Mittwoch, 17. April 2019

Macron verspricht Wiederaufbau von Notre Dame bis 2024

Frankreichs Regierung will am Mittwoch darüber beraten, wie es nach dem Inferno in der Pariser Kathedrale Notre-Dame weitergehen soll. Bei einer Regierungssitzung unter Vorsitz von Präsident Emmanuel Macron soll es vor allem um die Folgen der Brandkatastrophe gehen. Macron versprach den Franzosen, das weltberühmte Bauwerk innerhalb der kommenden fünf Jahre schöner als zuvor wieder aufzubauen.

Die gotische Kathedrale soll rasch wieder aufgebaut werden Foto: APA (AFP)
Die gotische Kathedrale soll rasch wieder aufgebaut werden Foto: APA (AFP)

Spender sagten am Dienstag bereits Hunderte Millionen Euro für den Wiederaufbau der jahrhundertealten gotischen Kathedrale zu. Allein die drei französischen Milliardärsfamilien Arnault, Pinault und Bettencourt-Meyers wollen insgesamt eine halbe Milliarde Euro geben.

Macron hatte auch über Frankreich hinaus zu Spenden aufgerufen. Premierminister Edouard Philippe rief am Dienstag eine Ministerrunde zusammen, um über den Wiederaufbau des ausgebrannten Gotteshauses zu beraten. Viele Länder boten Hilfe an - auch in Form von Expertise für die Restaurierung des Gebäudes - und bekundeten ihre Anteilnahme.

Der Vatikan twitterte, Papst Franziskus bete „für Frankreichs Katholiken und für die Bevölkerung von Paris”. Queen Elizabeth II erklärte, sie sei „tiefbetrübt”. Bundespräsident Alexander Van der Bellen ließ als Zeichen der Solidarität Österreichs mit dem französischen Volk auf der Präsidentschaftskanzlei die französische Flagge hissen und drückte in einem Brief seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron seine Anteilnahme aus.

Phase der Begutachtung

Das Feuer war auf dem Dachboden von Notre Dame ausgebrochen und nach einem Alarm um 18.43 Uhr entdeckt worden. Nach einem ersten Alarm um 18.20 Uhr war zunächst kein Brandherd gefunden worden. Erst am Dienstagvormittag verkündete Feuerwehrsprecher Gabriel Plus: „Das ganze Feuer ist aus.” Man habe die ganze Nacht über sichergestellt, dass das Feuer nicht wieder ausbricht, und die Gebäudestrukturen überwacht. Nun beginne die Phase der Begutachtung.

Nach Angaben des französischen Innenstaatssekretärs Laurent Nunez entdeckten Fachleute „einige Schwachstellen”. Diese betreffen vor allem das Gewölbe, wie Nunez sagte. „Im Ganzen hält die Struktur gut”, fügte er hinzu. Auf Bildern waren riesige Löcher in Teilen des Gewölbes zu sehen. Fotos zeigten außerdem Berge von Trümmern im Innenraum der gotischen Kathedrale, deren Geschichte bis ins Jahr 1163 zurückreicht.

Staatsanwaltschaft geht von Unfall aus

Die Pariser Staatsanwaltschaft geht von einem Unfall aus. „Nichts weist derzeit in die Richtung einer vorsätzlichen Tat”, sagte Staatsanwalt Remy Heitz am Dienstag. Nun würden Zeugen angehört - auch Arbeiter, die Renovierungsarbeiten ausführten. Auf dem Dach von Notre Dame hatten die Bauarbeiter ein Gerüst angebracht. Nach ersten Erkenntnissen der Feuerwehr wurden bei dem Einsatz drei Menschen leicht verletzt - zwei Polizisten und ein Feuerwehrmann.

Eine internationale Geberkonferenz soll Geld für den Wiederaufbau sammeln. Einen entsprechenden Vorschlag machte die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo. Sie wolle die Spenderkonferenz im Rathaus von Paris veranstalten, um die notwendigen Mittel zusammenzubekommen.

Großspender 

Erste Großspender stehen schon bereit: Die Milliardärsfamilie Bettencourt-Meyers und der Kosmetikriese L'Oreal wollen 200 Millionen Euro geben, wie der Kosmetikkonzern am Dienstag mitteilte. Zuvor hatte die Familie von Unternehmer und Milliardär Bernard Arnault über dessen Luxusgüter-Konzern LVMH angekündigt, sich ebenfalls mit 200 Millionen Euro an der Rekonstruktion beteiligen zu wollen. Die Milliardärsfamilie Pinault hat 100 Millionen Euro versprochen.

Das Feuer auf dem Dach hatte sich sehr schnell auf rund 1.000 Quadratmeter ausgebreitet, wie Feuerwehrsprecher Plus erläuterte. Der Dachstuhl stand lichterloh in Flammen; über Paris bildete sich eine gigantische Rauchwolke. Der kleine spitze Vierungsturm in der Mitte des Dachs stürzte ein, die beiden Haupttürme konnten jedoch gerettet werden - die Feuerwehr hatte große Sorge um deren Standsicherheit. Plus zufolge hatte man befürchtet, dass die tonnenschweren Glocken von Notre Dame aus der geschwächten Konstruktion abstürzen könnten.

Eine der wichtigsten Reliquien wurde aus der brennenden Kathedrale gerettet. Es handle sich dabei um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, sagte der Direktor des Gotteshauses, Patrick Chauvet. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht.

Chauvet sieht nach eigener Darstellung keine Sicherheitsmängel beim Brandschutz. So hätten Brandaufseher dreimal täglich den Dachstuhl geprüft. „Ich denke, dass man nicht mehr machen kann.” Aber es gebe natürlich immer Vorfälle, die man so nicht habe vorhersagen können.

Das Inferno von Notre Dame warf auch in mehreren Ländern Fragen nach dem Brandschutz historischer Kirchen auf. Spanien kündigte an, die Elektrik seiner bedeutenden Baudenkmäler überprüfen zu lassen.

apa/dpa/ag.

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stol