Der „Bro“ wird bei <Fett>Florian Barth</Fett> (15) aus Bozen schnell zum „frate“, wenn er mit seinen italienischen Freunden spricht. Der 15-Jährige kennt die Jugendwörter der vergangenen Jahre und nutzt einige auch gerne. Unter Freunden sind peinliche Dinge schnell „cringe“ und coole „tuff“. Aber auch wirklich nur unter Freunden: „Mit Erwachsenen wie Eltern oder Lehrern spreche ich nicht so. Da stellt man von ganz allein die Sprache um“, erklärt der 15-Jährige. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1345929_image" /></div> <BR /><BR />Anglizismen haben jedoch schon längst Einzug in seinen Sprachgebrauch gehalten: „Manchmal nutze ich das englische Wort, obwohl ich das deutsche kenne“, sagt er. Das berühmte Internet-Phänomen „67“ kennt er auch, nutzt es aber eher ironisch. „Mittlerweile ist es peinlich geworden, 67 zu sagen. Wenn, dann sagen das eher die Jüngeren“, so Barth.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1345932_image" /></div> <BR />Ziemlich „cringe“ findet <Fett>Veronika Heiss</Fett> aus Sarntal die aktuellen Jugendwörter. Auch wenn die 21-Jährige das nie so sagen würde: „Ich nutze keins der heurigen oder vergangenen Jugendwörter.“ Ein einziges Wort aus früheren Jugendgenerationen hat es jedoch in ihren Wortschatz geschafft. „Das Wort ‚cool‘ sage ich regelmäßig, aber das war's auch schon“, sagt sie. <BR /><BR />Ein Ausspruch, der heutzutage gern genutzt wird, ist ihr jedoch ein Dorn im Auge. „Ich kann ‚67‘ nicht mehr hören. Ich verstehe den Sinn dahinter auch nicht, es gibt ja schließlich keinen“, schimpft Heiss. Es begegne ihr überall, in den sozialen Medien wie Instagram und TikTok. Sogar auf der Straße höre sie es oft im Vorbeigehen. Heiss greift im Alltag lieber auf andere Sprachen als auf Jugendwörter zurück. „Wenn ich fluche oder schimpfe, mache ich das meistens auf Italienisch“, sagt sie.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75915408_quote" /><BR /><BR />Crashout“ gegangen ist <Fett>Thea Vegrini</Fett> (20) vom Ritten, als sie das erste Mal ein Jugendwort googeln musste: „67“ sagt ihr bis heute nichts – und gefallen würde es ihr schon gar nicht. Von der Liste der Jugendwörter 2026 ist ihr die Hälfte fremd, und die andere Hälfte würde sie selbst kaum benutzen. Während sie bei ihrem Studium in den Niederlanden häufig „Ragebait“ verwendet, findet das Wort im Südtiroler Alltag kaum Verwendung. <BR /><BR />„Cringe“ und „Goofy“, die in den vergangenen Jahren besonders beliebt waren, stehen hingegen auch heute noch weit oben bei ihr. Welche Wörter sie tatsächlich verwendet, hängt jedoch stark vom Kontext ab: mit wem sie spricht, wo sie sich bewegt und welche Sprache gerade gesprochen wird. Vieles entstehe spontan im Gespräch, oft aus Ironie heraus, und verschwinde genauso schnell wieder.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1345935_image" /></div> <BR />Je jünger die Menschen, desto ernster nehmen sie die ganzen Jugendwörter“, sagt <Fett>Maximilian Rieper</Fett> (19) aus Brixen. Bei ihm selbst hält sich die Begeisterung in Grenzen. „67“ sei komplett an ihm vorbeigegangen. Auch „Digga“ wäre für den 19-Jährigen inzwischen längst „out“: „Das letzte Mal habe ich das Wort wahrscheinlich mit 15 verwendet.“ Stattdessen nennt er seine Kollegen lieber „olter“.<BR /><BR /> In seinen alltäglichen Sprachgebrauch haben es allerdings „peak“ und „lowkey“ geschafft. Auch „Ragebait“ habe Rieper zunächst bei anderen in der Schule aufgeschnappt und irgendwann selbst übernommen. „Cringe“ sei für ihn mittlerweile kein richtiges Jugendwort mehr. Es hätte sich schon dermaßen etabliert, dass es seiner Meinung nach bereits im Duden stehen sollte. Schließlich habe er die Bedeutung sogar seinen Eltern erklärt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1345938_image" /></div> <BR />Damit ihre ältere Schwester als „Millennial“ nicht den Anschluss verliert, hält <Fett>Magdalena Strobl</Fett> (19) aus Schluderns sie mit Wörtern der jungen Generation am Puls der Zeit. „Jugendwörter verwende ich eigentlich mit allen, egal ob Freunde, Familie oder Arbeitskollegen“, erzählt die 19-Jährige. Letzteren bringt sie mittlerweile sogar regelmäßig neue Begriffe bei – mit Erfolg. Besonders häufig fällt bei ihr „my shayla“, wenn jemand besonders niedlich ist.