Ein 43-jähriger Mann vom Schlernplateau landete im Krankenhaus, zwei Südtiroler, die der Biker-Szene nahe stehen, sitzen im Gefängnis. Ebenfalls verhaftet wurden der Präsident der „Nomads“ von Mailand und ein Überläufer von den Bandidos Berlin. #Die Fahndungsabteilung der Polizei Bozen, koordiniert von Staatsanwältin Donatella Marchesini, hat die Geschichte rekonstruiert, die Ermittlungen laufen noch.Angefangen hat es damit, dass eine Südtirolerin ihrem Finanzberater (43) vom Schlernplateu erzählt hatte, dass ein Finanzberater aus Südafrika ihr Geld – eine Mio. Euro – in den Sand gesetzt habe.Sie soll gesagt haben, wer ihr das Geld zurückbrächte, bekäme eine Beteiligung. Der Finanzberater soll entschieden haben, nicht zur Polizei zu gehen, sondern sich „helfen“ zu lassen.Er soll sich an Helmut Rabensteiner (33), der in Klausen lebt und in Kastelruth arbeitet, gewandt haben. Er soll laut den Ermittlern zu den „Hell's Angels“ Kontakte gepflegt haben, solange sie noch einen Ableger in Südtirol hatten, Bekanntschaften in der Szene aber auch danach weiter gepflegt haben. Rabensteiner soll dann Kontakt zu Lothar Hector (49) aus Kiel hergestellt haben.Reihe von Geldforderungen Lothar war „Sergeant of arms“ (in der Hierarchie weit oben) bei den Bandidos Berlin. Dort soll es Probleme gegeben haben und Hector wechselte zur „Konkurrenz“. Er heuerte als „Prospect“ (Anwärter) bei den „Nomads“ (sie stehen den Hell' s Angels nahe) in Mailand an. Prospects müssen, um sich in der Hierarchie nach oben zu arbeiten, eine Art „Mutprobe“ erfüllen.Hector dürfte wohl in diesem Fall seine Mutprobe gesehen haben. Er soll 20.000 Euro gefordert und bekommen haben, dann erklärte er, er fahre nach Südafrika, um das Problem zu lösen. Ob er denn wirklich dort war, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.Jedenfalls stellte er nach seiner Rückkehr eine erneute Geldforderung: Er brauche weitere 25.000 Euro. Wie die Ermittler herausfanden, soll der Finanzberater erklärt haben, er habe kein Geld mehr zur Verfügung.Wilde Schlägerei bei TreffenDaraufhin soll Hector ein Treffen in Mailand anberaumt haben. Der Finanzberater fuhr allein am 17. Februar 2012 zum Treffpunkt, dem Sitz der „Nomads“ in Cologno Monzese in der Nähe von Mailand. Dort erwarteten ihn mehrere Personen – der Finanzberater erinnerte sich nicht mehr genau, er glaubt, es habe sich um sechs Personen gehandelt.Einer davon war der Präsident der „Nomads“, Roberto Nosenzo (48) aus Turin, der in Asti lebt, der andere Andreas Silbernagl (33) aus Kastelruth, der als Übersetzer dort gewesen sein soll und weitere Personen, die noch nicht alle identifiziert werden konnten.Jedenfalls kam es laut den Ermittlern bei dem Treffen zuerst zu einem heftigen Wortgefecht, dann zu einer wilden Schlägerei.Der Finanzberater wurde schwer verletzt. Als er schon am Boden lag, kam der Höhepunkt: Russisches Roulette. Ein Mann soll zu einem Trommelrevolver gegriffen, und drei mal in Richtung Finanzberater abgedrückt haben: ohne dass sich ein Schuss löste.Das ganze vermutlich, um ihn einzuschüchtern. Dem Finanzberater gelang es später, selbst zurück nach Bozen zu fahren. Hier musste er sich im Krankenhaus in ärztliche Behandlung begeben. Die Polizei wurde informiert. Am Samstag wurden Hector in Mailand, Rabensteiner und Andreas Silbernagl in Südtirol festgenommen.Nosenzo wurde am Dienstag Abend am Flughafen von München verhaftet. Er sollte eigentlich in Mailand landen, nachdem er in Uruguay bei einer Motorradveranstaltung gewesen war; kurzfristig hatte er umgebucht, die Polizei war ihm aber auf den Fersen.Allen vieren wird Raubüberfall, Erpressung und schwere Körperverletzung zur Last gelegt.uli/D