Donnerstag, 11. Juni 2020

Mafia in Bozen: Nicht das erste Mal

Es ist nicht das erste Mal, dass mafiöse Vereinigungen in Südtirol Fuß gefasst haben. Bereits in den 1990er-Jahren hatte die Polizei die sogenannte Kalabresen-Bande ausgehoben. Führende Köpfe waren damals Francesco Perre und Mario Sergi, die auch heute Drahtzieher der Drogengeschäfte in Südtirol sein sollen.

Von hier aus wurden die Fäden gezogen: das Lokal „Coffee Break“ in der Reschenstraße.
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Von hier aus wurden die Fäden gezogen: das Lokal „Coffee Break“ in der Reschenstraße.
Wie berichtet, hat die Polizei am Dienstag in Bozen und Leifers 11 Personen verhaftet. Sie stehen unter dem dringenden Verdacht, Teil eines eigenständigen Clans der 'Ndrangheta zu sein.

Knapp 30 Jahre ist es her, dass in Südtirol erstmals eine mafiöse Bande zerschlagen wurde. Immer wieder warnten hochrangige Politiker und Juristen davor, dass Südtirols Wohlstand den Appetit mafiöser Vereinigungen wecken könnte.

Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen der Antimafiastaatsanwaltschaft von Trient diesmal die Aussage eines „Pentito“. Über Monate hinweg wurden Telefone ebenso abgehört wie Gespräche in und außerhalb des „Coffee Break“, jenes Lokals in der Reschenstraße, das laut Ermittlungen Hauptquartier des 'Ndrangheta-Ablegers in Bozen war. Gespräche über Pkw, Fahrräder, Mopeds, Batterien oder Kaffee sollen in Wirklichkeit Absprachen gewesen sein, bei denen es darum ging, wie viel Kokain nach Bozen geliefert, wie es gestreckt und zu welchem Preis es verkauft werden sollte.

So soll Mario Sergi (60) vom „grauen Kaffee“ (Droge) gesprochen haben als den einzigen, den man „mischen“ (strecken) könne. Um die Reparatur von „beschädigten Fahrzeugen“ (Drogen minderwertiger Qualität) soll sich der „Mechaniker“ Domenico Bonadio (52) aus Leifers gekümmert haben. Derselbe Bonadio, dessen Sonnenmarkise 1996 von Unbekannten in Brand gesteckt und der 2012 wegen bewaffneten Überfalls auf eine Spielhalle in Bozen Süd verhaftet worden war. Auch er gehört zu den insgesamt 20 Verdächtigen, die in Bozen, Leifers, Pergine, Venetien und Kalabrien verhaftet worden sind.

Länger amtsbekannt ist Francesco Perre (62). Er galt mit Mario Sergi als einer der Köpfe der Kalabresen-Bande, die Anfang der 1990er-Jahren in Südtirol im Drogengeschäft tätig war – eine klare Parallele zum jetzt ausgehobenen Clan. Zusammen mit weiteren 41 Verdächtigen war er 1992 in Bozen verhaftet worden. Im Hauptverfahren wurden damals 20 Kalabresen in Bozen zu insgesamt 275 Jahren Haft, in Trient weitere 9 zu 77 Jahren Haft verurteilt. Über Perre wurden 27 Jahre Haft verhängt, über Sergi 24.

Nachdem Perre wieder zurück nach Kalabrien gezogen war, soll Sergi in dessen Fußstapfen getreten sein. Er stand bereits mit 23 Jahren vor Gericht – weil er von seinem Cousin Francesco, der direkt aus Kalabrien kam, Drogen entgegen genommen hatte.

Vor 13 Jahren kamen auch der in Bozen wohnhafte Michele Sergi (65) und der in Leifers ansässige Marco Dall'Ara (45) wegen Drogen in Schwierigkeiten. Sie sitzen nun ebenso in U-Haft wie Angelo Perri (65; Bozen), Angelo Zito (62; Leifers), Daniel Crupi und Luca Guerra (beide 32 und aus Bozen), Rosario Giocondo (29; Bozen) und Giuliano Callipari (51; Leifers).

d

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