<b>von Karl Tschurtschenthaler<BR /><BR />Herr Durnwalder, wie sah die Schule Ende der 1940er-Jahre aus?</b><BR />Luis Durnwalder: Es war alles sehr einfach – ganz anders als heute. Ich besuchte die alte Schule in Hofern. Dort gab es nur einen einzigen Klassenraum. Vormittags waren die Großen der 3., 4. und 5. Klasse dort im Unterricht, nachmittags die Kleinen der 1. und 2. Klasse. Es war eine Halbtagsschule, von Montag bis Samstag. Insgesamt waren wir etwa 70 Kinder.<BR /><BR /><b>Sie stammen aus Pfalzen. Warum gingen Sie in Hofern zur Schule?</b><BR />Durnwalder: Weil es von unserem Bauernhof, dem Oberwalderhof am Pfalzner Georgenberg, viel näher nach Hofern war als nach Pfalzen. Wir hatten etwa eine Dreiviertelstunde Fußweg hin zur alten Schule beim „Moar. Dort hatte die Gemeinde Kiens ein altes Gebäude als Schulhaus angemietet.<BR /><BR /><b>Erinnern Sie sich noch an den damaligen Schulweg?</b><BR />Durnwalder: Natürlich. Wir waren eine Gruppe von etwa 20 bis 30 Kindern von den umliegenden Höfen und gingen gemeinsam. Auf dem Heimweg brauchten wir natürlich oft länger als eine Dreiviertelstunde. Wir mussten ja „Raba und Putz“ spielen oder auch mit den „Speckern“, den bunten Glaskugeln.<BR /><BR /><b>Heute schult man mit sechs Jahren ein. Taten Sie das auch?</b><BR />Durnwalder: Nein, der Vater hat jedes Kind ein Jahr später in die Schule geschickt – wegen des weiten Schulweges. Man hatte damals ohnehin genug Zeit. Bis zum Ende der Schulpflicht mit 14 Jahren musste man die fünf Volksschulklassen machen. Wer also mit sechs Jahren einschulte und nie sitzen blieb, war mit elf Jahren schon in der fünften Klasse. Dort blieb er dann, bis die Schulpflicht endete. Ich bin auch mit 14 Jahren ausgeschult und kam dann nach Neustift in die Oberschule.<BR /><BR /><b>Wie viel haben Sie in der Schule in Hofern gelernt?</b><BR />Durnwalder: Im Vergleich zu heute sicher nicht sehr viel: Wir konnten ein bisschen Lesen, Schreiben und Rechnen. Heimat- oder Naturkunde gab es nicht. Und Italienisch lernten wir fast nichts. Wir hatten einen Italienischlehrer, der uns Kinder entscheiden ließ, ob wir Unterricht machen oder Völkerball spielen wollten. Klar, dass es da nicht viel Unterricht gab. So brachten wir es bis zum Schulende gerade einmal auf ein paar italienische Wörter. Als ich nach Neustift kam, konnte ich keinen italienischen Satz schreiben. Das habe ich dort natürlich gebüßt: Italienisch gehörte da nicht zu meinen Stärken.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1356168_image" /></div> <BR /><b>Gab es Schulbücher und Schultaschen?</b><BR />Durnwalder: Wir hatten Hefte, Bücher nicht. Nur das Religionsbüchl mussten die Eltern kaufen. Darin standen die wichtigsten Dinge aus dem Katechismus der Kirche, also das, was man glauben musste. Zum Religionsunterricht kam der Pfarrer von Kiens herauf und fragte uns allerhand ab: die zehn Gebote, die sieben Hauptsünden und anderes. Auch Gebete mussten wir aufsagen. Eine Schultasche hatten wir auch. Die hat uns unsere Mutter aus Leder und Stoff genäht, eine Art Rucksack.<BR /><BR /><b>Und was gab es als Jause?</b><BR />Durnwalder: Bei uns gab es immer ein Stück hartes Brot. Nur zu Allerheiligen und um Ostern bekamen wir das „Toutnzeug“, ein süßes Gebäck, einen Hasen oder eine Henne. Davon nahm man jeden Tag ein Stück mit. Manchmal tauschten wir auch untereinander – gegen einen Apfel oder etwas anderes.<BR /><BR /><b>Und wie war es mit den Hausaufgaben?</b><BR />Durnwalder: Die gab es natürlich auch. Einfach war es allerdings nicht, sie zu machen, weil wir anfangs noch keinen Strom am Hof hatten. Aber da halfen die älteren Geschwister den jüngeren. Man hat „zusammengeschaut“. Und natürlich musste man immer eine Verzierung unter die Aufgabe ins Heft malen.<BR /><BR /><b>Waren Sie eigentlich ein braver Schüler?</b><BR />Durnwalder: Ein paar Mal habe ich schon eine Strafe bekommen, etwa weil ich geschwätzt hatte oder zu spät in die Schule gekommen war, weil wir auf dem Weg getrödelt hatten. Die schlimmste Strafe war das „Haisl raggln“. Das bedeutete, dass wir das Plumsklo der Schule leeren, den Inhalt in Kübel schöpfen und ein Stück vom Schulhaus entfernt hinbringen mussten. Das musste ich einige Male tun.<BR /><BR /><b>Was ist Ihnen aus der Schulzeit in Hofern besonders in Erinnerung geblieben?</b><BR />Durnwalder: Schön waren natürlich die Ausflüge, etwa hinunter zum Issinger Weiher, und die „Bamlfeste“. Einen Baum zu pflanzen, hat uns allerdings weniger interessiert. Wichtiger war die Jause: ein belegtes Brot und ein „Kracherle“. Das war für uns alle ein Fest. In den letzten Schuljahren in Hofern durften wir auch ein- oder zweimal einen Film schauen. Das war natürlich etwas ganz Besonderes.<BR /><BR /><b>Wie kamen Sie schließlich nach Neustift?</b><BR />Durnwalder: Am Ende der fünften Klasse hatten wir eine Abschlussprüfung. Dazu kam ein gewisser Direktor Zingerle herauf in die Schule. Er meinte, ich hätte das Zeug zum Studieren. Das sagte er meinem Vater, der aber ablehnte, weil er sich das Schulgeld nicht leisten konnte. Doch der Pfarrer von Kiens, Stanislaus Röd hieß er, hat alles geregelt. So kam ich nach Neustift – und später auch zum Studium nach Wien.