /><BR />„Laura!“, ruft sie immer wieder. Keine Antwort. Sie klettert zu ihr hinauf, kämpft sich Meter für Meter durch die Wand. Dann sieht sie den zertrümmerten Helm, die schwere Verletzung. Mehrmals versucht sie, ihre Freundin abzuseilen, doch erneut prasseln Steine herab. Sie selbst ist in Lebensgefahr.<BR /><BR />Schließlich greift sie in Lauras Rucksack, zieht den kleinen Sender hervor – ein „inReach“, ein satellitengestütztes Notrufgerät, kaum größer als eine Zigarettenschachtel. Damit kann man in den entlegensten Regionen der Erde Hilfe rufen. Krauss verlässt die Steinschlagzone und löst das Notsignal aus.<h3> Die Nachricht vom Tod kommt am Morgen nach Deutschland</h3>In einer Leitstelle in den USA blinkt der Alarm auf. Mitarbeiter informieren die hinterlegten Kontakte – Dahlmeiers Mutter Susanne, ihren Bruder Pirmin, ihren Vater Andreas. Während in Pakistan die Sonne aufgeht, erreicht die Nachricht Deutschland am frühen Morgen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1196091_image" /></div> <BR /><BR />Zwei Tage später, am Nachmittag des 30. Juli, bestätigt Dahlmeiers Management das, was niemand glauben will: Die zweimalige Olympiasiegerin, die sich nie mit Ruhm schmücken wollte, ist am Laila Peak tödlich verunglückt.<BR /><BR />Laura Dahlmeier war erst 31 Jahre alt. Eine Frau, die die Weltspitze des Biathlons hinter sich ließ, um in den Bergen das zu finden, was sie „echtes Leben“ nannte. Dort, wo sie sich am sichersten fühlte – dort endete ihr Weg.