Freitag, 12. Februar 2021

Lieber weniger wirksame Impfung als gar keine

Der Präsident der Tiroler Ärztekammer, Artur Wechselberger, hat den Bund aufgefordert, alle verfügbaren und gegen das mutierte Virus wirksamen Impfstoffe im Bundesland Tirol einzusetzen. In einer Aussendung vom Freitag sprach Wechselberger von fehlender Unterstützung des Bundes. Die Bundesregierung sah er gefordert, eine Strategie zu entwickeln, wie mit dem Österreichischen Impfkonzept umzugehen sei, wenn Mutationen von SARS-CoV-2 die Wirksamkeit von Impfstoffen infrage stellen.

Der AstraZeneca-Impfstoff ist trotz einer abgeschwächten Wirksamkeit gegen die Südafrikamutation wichtig: denn auch er hat Vorteile.
Der AstraZeneca-Impfstoff ist trotz einer abgeschwächten Wirksamkeit gegen die Südafrikamutation wichtig: denn auch er hat Vorteile. - Foto: © APA/afp / THOMAS KIENZLE
Schließlich könne sich die Situation jederzeit in einem anderen Bundesland und bei einem der anderen Impfstoffe wiederholen. Auch wenn Menschen das Angebot, mit AstraZeneca geimpft zu werden, annehmen würden, entbinde das die Regierung nicht von der Verantwortung, Tirol den an die Situation am besten angepassten Impfstoff zur Verfügung zu stellen, stellte er klar.

„Geringerer Impfschutz besser als keiner“

„Ein etwas geringerer Impfschutz ist besser als keiner“, meinte Wechselberger jedoch zum AstraZeneca Impfstoff. Auch der Impfreferent der Tiroler Ärztekammer, Christian Hilkenmeier, betonte, dass der AstraZeneca Impfstoff trotz einer abgeschwächten Wirksamkeit gegen die Südafrikamutation „bedeutsam“ sei. Seine einfache Handhabbarkeit sowie der hohe Wirkungsgrad von rund 76 Prozent, der 3 Wochen nach der Erstimpfung erreicht werden kann und mindestens bis zur Zweitimpfung nach 12 Wochen anhält, seien dessen Vorteile. Außerdem könnten schwere Krankheitsverläufe verhindert werden.

„Eine Impf-Intervention, jetzt in Tirol, zur Bekämpfung der sich dort vielleicht ausbreitenden südafrikanischen Variante, ist völlig verkehrt“, sagte Herwig Kollaritsch vom nationalen Impfgremium am Freitag am Rande einer Pressekonferenz der Experten-Initiative „Österreich impft“ in Wien. „Bis die Impfung tatsächlich greifen würde, vergeht ein Zeitraum von 6 bis 8 Wochen“, betonte der Mediziner. „Epidemiologisch ist für einen Akut-Ausbruch einer bestimmten Variante die Impfung untauglich.“ Ausbrüche mit der neuen Variante seien „ausschließlich mit den traditionellen Methoden des ,Search and Containment‘“ zu bekämpfen, sagte Kollaritsch „sonst gibt es keine Möglichkeit“.

apa

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