Donnerstag, 11. März 2021

Luftqualität 2020: Stickstoffdioxid geht aufgrund der Lockdowns zurück

Weniger Verkehr, weniger Schadstoffe: Die Luftqualität 2020 zeichnet sich durch einen deutlichen Rückgang der Stickstoffdioxid-Konzentration aus. Die Daten wurden am heutigen Donnerstag in Bozen vorgestellt.

Mit einem Netz an fixen und mobilen Mess-Stationen erhebt die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz die Luftqualitätsdaten. - Foto: © LPA/Nadia Franzoi
Die Luftqualität in Südtirol hat sich im vergangenen Jahr erheblich verbessert: Vor allem die verkehrsbedingten Schadstoffe wie Stickstoffdioxid (NO2) gingen aufgrund des Lockdowns und des damit verbundenen Verkehrsrückgangs zurück. Dies zeigen die Daten der Luftqualitätserhebung 2020 der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, die Umweltlandesrat Giuliano Vettorato gemeinsam mit dem Direktor des Labors für Luftanalysen und Strahlenschutz, Luca Verdi, und dem Direktor des Landesamtes für Luft und Lärm, Georg Pichler, am Donnerstag im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz vorgestellt hat.

Der Pressekonferenz vorangegangen war der „Technische Tisch zur Luftqualität“, bei dem Vertreter der Gemeinden und der Interessensverbände Einblick in die Daten erhielten und über zukünftige Strategien diskutierten.

Nachhaltige Mobilität im Fokus

„Die Zeit der Ausgangssperren hat uns gezeigt, dass die große Herausforderung beim Thema Luftqualität und Klimaschutz darin besteht, den motorisierten Verkehr zu reduzieren und auf klimafreundlichere Mobilitätsformen zu setzen“, unterstreicht Umwelt- und Energielandesrat Giuliano Vettorato. Es gelte, weiterhin in die Verringerung der verkehrsbedingten Emissionen und zugleich in die Verbesserung nachhaltiger Mobilitätsformen zu investieren. „Diese allein bringen ökologische und gesundheitliche mit ökonomischen Erfordernissen in Einklang“, so der Landesrat.

Für 2021 seien keine neuen Fahrbeschränkungen geplant, auch aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation, in der sich derzeit viele Familien und Unternehmen befänden. Bereits im Mai 2020 wurde beschlossen, die Einführung der Fahrbeschränkung für die Euro IV Klasse pandemiebedingt aufzuschieben. „Einige Punkte des Programms zur Reduzierung der NO2-Belastung 2018-2023 zur Mobilität, zum öffentlichen Nahverkehr und zu den Fahrbeschränkungen müssen bis 1. Jänner 2022 überdacht werden. Dies auch vor dem Hintergrund neuer Gegebenheiten, etwa des vermehrten Einsatzes von Smart working“, ist Vettorato überzeugt.




Im Rahmen des Expertentischs zur Luftqualität sprach sich der Landesrat für ein integriertes Smart working-Modell aus, das zumindest in der öffentlichen Verwaltung an einigen Tagen in der Woche Smart working vorsieht, um somit einen Beitrag zur Verringerung der Bewegungen und in der Folge des Verkehrsaufkommens zu leisten. Darüber hinaus sei jeder einzelne von uns gefordert, sein Mobilitätsverhalten zu ändern und zur Reduzierung der Stickstoffdioxid-Konzentration in der eigenen Umgebung beizutragen, so der Appell des Landesrats an die Bürgerinnen und Bürger: „Nur so können wir die Qualität der Luft, die wir atmen, verbessern und unser Klima schützen.“

Stickstoffdioxid geht zurück

Die Stickstoffdioxid-Konzentration zeigt im Jahr 2020 eine deutliche Abnahme gegenüber den 3 Jahren zuvor. Dieser Schadstoff ist vor allem auf den Straßenverkehr, insbesondere auf Dieselfahrzeuge, zurückzuführen und kann in hohen Konzentrationen gesundheitsschädlich sein.