<BR /><BR /> „Slay“ kommt zum Einsatz, wenn ihr etwas richtig gut gefällt, „cringe“, wenn etwas einfach unangenehm ist. Auch Italienisches wie „cioè“, „boh“ oder „tipo“ mischt sich in ihren Sprachgebrauch. Bei „67“ hört der Spaß allerdings auf. „Dafür fühle ich mich ehrlicherweise zu alt und ich habe bis heute nicht verstanden, wie man es überhaupt verwendet“, sagt sie. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1345941_image" /></div> <BR />Auch wenn <Fett>Gabriel Marcone</Fett> (17) aus Terlan das deutsche Wort kennt, greift er gerne auf die englische Variante zurück. Wörter, die einst aus der Onlinewelt bis nach Südtirol kamen, sind für ihn längst Teil des Alltags. „In meinem Freundeskreis verwenden wir ,delulu‘, ,lowkey‘, ,Schere‘ und ,Rizz‘“, erzählt er. Auch „Digga“ gehört für den 17-Jährigen mittlerweile zum normalen Sprachgebrauch. <BR /><BR />Andere Begriffe wiederum kommen ihm schon fast wie Jugendkultur der nächsten Generation vor: „67“ etwa sei eher etwas für Jüngere. In seinem Freundeskreis tauche der Ausdruck deshalb höchstens scherzhaft auf. Während „slay“ besonders von Mädchen verwendet werde, spricht er seine italienischen Freunde mit „fra“ an, während seine deutschen auf „bro“ hören. Gegenüber Eltern und Lehrern versucht der Terlaner, die Jugendsprache zurückzuhalten, ganz abschalten lasse sie sich aber nicht. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1345944_image" /></div> <BR />Aura“, „Digga“ und „Yolo“, das war einmal: Die 20-jährige Greta Fischnaller aus Reischach ist der Meinung, dass sie langsam, aber sicher aus dem „Jugendslang“ herauswächst. „Das merke ich, wenn ich mit meinen jüngeren Kolleginnen und Kollegen Zeit verbringe“, schmunzelt Fischnaller. „Ein Teil der Begriffe, die sie verwenden, sagt mir auch nichts mehr.“ Trotzdem gibt es einige jugendliche Ausdrucksweisen, die aus Fischnallers Wortschatz nicht mehr wegzudenken sind. <BR /><BR />Da wäre etwa das Wort „Ragebait“, was so viel bedeutet wie, das Gegenüber durch eine gezielte Provokation zu ärgern. Hin und wieder bezeichnet Fischnaller sich selbst oder ihre Freunde als ein wenig „delulu“. Klassiker wie „cringe“, „lost“ oder „sus“ gehören natürlich ebenfalls zum täglichen Sprachgebrauch. Fischnallers Lieblingsjugendwort: der englische Begriff „slay“.<BR /><BR />Wörter wie „cringe“, „sus“, „slay“ oder „delulu“ werden also von Jugendlichen im Alltag verwendet, als wäre es normal. Das ist es für sie schließlich auch. Und Sie? Hätten Sie diese Wörter verstanden? <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/abstimmung-cringe-sus-slay-delulu-verstehen-sie-die-jugendsprache" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Stimmen Sie hier ab.</a><h3> Für das Südtiroler Jugendwort des Jahres stimmen</h3>Zum ersten Mal wird in diesem Jahr das Südtiroler Jugendwort gekürt. Vom 1. bis 20. September können Begriffe eingereicht werden. Aus den Top fünf Einreichungen wählen dann vom 1. bis 20. Oktober 14- bis 20-Jährige aus ganz Südtirol online ihren Favoriten. <BR /><BR />Am 14. Oktober wird schließlich das Wort mit den meisten Stimmen zum Südtiroler Jugendwort des Jahres 2026 gekürt. YOUTH WORD ist ein Projekt von Youth Info in Zusammenarbeit mit Eurac Research und der Freien Universität Bozen sowie Partnern der Jugendarbeit und unterstützt vom Landesamt für Jugendarbeit sowie der Agentur zukunvt.