<b>Von Christoph Höllrigl</b><BR /><BR />Eine innige Umarmung sorgt seit mehr als zehn Tagen in den Medien und sozialen Netzwerken für enormes Aufsehen. Andy Byron, CEO der Softwarefirma „Astronomer“, wurde auf einem Coldplay-Konzert in Boston (USA) nicht mit seiner Frau, sondern mit seiner Personalchefin Kristin Cabot in dieser Pose gefilmt – und damit eine mutmaßliche Affäre aufgedeckt. In der Folge kam es zum Rückzug beider aus der Tech-Firma (siehe Info unten).<BR /><BR />Warum das beide den Job gekostet hat? Arbeitsrechtlich weht in den USA ein ganz anderer Wind als in Europa und hierzulande. Das bestätigt Josef Tschöll, Arbeitsrechts- und Steuerberater aus Sterzing. Der Schutz der Pri<?TrVer> vatsphäre spiele nämlich eine viel stärkere Rolle als in den Vereinigten Staaten, so Tschöll.<BR /><BR /><h3> In Italien keine explizite gesetzliche Regelung</h3>Tschöll betont: „Wenn sich zwei im Betrieb näher kennenlernen, turteln usw., dann ist das nicht weiter problematisch. Solange sie die betrieblichen Regeln einhalten und ihre Arbeit korrekt ausführen, kann niemand etwas dagegen sagen. Eine explizite gesetzliche Regelung, die eine Beziehung verbietet, gibt es in Italien und auch in anderen Ländern Europas nicht.“ Es bestehe weder eine Art „Meldepflicht“ noch von Arbeitgeberseite her eine rechtliche Handhabe, eine Beziehung zu verbieten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1196589_image" /></div> <BR />Ein Freibrief ist das alles freilich nicht, denn: „Speziell in größeren Unternehmen gibt es sogenannte Compliance-Regeln, bei denen es darum geht, korrekte Abläufe zu garantieren, aber auch mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden.“ Solche Compliance-Regeln seien bei Beziehungen am Arbeitsplatz für beide Seiten – die Betroffenen und den Arbeitgeber – ein wichtiger Bezugspunkt. Im Kern gehe es laut Tschöll darum, „dass nicht jemand bei einer Entscheidung bevorzugt wird“, oder umgekehrt, dass Beziehungskonflikte negative Auswirkungen auf eine Entscheidung haben.<h3> Anders bei Streit und Mobbing nach Beziehungsende</h3>Kommt es zu einem „unguten“ Beziehungsende mit nachfolgendem Streit, Beleidigungen, übler Nachrede oder Mobbing am Arbeitsplatz, <?Uni SchriftWeite="94ru"> dann „greifen die jeweiligen <?_Uni> arbeitsrechtlichen Schutzmechanismen, speziell wenn es um unterschiedliche Hierarchieebenen geht“, so Tschöll. Außerdem: Reizen die Beteiligten die Betriebsregeln aus bzw. erbringen ihre Arbeitsleistung nicht mehr – weil sie etwa zu lange Pausen einschieben – gibt es für den Arbeitgeber die Möglichkeit von Disziplinarmaßnahmen.<BR /><BR />Auch ein Mittel zur „Entschärfung“ der Situation: die Betroffenen auf getrennte Abteilungen aufteilen – gerade, wenn es um Interessenkonflikte im Zusammenhang mit den Compliance-Regeln geht.<BR /><BR />Alles in allem eine gute Nachricht für die Liebe am Arbeitsplatz: Immerhin lernen sich unterschiedlichen Untersuchungen zufolge zwischen 20 und 30 Prozent der Paare bei der Arbeit kennen. Und selbst wenn es sich um außereheliche Affären handelt, gilt das Fazit: Liebesbeziehungen gehen den Arbeitgeber – bis auf wenige Ausnahmen – nichts an.<BR /><BR /><BR /><h3> Die „Kiss Cam“-Affäre beim Coldplay-Konzert</h3>Musikfans kennen sie: so genannte „Kiss Cams“, die Pärchen unter den Konzertbesuchern zeigen, die sich küssen oder umarmen – zur Freude des Publikums. Eine ebensolche Kamera wurde auch bei einem Konzert der Band Coldplay im „Foxborough Stadium“ in Boston vor gut zehn Tagen eingesetzt. So weit, so unproblematisch. Blöd nur: Die „Kiss Cam“ deckte beim betreffenden Konzert eine Affäre auf. Im Publikum hatten sich nämlich Andy Byron, Vorstandsvorsitzender (CEO) der US-Softwarefirma „Astronomer“, und seine Personalchefin Kristin Cabot innig umarmt. <BR /><BR />Das Problem: Beide sind verheiratet – aber nicht miteinander. Wohl deshalb tauchte er vor der „Kiss Cam“ regelrecht ab. Sie schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen bzw. drehte sich weg. Das alles wurde übrigens auch live von der Band kommentiert. Die Szene wurde in den sozialen Medien millionenfach geteilt und sorgte für viralen Spott. Denn es war schnell klar, dass hier jemand beim Fremdgehen ertappt worden war. Die Folgen: Beide wurden gleich vom Unternehmen beurlaubt – wegen Missachtung der Compliance-Regeln, die in den USA bei Beziehungen zwischen Chefs und Untergebenen sehr streng sind.<BR /><BR />Der von Andy Byron angebotene Rücktritt wurde wenig später angenommen. Ein paar Tage später folgte auch der Rückzug von Kristin Cabot als Personalchefin. Das berichteten US-Medien am Freitag übereinstimmend. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1196592_image" /></div>