„Bei den in Bozen, Meran, Brixen und Leifers angebrachten Passivsammlern, die die Luftqualität vor allem an mit Häuserreihen begrenzten, vielbefahrenen Straßen – so genannten Straßencanyons – erheben, wurde 2020 nur eine Überschreitung des Stickstoffdioxid-Jahresgrenzwerts von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter festgestellt“, unterstreicht Luca Verdi, Direktor des Labors für Luftanalysen und Strahlenschutz der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz. „Auch entlang der Brennerautobahn wurde dieser Jahresgrenzwert im Jahr 2020 nur an 2 Mess-Stationen überschritten.“

Bessere Luft entlang der Brennerautobahn (A22)

Die Zahlen entlang der A22 bestätigt die BrennerLEC-Studie, die die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz gemeinsam mit weiteren Partnern im Rahmen des vom EU-LIFE-Programm kofinanzierten Projekts durchgeführt hat. „Während des Lockdowns im März und April 2020 ist die NO2-Konzentration an der Mess-Station entlang der A22 bei Neumarkt um rund die Hälfte gegenüber den drei Jahren zuvor gesunken“, führt Georg Pichler, Direktor des Landesamt für Luft und Lärm in der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, aus.

Im selben Zeitraum ist der Pkw-Verkehr auf der Autobahn um 92 Prozent, der Schwerverkehr um 42 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2017-2019 zurückgegangen. „Der Zusammenhang ist deutlich zu sehen: Nimmt der Leicht- und Schwerverkehr ab, sinkt auch die NO2-Konzentration entlang der Autobahn“, so Pichler.

Gleichbleibende Feinstaub-Werte (PM10 e PM2,5)

Während Stickstoffdioxid im vergangenen Jahr pandemiebedingt deutlich zurückgegangen ist, sind die Feinstaub-Werte (PM10 e PM2,5) in Südtirol gegenüber den Vorjahren nahezu unverändert geblieben. „Das untermauert die Tatsache, dass der Straßenverkehr großen Einfluss auf die NO2-Konzentration hat, viel weniger jedoch auf die Feinstaub-Werte“, erklärt Amtsdirektor Verdi. Die Feinstäube (PM10 e PM2,5) können natürliche oder von Menschen bedingte Ursachen – wie Heizung, Industrie, Verkehr, Abrieb etc. – haben. „In Südtirol stammen etwa 70 Prozent der Feinstaub-Partikel von Haushaltsheizungen, wobei die Holzverbrennung am meisten Feinstaub verursacht“, weiß Verdi.

Der gesetzliche PM10 Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter, der nicht öfter als 35 Mal im Jahr überschritten werden darf, kann in Südtirol bereits seit 2007 eingehalten werden. Zudem entsprechen die PM10 Jahresdurchschnittswerte der vergangenen beiden Jahre auch den Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die durchschnittlichen PM2,5-Jahreswerte hingegen liegen unter den gesetzlichen Grenzwerten, entsprechen aber noch nicht den WHO-Vorgaben.

Problembereich Benzo[a]pyren


Bei einer Komponente des Feinstaubs, dem Benzo[a]pyren, wurden im vergangenen Jahr insbesondere in ländlichen Ortschaften im Talboden auch Überschreitungen des staatlichen und europäischen Grenzwerts verzeichnet. Benzo[a]pyren ist ein Schadstoff, der durch unvollständige Verbrennung von Holz entsteht, beispielsweise bei kleinen Holzverbrennungssystemen wie Kamin- oder Kachelöfen, die manuell betrieben werden.

„Im Jahr 2020 stiegen die Werte von Benzo[a]pyren im Vergleich zu den letzten 3 Jahren an“, unterstreicht Luca Verdi. Dies könne man auf eine Zunahme der Holzverbrennung zurückführen, da die Bevölkerung aufgrund der Bewegungseinschränkungen mehr Zeit zu Hause verbracht habe.

Informationen

Sämtliche Daten zur Luftqualität in Südtirol können auf den Webseiten des Landes im Bereich Umwelt unter „Luft“ eingesehen werden. Dort ist auch die Studie des Labors für Luftanalysen und Strahlenschutz vom Mai 2020 „Coronavirus und Luftqualität in Südtirol“ zu finden.

lpa/stol

Schlagwörter: