Donnerstag, 26. März 2020

Lombardei beklagt neuen Zuwachs bei Infektionszahlen

In der von der Coronavirus-Epidemie schwer betroffenen norditalienischen Region Lombardei hat am Donnerstag die Zahl der neuen Infektionen wieder zugenommen, nachdem diese in den vergangenen vier Tagen geringer gestiegen waren. Der Präsident der Lombardei, Attilio Fontana, zeigte sich wegen dieser Entwicklung „besorgt“.

Keine echte Entspannung der Lage in Italien in Sicht.
Keine echte Entspannung der Lage in Italien in Sicht. - Foto: © APA (AFP) / MIGUEL MEDINA
2500 neue Infizierte mehr wurden an einem Tag in der Lombardei gemeldet, sagte Fontana laut Medienangeben. „Die Zahlen sind leider nicht sehr positiv. Die Zahl der Neuinfizierten ist zu stark gegenüber den vergangenen Tagen gestiegen“, erläuterte er.

„Wir müssen prüfen, ob dies ein zwischenzeitliches Phänomen ist, oder ob es sich um einen Trend handelt“, sagte Fontana. Die Lombardei habe drastische Maßnahmen gegen die Epidemie ergriffen, die Auswirkungen davon sollten jetzt spürbar werden.

Die Zahl der Coronavirus-Todesopfer und -Infizierten in Italien ist bereits am Mittwoch erneut angestiegen, da allerdings weniger stark als am Vortag. 683 zusätzliche Todesopfer wurden am Mittwochabend gemeldet. Insgesamt verzeichnete Italien damit 7503 Covid-19-Tote.

In Rimini wurde unterdessen ein über Hundertjähriger nach einer Coronavirus-Infektion geheilt aus dem Krankenhaus entlassen. Der 1919 geborene Mann sei am Mittwochabend aus dem Krankenhaus von Rimini entlassen worden, sagte die Vize-Bürgermeisterin der Stadt, Gloria Lisi, am Donnerstag. „In der jetzigen Zeit ist es immer gut, ein bisschen Hoffnung zu geben“, fügte sie hinzu.

Einen hohen Preis für ihren Einsatz gegen das Coronaviruszahlen zahlen indes die italienischen Sanitäter. 6205 Ärzte und Krankenpfleger haben sich in Italien mit dem Coronavirus infiziert. Das sind neun Prozent aller Infizierten in Italien, berichtete die italienische Ärztegewerkschaft am Donnerstag.

36 Ärzte sind seit Beginn der Epidemie gestorben, die letzten drei stammten aus Bergamo, dem lombardischen Epizentrum der Epidemie. Vor allem Hausärzte haben sich bisher infiziert, berichtete die Ärztegewerkschaft. Premier Giuseppe Conte lobte den unermüdlichen Einsatz der Sanitäter im Kampf gegen die Epidemie.

Inzwischen wurde Italiens Zivilschutzchef Angelo Borrelli negativ auf das Coronavirus getestet. Der 55-jährige Krisenmanager war am Mittwochabend nicht zur Pressekonferenz erschienen, die der Zivilschutz täglich hält, um die Italiener über die Entwicklungen der Epidemie zu informieren. Borrelli habe leichtes Fieber und arbeite von zu Hause, teilte der Zivilschutz mit.

Europaweit ist die Zahl der offiziell gemeldeten Coronavirus-Infektionsfälle auf mehr als 250.000 gestiegen. Mehr als die Hälfte der Fälle wurden in Italien und Spanien registriert, wie eine Zählung der Nachrichtenagentur AFP vom Donnerstag ergab. Die Zahl der Todesfälle stieg europaweit auf 14.640.

Insgesamt wurden nach Behördenangaben in Europa inzwischen 258.068 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen, fast 74.400 davon in Italien und mehr als 56.000 in Spanien.

Damit ist Europa der am stärksten von der Pandemie betroffene Kontinent. An zweiter Stelle folgt Asien mit 3636 offiziell bestätigten Todesfällen und mehr als 100.000 Infektionsfällen. In der zentralchinesischen Provinz Hubei war das Virus im vergangenen Dezember erstmals aufgetreten.

Bei den offiziell gemeldeten Infektions- und Todesfällen handelt es sich nach Einschätzung von Experten nur um einen Bruchteil der tatsächlichen Corona-Fälle weltweit. In vielen Ländern mangelt es an Testkapazitäten, vielerorts werden zudem nur Patienten mit schweren Symptomen auf das Coronavirus getestet. Virologen gehen daher von einer sehr hohen Dunkelziffer aus.

apa

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