Wie der Astrophysiker und Direktor des Naturmuseums Südtirol, David Gruber, erklärt, bezeichnet Lichtverschmutzung die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen, deren Strahlen in die Atmosphäre gestreut werden. „Zwar ist der Einsatz künstlicher Beleuchtung ein Zeichen von Fortschritt, bringt aber auch negative Begleiterscheinungen mit sich“, so Gruber.<h3> Blauanteil im Licht schädlich</h3>Was zunächst vor allem Astronomen auffiel, nämlich der immer heller werdende Nachthimmel und die zunehmend schlechter erkennbaren Himmelskörper, betrifft längst nicht nur die Wissenschaft. „Der Nachthimmel ist auch Teil unseres Kulturguts und er prägt Legenden und Traditionen“, betont Gruber und ergänzt: „Ein hoher Blauanteil im Licht hat zudem gesundheitliche Auswirkungen, da weniger Melatonin ausgeschüttet wird.“ Die Folgen seien schlechterer Schlaf, ein geringeres Müdigkeitsgefühl und eine innere Uhr, die aus dem Gleichgewicht gerät. „Infolgedessen können sogar Depressionen, Stoffwechselstörungen oder hormonelle Veränderungen begünstigt werden“, warnt er.<h3> Insektenrückgang gefährdet Ökosystem</h3>Auch für Tiere kann falsch ausgerichtetes oder zu grelles Licht fatale Auswirkungen haben. So orientieren sich etwa Motten am Nachthimmel, künstliche Lichtquellen wie Straßenlaternen stören diese Orientierung jedoch. Die Tiere umkreisen das Licht und verenden schließlich. „Das Argument, dass es sich nur um ein paar Insekten handelt, greift zu kurz“, gibt Gruber zu bedenken. Insekten seien wichtige Bestäuber und ein Rückgang wirke sich auf Pflanzen und ganze Ökosysteme aus.<BR />Das Licht einfach abzuschalten, könne jedoch nicht die Lösung sein. „Vielmehr geht es darum, zu hinterfragen, ob und wo Licht wirklich notwendig ist. Es gilt: so hell wie nötig, so wenig Blauanteil wie möglich“, erklärt Gruber. Um der Lichtverschmutzung wirksam entgegenzutreten, brauche es vor allem Sensibilisierungsarbeit: „Viele wissen nicht, wie wichtig und zugleich simpel es ist, die eigene Beleuchtung im privaten Bereich kritisch zu hinterfragen.“<h3> Beschluss soll nun erweitert werden</h3>Auch auf politischer Ebene tut sich einiges – bislang aber vor allem im technischen Bereich. Wie Energie- und Umweltlandesrat Peter Brunner erklärt, verfügen bereits 104 Gemeinden über einen Lichtplan, um Lichtverschmutzung zu reduzieren und Energie einzusparen. Grundlage dafür bildet ein Beschluss aus dem Jahr 2022. „Ziel ist es, Licht dort einzusetzen, wo es für Sicherheit und Orientierung notwendig ist, gleichzeitig aber auch Umwelt und Gesundheit zu schützen“, so Brunner. Parallel dazu werde derzeit eine neue Durchführungsverordnung ausgearbeitet, die voraussichtlich im Laufe des Jahres 2026 verabschiedet werden soll. „Dabei geht es verstärkt um den verantwortungsvollen Einsatz von künstlicher Beleuchtung in ökologisch sensiblen Bereichen wie Biotopen und Schutzgebieten“, erklärt der Landesrat. Dadurch sollen lichtempfindliche Tierarten wie Fledermäuse stärker geschützt werden.