Lina, Behare, Zain, Raheel und Elisa sind Jugendliche aus dem Großraum Brixen. Sie kommen aus dem Kosovo, Pakistan und Südtirol – doch von den Spannungen in Südtirols Nachtleben sind sie alle gleichermaßen genervt – „so wie die Mehrheit der Jugendlichen“, beteuert Behare. Die Prügeleien gehen dabei nur selten bis ans Äußerste, meist enden sie mit ein paar blauen Flecken. „Aber es bedrückt mich dennoch, wenn ich so was sehe“, erzählt Lina. Es ist, so erzählen die fünf unisono, immer das gleiche Bild: Irgendwer provoziert – mal mit Beleidigungen, mal mit einem absichtlichen Rempler – und schon fliegen die Fäuste. „Einheimische gegen Ausländer, Italiener gegen Deutsche, Ausländer untereinander, Einheimische gegen Einheimische, es reicht, man kommt aus dem falschen Dorf“, erzählt Raheel. Er selber hält sich strikt heraus: „Ich gehe gar nicht in die Nähe, ich will nicht, dass jemand meint, ich gehöre zu den Schlägern.“ Nicht einfach, denn das heißt, dass man auf Provokationen gelassen reagieren muss: „Wenn mich jemand dumm anredet, dann lächle ich ihn nur an und geh weiter.“ Raheel kann das, aber viele seiner Altersgenossen nicht. „Und manche erzählen am nächsten Tag stolz, mit wie vielen sie es auf genommen haben“, wundert er sich. Die Provokationen haben ihre Ursache oft im Alkohol: „Da sprechen die Leute aus, was sie im Kopf haben – auch die Vorurteile“, glauben Lina und Elisa. Tagsüber und ohne Alkohol „würden die sich das nie trauen“, fügt Elisa hinzu. Was nicht heißt, dass tagsüber alles bestens ist. Eine Erfahrung, die er in Barcelona gemacht hat, hat Raheel schwer beeindruckt: „Da trifft man abends in den Lokalen Menschen aller Hautfarben, aber es gibt keine Schlägereien. Wer dort jemanden anrempelt, entschuldigt sich und geht mit ihm was trinken.“ Warum das hier anders ist, und es gerade zwischen Ausländern und Einheimischen Spannungen gibt, weiß keiner so genau. „Wahrscheinlich haben die Südtiroler aus der Geschichte heraus immer das Gefühl, sie müssten sich gegen irgendwen verteidigen. Mal gegen die Franzosen, mal gegen die Italiener, jetzt gegen die Ausländer“, meinen die fünf.Also? „Vorurteile abbauen“, findet Zain – und fügt hinzu: „Mit getrennten Schulen für Ausländerkinder geht das sicher nicht.“ Aber vielleicht mit gemeinsamen Festen, bei denen sich die Volksgruppen vorstellen, überlegt er. Oder mit Sport: „Fußball verbindet, beim Fußball schaut man nicht auf die Hautfarbe, nur ob wer gut spielt“, weiß Raheel. Turniere mit gemischten Mannschaften müsste es geben, mehr Migranten in den hiesigen Vereinen, interkulturelle Sporttage an Schulen...„Mit wem ich am Nachmittag Fußball gespielt habe, dem polier ich abends nicht die Nase“, sagt Raheel und weiter: „Es ist doch viel schöner, sich an einem Abend 30 Freunde zu machen als 30 Feinde.“ih/D