Mittwoch, 24. Februar 2021

Mafia profitiert von Pandemie

Die Coronavirus-Pandemie bietet dem organisierten Verbrechen in Italien eine „große Gelegenheit“, sich zu bereichern. Dank vereinfachter Prozeduren bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen und bei Lieferungen infolge der Pandemie wird es für mit der Mafia verstrickte Unternehmen einfacher, in die legale Wirtschaft einzudringen. Dies geht aus einem Bericht der Anti-Mafia-Behörde DIA hervor, der dem Parlament vorgelegt wurde.

Die Präsenz von Clans sei auch in zahlreichen Regionen Norditaliens, vom Aostatal bis zu Trentino-Südtirol, und im Ausland stark.
Die Präsenz von Clans sei auch in zahlreichen Regionen Norditaliens, vom Aostatal bis zu Trentino-Südtirol, und im Ausland stark. - Foto: © shutterstock
Vor allem im Gesundheitsbereich, sowie bei großen Infrastrukturprojekten könne das organisierte Verbrechen demnach verstärkt mitmischen. Die Clans könnten versuchen, sich an die EU-Finanzierungen heranzumachen, die Italien im Rahmen des EU-Wiederaufbauprogramms „Next Generation“ erhalten soll, geht aus dem Bericht weiters hervor.
Während des Lockdowns im März und April 2020 konnten sich die Clans weiterhin durch Drogenhandel, Erpressungen, Hehlerei und Überfällen bereichern. In Süditalien dringe die Mafia immer tiefer in die politischen Institutionen ein, warnte DIA. Dank ihrer Liquidität würden Mafiosi in Schwierigkeiten geratenen Klein- und Mittelunternehmen Geld zu Wucherpreisen leihen. Wer nicht zurückzahle, müsse seinen Betrieb den Clans übergeben.

Mafiöse Organisationen würden Familien in Not Hilfe und Dienstleistungen anbieten, um somit soziale Zustimmung zu gewinnen. Die Mafia sei in der Lage, schneller und effizienter als der Staat Familien in Not beizustehen und sich somit deren Unterstützung und Dienste sichern. Mehr denn je müsse der italienische Staat in dieser beispiellosen Situation wachsam sein, hieß es im Bericht.

Als positiven Aspekt betrachtet die Behörde, dass die 'Ndrangheta, die Mafia in der süditalienischen Region Kalabrien, allmählich ihre Eigenschaft als „monolithische und undurchlässige Organisation“ verliere. Mehrere inhaftierte Mitglieder der 'Ndrangheta hätten sich zuletzt zur Zusammenarbeit mit der Justiz entschlossen. Außerdem würden viele der von der 'Ndrangheta erpressten Bürger und Unternehmen mit den Ermittlern zusammenarbeiten.

Die 'Ndrangheta, die stärkste mafiöse Organisation in Italien, bewahre aber dennoch ihre Führungsposition im internationalen Drogenhandel und gewinne weiterhin an finanzieller Stärke und Macht. Die Pandemie und der damit verbundene Lockdown in vielen Staaten habe den internationalen Drogenhandel in keiner Weise gebremst.
Eine der Stärken der Organisation liege in ihrer Fähigkeit, direkte Verbindungen und kriminelle Kooperationen mit jeder Art von Gesprächspartnern herzustellen: Politikern, Vertretern der Institutionen, Unternehmern und Fachleuten. Die Präsenz von Clans sei auch in zahlreichen Regionen Norditaliens, vom Aostatal bis zu Trentino-Südtirol, und im Ausland stark, geht aus der Studie hervor.

apa/stol