Die italienische Anti-Mafia-Behörde DIA hat auf Anordnung des Gerichts von Brescia drei Unternehmen aus der Provinz Verona unter Gerichtsverwaltung gestellt. Betroffen sind Firmen aus den Bereichen Immobilienvermietung und -handel sowie Weinbau und Weinproduktion. Sie kommen zu acht weiteren Unternehmen aus den Provinzen Brescia und Mantua hinzu, gegen die bereits im Sommer 2024 eine entsprechende Maßnahme verhängt worden war.<BR /><BR />Das gesamte Firmengeflecht mit einem Jahresumsatz von rund zwei Millionen Euro und einem Immobilienvermögen von etwa 30 Millionen Euro wird einem Unternehmer aus der Provinz Verona zugerechnet, dem mafiöse Verstrickungen vorgeworfen werden. Der Mann steht seit Juni 2023 in der Provinz Mantua unter Hausarrest.<BR /><BR />Die Maßnahme wurde auf Antrag der Ermittler in Brescia verhängt und steht im Zusammenhang mit Ermittlungen der Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft (DDA) von Catanzaro im Rahmen der Untersuchung „Glicine-Acheronte“.<h3> Finanzielle Verbindungen zur 'Ndrangheta</h3>Nach Angaben der DIA bestätigen tiefgründige Ermittlungen – unter anderem anhand von Meldungen über verdächtige Finanztransaktionen der italienischen Zentralbank – enge finanzielle Verbindungen des Unternehmers, auch ins Ausland, zu Mitgliedern einer 'Ndrangheta-Familie. Diese habe wiederholt Interesse an Investitionen im Gebiet rund um den Gardasee auf der Veroneser Seite gezeigt.<BR /><BR />Die festgestellten Kontakte zur ´Ndrangheta seien nicht als gelegentlich einzustufen. Die Verwaltung der drei Unternehmen übernimmt für mindestens ein Jahr ein Gremium aus zwei gerichtlich bestellten Verwaltern, die schrittweise die operative Leitung übernehmen sollen.<BR /><BR />Laut einem Dossier der nationalen Anti-Mafia-Behörde DNA ist die Lombardei, zu der das westliche Ufer des Gardasees gehört, nach Kalabrien die Region, in der die 'Ndrangheta am stärksten verbreitet ist. <h3> Mafia auch am Gardasee aktiv</h3>Dass die Mafia nicht nur in Großstädten wie Mailand, Turin und Bologna, sondern auch am Gardasee aktiv ist, haben jüngste Ermittlungen gezeigt. So ergaben Justizermittlungen zuletzt, dass der einflussreiche Clan Megna aus Kalabrien in der Kleinstadt Sirmione am Gardasee den Bau eines Spielcasinos plante. Das Projekt wurde durch Ermittlungen gegen einen 63-jährigen Unternehmer vereitelt, der umfangreiche Investitionen in die Spielhalle beabsichtigt hatte.<BR /><BR />Auch wegen des rentablen Immobilien- und Tourismussektors ist die Mafia in der Region um den größten See Italiens präsent. Reichtum, landschaftliche Attraktivität und zahlungswillige Touristen scheinen die Bosse anzuziehen. So investieren Clans laut Ermittlerberichten in Villen, Lokale, Hotels und sogar Campingplätze.