Montag, 09. November 2020

März und April: Fast jeder 4. Todesfall in Südtirol auf Covid-19 zurückzuführen

In den Monaten März und April 2020 wurden fast 500 Todesopfer mehr als im Durchschnitt der letzten 5 Jahre verzeichnet. In nahezu 25 Prozent der Todesfälle war Covid-19 die ausschlaggebende Todesursache. Diese Ergebnisse gehen aus der aktuellen ASTAT-Studie zu den Auswirkungen von Covid-19 auf die Sterblichkeit in Südtirol in den Monaten März und April hervor.

Die am häufigsten gemeldeten Komplikation war die Lungenentzündung, die bei mehr als zwei Dritteln der Todesfälle durch Covid-19 auftrat.
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Die am häufigsten gemeldeten Komplikation war die Lungenentzündung, die bei mehr als zwei Dritteln der Todesfälle durch Covid-19 auftrat. - Foto: © shutterstock
In den Erhebungen des ASTAT gelten als Covid-19-positive Todesfälle all jene, bei denen Covid-19, unabhängig vom Schweregrad der klinischen Anzeichen und Symptome, durch Labortests bestätigt wurde oder jene, bei denen Covid-19 auf klinischer oder epidemiologischer Basis diagnostiziert wurde, die Labortests jedoch nicht eindeutig oder nicht verfügbar sind.

303 Menschen starben mit Covid-19

Im März 2020 wurden in Südtirol 665 Todesfälle verzeichnet, im April waren es 563 und damit insgesamt 1228. Von den Verstorbenen waren 19 außerhalb Südtirols wohnhaft.

Die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Todesfälle beläuft sich auf 303. Bei 286 Todesfällen von positiv auf Covid-19 getesteten Personen wurde Covid-19 als zugrunde liegende Todesursache angegeben (94,4 Prozent).

In den verbleibenden 5,6 Prozent der Fälle war der Tod auf eine andere Krankheit zurückzuführen, Covid-19 wurde aber dennoch als eine Ursache betrachtet, die zum Tod beigetragen haben könnte, indem bereits bestehende Krankheitsverläufe beschleunigt wurden, bestehende Krankheiten erschwert oder die Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt wurden.

Mit 23,3 Prozent ist somit fast jeder 4. Todesfall auf Covid-19 als ausschlaggebende Todesursache zurückzuführen.

Fast 500 Todesopfer mehr als im Durchschnitt der letzten 5 Jahre

Den Daten aus der Erhebung der Todesfälle und Todesursachen zufolge starben in den Monaten März und April 479 Personen mehr als im Durchschnitt der letzten 5 Jahre. Covid-19 wurde jedoch nur bei 59,7 Prozent der Übersterblichkeitsfälle als zugrunde liegende Ursache verzeichnet. Die restlichen 40,3 Prozent waren daher eine indirekte Konsequenz der Pandemie.

Auch Todesfälle aufgrund von psychischen und Verhaltensstörungen steigen deutlich an

Bei der Untersuchung der Todesfälle im März und April 2020 wird deutlich, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 28 Prozent der Fälle weiterhin die häufigste Todesursache sind. Die zweithäufigste Todesursache war Covid-19, worauf 23,3 Prozent der Todesfälle entfielen. Tumore hingegen wurden zur dritthäufigsten Todesursache (17,8 Prozent). Auch die Zahl der Todesfälle aufgrund von psychischen und Verhaltensstörungen ist um 38 Personen und Krebs um 26 Personen deutlich gestiegen.

Mehr Männer starben an Covid-19

Bei Berücksichtigung aller Todesursachen starben in absoluten Zahlen mehr Frauen (664) als Männer (564), aber das Gegenteil ist der Fall, wenn nur die Covid-19-Todesfälle betrachtet werden: In den beiden untersuchten Monaten März und April starben 149 Männer und 137 Frauen. Es sei darauf hinzuweisen, dass im März deutlich mehr Männer aufgrund von Covid-19 starben als Frauen, im April hingegen mehr Frauen als Männer, so die Experten des ASTAT.

Mehr als 70 Prozent der an Covid-19 Verstorbenen waren über 80 Jahre alt. Mehr als 45 Prozent waren zwischen 80 und 89 Jahre alt und 26,9 Prozent über 90. Fast 20 Prozent waren zwischen 70 und 79 Jahre alt, 7 Prozent zwischen 60 und 69 Jahre und weniger als 2 Prozent (1,7 Prozent) waren unter 60 Jahre alt.

Gesundheitsbezirk Bozen besonders hart betroffen


Mehr als 65 Prozent der an Covid-19 gestorbenen Personen hatten ihren Wohnsitz im Gesundheitsbezirk Bozen. In den 3 anderen Gesundheitsbezirken lag der Prozentanteil bei etwa 10 Prozent. Rund 2 Prozent hatten ihren Wohnsitz außerhalb Südtirols.

Durchschnittlich starben 6 von 10 der Covid-19-Todesfälle in einem Krankenhaus (öffentlich oder privat) rund 34 Prozent in einem Pflegeheim und weniger als 5 Prozent in einer Wohnung.

Lungenentzündung als Komplikation bei mehr als 2 von 3 Todesfällen

Die am häufigsten gemeldete Komplikation, d.h. Zustände, Anzeichen oder Symptome, die nach der Erkrankung mit Covid-19 aufgetreten sind, war die Lungenentzündung, die bei mehr als zwei Dritteln der Todesfälle durch Covid-19 auftrat (67,1 Prozent).

Eine weitere häufige Komplikation war Atemversagen und andere respiratorische Symptome und Anzeichen, die bei mehr als der Hälfte der Todesfälle festgestellt wurde. Andere seltener vorkommende Komplikationen waren kardiale Komplikationen (9,1 Prozent), Nierenversagen (3,8 Prozent), Sepsis und nicht spezifizierte Infektionen (3,5 Prozent).

Mehr als 75 Prozent der Covid-19-Todesfälle mit Mitursache


Im Todesschein wurden häufig neben Covid-19 auch andere Mitursachen angegeben, d.h. Krankheiten, Traumata oder relevante äußere Umstände, die nicht direkt zum Tod führten, aber zum Tod beigetragen haben, indem sie den Zustand des Patienten oder den Krankheitsverlauf erschwert haben.

Bei mehr als 75 Prozent der Todesfälle wurde mindestens eine weitere Mitursache genannt.

Dabei werden geschlechtsspezifische Unterschiede verzeichnet. Bei 30,9 Prozent der Männer war Covid-19 die einzige relevante Todesursache, während bei den Frauen dieser Prozentanteil auf 16,1 Prozent sank.

jno

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