Freitag, 23. Oktober 2020

Luftqualität unter der Maske: Das sind die Fakten

Immer wieder wird kritisiert, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung sei gesundheitsschädigend. Um die Zweifel in der Bevölkerung zu zerstreuen, hat die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz in einer Studie die Qualität der Atemluft unter den verschiedenen Mund-Nasen-Bedeckungen untersucht.

Die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz hat die Luftqualität unter den verschiedenen Maskenarten untersucht.
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Die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz hat die Luftqualität unter den verschiedenen Maskenarten untersucht. - Foto: © shutterstock
„Die von der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz durchgeführte Studie ist eine der italienweit ersten Erhebungen mit Fokus auf den Mund-Nasen-Schutz“, betonte Landesrat Giuliano Vettorato bei der Präsentation am Freitag.

„Ziel der Untersuchung ist es, das Bewusstsein der Bevölkerung zu schärfen. Auch wollen wir darauf hinweisen, wie wichtig es ist, die Schutz- und Hygienemaßnahmen strengstens zu befolgen.“

Das wichtigste Fazit der Studie vorab: Die Konzentration von Kohlendioxid (CO2) in der Luft, die wir beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes einatmen, entspricht jener in Innenräumen und liegt damit weit unter dem CO2-Gehalt der Luft, die wir ausatmen.

Die Ergebnisse der Studie „Luftqualität unter der Maske“

Beim Tragen einer Maske wird ein Teil der ausgeatmeten Luft von der Maske zurückgehalten und wieder eingeatmet.

Unter die Lupe genommen hat das Labor die Qualität der Atemluft bei bedeckter Nase und bedecktem Mund, wobei 5 verschiedene Formen von Mund-Nasen-Schutz zum Einsatz kamen: selbst genähte Maske, chirurgische Schutzmaske, FFP2- oder KN95-Maske, Gesichtsschutzvisier und Schlauchtuch.

Im Rahmen der Untersuchung wurde der Prozentsatz an wieder eingeatmetem Kohlendioxid im Vergleich zum ausgeatmeten Kohlendioxid ermittelt.



„Die Luft, die wir ausatmen, enthält mit rund 40.000 ppm (4 %) eine hohe CO2-Konzentration“, betonte Luca Verdi, Direktor des Labors für Luftanalysen und Strahlenschutz.

„Die Studie hat gezeigt, dass trotz Mund-Nasen-Bedeckung ein erheblicher Luftaustausch erfolgt, was zu einer bedeutenden Senkung des CO2-Gehalts in der Atemluft führt. Konkret werden mindestens 3 Prozent (beim Visier) bis maximal 14 Prozent (bei der handgemachten Maske) der Luft, die wir ausatmen, wieder eingeatmet.“

Räume ausreichend lüften

Vor dem Hintergrund dieser Werte von CO2, das als „der“ Indikator für die Luftqualität in Innenräumen gilt, betonen auch die Experten der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, wie wichtig es ist, Räume, in denen sich mehrere Personen aufhalten, häufig zu lüften.

„In Innenräumen mit vielen Personen wie etwa in Schulklassen steigt der CO2-Gehalt meist sehr schnell an“, erklärt Luca Verdi. Rechne man zum wieder eingeatmeten CO2 unter der Maske das CO2 des schlecht gelüfteten Innenraums dazu, werde schnell klar, warum ein optimales Lüften der Räume grundlegend ist.

„Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die CO2-Konzentration in der Luft, die wir beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes einatmen, jener in Innenräumen entspricht und weit unter dem CO2-Gehalt der ausgeatmeten Luft liegt“, resümiert Verdi.

Unbehaglichkeit beim Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen

Neben der Qualität der Atemluft wurde in der Studie auch untersucht, woher die eventuelle Unbehaglichkeit rührt, die mit der Verwendung von Mund-Nasen-Bedeckungen über längere Zeiträume einhergeht.

„Mittels einer Wärmekamera haben wir die Oberflächentemperatur des Gesichts mit und ohne Maske gemessen“, führte Clara Peretti, Beraterin des Labors für Luftanalysen und Strahlenschutz im Rahmen des EU-Projekts „QAES - Luftqualität in den Schulgebäuden“ aus.
„Dabei hat sich gezeigt, dass in den von der Maske bedeckten Teilen des Gesichts die Oberflächentemperatur im Durchschnitt um 2 Grad ansteigt. Dieser Temperaturanstieg und das damit verbundene Schwitzen können ein unangenehmes Gefühl auslösen.“

Bereits im Mai hatte sich STOL beim Immunologen Dr. Bernd Gänsbacher über die angeblichen Risiken einer Maske informiert.

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Die Untersuchungsmethode

Die Studie wurde im Zeitraum Juni-August 2020 in den Labors der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz durchgeführt. Ausgewertet wurden 350 Proben von Personen im Sitzen oder in Bewegung (Sport und Extrembelastung wurden nicht berücksichtigt) mit und ohne Mund-Nasen-Bedeckung.

Wie der Verantwortliche für die Messreihen, Gianmaria Fulici erklärte, wurde bei den Messungen ein spezielles Protokoll befolgt und die eingeatmete Luft strikt getrennt von der ausgeatmeten Luft untersucht.
„Dazu haben wir mittels einer zwischen Mund und Nase positionierten Sonde beim Einatmen eine kleine Menge Luft entnommen, in einem Tedlar-Gasprobenbeutel gesammelt und anschließend auf die CO2-Konzentration hin untersucht“, so Fulici.

Die Studie „Luftqualität unter der Maske“ ist online auf den Webseiten des Landes zum Thema Umwelt einsehbar.

lpa/liz