Freitag, 27. August 2021

Männer pendeln in Südtirol häufiger als Frauen

Die aktuelle Ausgabe der Arbeitsmarkt-News der Landesabteilung Arbeit hat sich den geschlechtsspezifischen Unterschieden beim Pendeln gewidmet.

Männer pendeln in Südtirol durchschnittlich häufiger als Frauen.
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Männer pendeln in Südtirol durchschnittlich häufiger als Frauen. - Foto: © shutterstock
Aus der neuen Ausgabe der Arbeitsmarkt-News geht hervor, dass männliche Arbeitnehmer häufiger und länger zwischen Wohn- und Arbeitsort pendeln als weibliche. Bei den Männern sind fast 6 von 10 Arbeitnehmern Pendler, bei den Frauen nur knapp 5 von 10. Nur Pendelstrecken von bis zu 15 Minuten werden häufiger von Frauen befahren als von Männern . Bei allen anderen Pendelzeiten dominieren männliche Arbeitnehmer.

Wichtige Aufgabe der Arbeitsmarktpolitik


Arbeits- und Wirtschaftslandesrat Philipp Achammer zieht aus dieser Veröffentlichung wichtige arbeitsmarktpolitische Schlussfolgerungen für die 2. Hälfte der Legislaturperiode: „Es liegt auf der Hand, dass Männer und Frauen unterschiedliche Bedingungen bei der Besetzung geeigneter Arbeitsstellen vorfinden. Die geringere Möglichkeit von Frauen zu pendeln hat soziale und wirtschaftliche Auswirkungen: Für die Frauen selbst, aber auch für den Arbeitsmarkt, der auf Fachkräfte verzichten muss.“

Die Verringerung dieser Kluft sei eine wichtige Aufgabe der aktiven Arbeitsmarktpolitik. „Gerade in diesem wichtigen und sensiblen Bereich müssen Informations- und Beratungsinitiativen gebündelt werden, wobei die gestärkte und modernisierte Arbeitsvermittlung eine besondere Verantwortung wahrnehmen muss“, fährt Achammer fort.



Die Gründe für eine geschlechtsspezifische Pendleranalyse verdeutlicht Stefan Luther, Direktor der Landesabteilung Arbeit: „Die Arbeitsmarktbeobachtung hat datengestützt nachgewiesen, dass Pendeln im Hinblick auf die Erwerbstätigkeit zwar einen ökonomischen Nutzen bringt, die Fahrt andererseits natürlich Zeit kostet - Zeit, die dann beispielsweise für familiäre Verpflichtungen fehlt. Durch die Analyse erhalten wir zusätzliche Informationen über geschlechtsspezifische Unterschiede in der Arbeitswelt.“ Luther unterstreicht, wie wichtig ein genauer Blick auf die Daten sei. Denn das Geschlecht spiele zwar eine Rolle, aber auch der Bildungsgrad und das Alter.

Kluft im Pendelverhalten

Die Kluft im Pendelverhalten ist besonders bei Arbeitnehmern mit geringem formalem Bildungsgrad (bis inklusive Mittelschule) ausgeprägt: Bei diesem Bildungsgrad pendeln 48 Prozent der Frauen, aber 58 Prozent der Männer. Bei den Inhabern akademischer Abschlüsse beträgt die Kluft zwischen den beiden Geschlechtern die Hälfte, nämlich 5 Prozentpunkte. 57 Prozent der Arbeitnehmerinnen und 62 Prozent der Arbeitnehmer pendeln.

Je höher der Bildungsgrad, desto geringer sind die Unterschiede in der Pendeldauer. Dabei spielt auch das Alter eine Rolle, denn gerade in jenem Alter, in denen Frauen Mütter werden, nimmt die Pendeldauer ab. Bei Männern hingegen lassen sich kaum Altersspezifika feststellen.

„Die Informationen über das Pendeln aus beruflichen Gründen wurden ohne Befragungsaufwand aus Verwaltungsdaten gewonnen“, ergänzt Abteilungsdirektor Luther. „Sie verdeutlichen den Stellenwert des Pendelns und der Mobilität auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt“, so Luther abschließend.

Pendler im deutschen Sprachraum

Laut der deutschen Bundesagentur für Arbeit lebten im Jahr 2020 in Deutschland 33,090 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Von diesen pendelten 13 Millionen oder 39 Prozent zur Arbeit in einen anderen Kreis innerhalb Deutschlands. Aus dem Ausland pendelten insgesamt 207.700 Personen zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Deutschland ein.

In der Schweiz waren laut Daten des schweizer Bundesamt für Statistik im Jahr 2019 8 von 10 Erwerbstätigen Pendler, also Personen. Dies entspricht rund 3,6 Millionen Menschen. Hiervon arbeiteten 71 Prozent außerhalb ihrer Wohngemeinde. Etwas mehr als die Hälfte der Pendelnden (51 Prozent) benutzte 2019 als Hauptverkehrsmittel für den Arbeitsweg das Auto. 31 Prozent begaben sich mit dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit, 17 Prozent zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Durchschnittlich legten die Arbeitspendler pro Arbeitsweg (ein Hinweg) 14 Kilometer zurück und benötigten dafür 30 Minuten.

Statistik Austria ermittelte im Jahr 2019 4.322.125 aktiv Erwerbstätige in Österreich: Mehr als die Hälfte (53,3 Prozent) arbeitete nicht in ihrer Wohngemeinde, sondern in einer anderen Gemeinde desselben politischen Bezirks (18,3 Prozent), in einem anderen politischen Bezirk desselben Bundeslandes (21,6 Prozent), in einem anderen Bundesland oder im Ausland (13,4 Prozent).


stol/lpa

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