Dienstag, 21. April 2020

Libanon: Proteste vom Auto aus

Trotz der Corona-Krise ist es im Libanon erstmals seit Wochen zu größeren Protesten gegen die Regierung und die dramatische Wirtschaftslage gekommen.

Massenproteste in Beirut vom Auto und Motorrad aus.
Massenproteste in Beirut vom Auto und Motorrad aus. - Foto: © APA/afp / IBRAHIM AMRO
Um eine Ansteckung mit dem Virus möglichst zu vermeiden, fuhren Hunderte Menschen am Dienstag in Autokonvois durch Straßen der Hauptstadt Beirut. Viele schwenkten aus den Fahrzeugen libanesische Fahnen, Hupkonzerte waren zu hören.

„Unsere Politiker sind gefährlicher als das Virus“, sagte ein Demonstrant. Im vergangenen Oktober hatten in dem kleinen Land am Mittelmeer Massenproteste gegen die politische Elite begonnen. Die Demonstranten werfen den führenden Politikern unter anderem Korruption vor. Der Libanon erlebt eine der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrisen seiner Geschichte. Im März erklärte das vom Staatsbankrott bedrohte Land erstmals, Staatsanleihen nicht zurückzahlen zu können.

Die Corona-Pandemie hatte die Proteste gegen die Regierung über Wochen zum Erliegen gebracht. Wie andere Länder auch hat der Libanon weitreichende Ausgangsbeschränkungen erlassen.

Die Ausbreitung des Virus verschärft zudem die Wirtschaftskrise weiter. Das eigentlich an den US-Dollar gekoppelte Libanesische Pfund hat auf dem Schwarzmarkt rund die Hälfte seines Werts verloren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass die libanesische Wirtschaft in diesem Jahr um 12 Prozent schrumpft.

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apa/dpa

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