Im Zuge einer Stippvisite spricht Magdalena Messner über Anforderungen in Job und Familie, ihre Zugänge zum Alpinismus und ferne Kindheitserinnerungen. <BR /><BR /><b>Das MMM Firmian feiert sein 20-jähriges Jubiläum, seit 2017 leiten Sie die Museen. Welche Empfindungen treiben Sie gerade um?</b><BR />Magdalena Messner: Für mich ist es sehr beflügelnd, zusammen mit meinem Team hier tätig zu sein und diesen einzigartigen Ort lebendig zu halten. Wir suchen immer den Austausch mit den Besuchern, die aus aller Welt zu uns kommen. Diesen Fluss der Dinge empfinde ich als eine Art Lebenselixier. <BR /><b><BR />Waren Sie bei der Eröffnung vor 20 Jahren dabei?</b><BR />Messner: Oh ja, natürlich, ich erinnere mich noch genau an die besondere Atmosphäre hier und an den Vulkanausbruch, den ein Künstler um die Kapelle herum simuliert hatte. Wenige Tage später begannen die Sommerferien, allerdings habe ich schon tags darauf im Ticketservice mitgeholfen. Dort gab es mehrere Bücher meines Vaters, die ich alle kannte und die Besucher daher gut beraten konnte. So bin ich vom ersten Tag an hineingewachsen, wobei ich auch vorher viel von den Planungen mitbekommen habe. Ich habe meinen Vater und den Architekten Werner Tscholl als unschlagbares Team erlebt. Sie haben oft hitzig diskutiert, gerade daraus sind die tollsten Dinge entstanden. Für mich war es eine magische Zeit. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1320750_image" /></div> <b>Einen derartigen Betrieb zu leiten, dürfte keine einfache Aufgabe sein. Welchen Schwierigkeiten und Sorgen mussten Sie sich stellen?</b><BR />Messner: Natürlich war der Weg geprägt mit Hürden, vor allem im Vorfeld für meinen Vater. Am Anfang gab es viele Bedenken vonseiten der Bevölkerung und Gegenwind von der Presse. Es stand die Befürchtung im Raum, dass mein Vater die historische Bedeutung von Schloss Sigmundskron nicht würdigen würde, sogar von Messner-Disneyland war die Rede. Das legte sich, als die Besucher vor Ort sahen, was hier entstanden ist. Ab 2014 arbeitete ich voll mit im Team und drei Jahre später hatte ich mich als Alleinverwalterin einer bis dahin nicht gekannten Verantwortung zu stellen. <BR /><BR /><b>Und zwar?</b><BR />Messner: Wenn man plötzlich für 20 Mitarbeiter und deren Familien mitverantwortlich ist, so bereitet das schon Kopfzerbrechen. Und dann kam 2020 die Coronapandemie. Als wir so wie alle anderen zusperren mussten, dachte ich mir: Um Himmels willen, wie soll das weitergehen? Aber gerade in solch schwierigen Zeiten kann oft Neues entstehen. Und so sind wir auch danach auf Schloss Juval mit einem neuen Konzept durchgestartet.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1320753_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie haben andere Wege beschritten als Ihr Vater und Ihr Bruder, haben mit dem Alpinismus nichts am Hut, dennoch bestimmt das Thema Berg Ihr Leben. Merkwürdig, oder?</b><BR />Messner: Es ist nicht so, dass ich mit dem Alpinismus nichts am Hut hätte, ich bin nur selbst keine Extrembergsteigerin. Dafür habe ich mich damit schon immer aus vielen anderen Perspektiven beschäftigt. Man kann sich dem Berg auch aus einer sozialen, einer psychologischen, einer philosophischen oder einer kunsthistorischen Seite annähern. Denken wir nur daran, wie stark uns hier in Südtirol das Thema Berg prägt. Er gehört zu unserer Identität, wir bezeichnen uns auch oft als Bergvolk. Mit meinem Zugang baue ich sozusagen auf dem Fundament auf, das Papa gegossen hat. Deshalb haben wir uns beim Aufbau des MMM Corones auch so gut ergänzt.<BR /><b><BR />Wie hat Sie das Abenteurertum Ihres Vaters geprägt?</b><BR />Messner: Durch die vielen Expeditionen und Reisen war ich selbst viel unterwegs. So habe ich beispielsweise vier verschiedene Kindergärten besucht: Naturns, Meran, München und Kathmandu. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1320756_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie waren Kindergartenkind in Kathmandu?</b><BR />Messner: Ja, als Papa dort auf Expedition war, habe ich für einige Monate den Kindergarten in Kathmandu besucht. Es gab zwar nur wenig Spielsachen, aber die Kinder waren ungemein fröhlich und offen. Kinder eben. Jedenfalls bin ich meinen Eltern dankbar, dass sie mich in die vielen fremden Länder mitgenommen haben. Das hat mir unheimlich spannende Begegnungen und Erlebnisse beschert. Und vielleicht bin ich wohl gerade deswegen immer um einen offenen Austausch bemüht und habe mir eine große Neugier bewahrt. Einerseits habe ich meine Kindheit als Vagabundenleben in Erinnerung, andererseits gab es auch den Fixpunkt Juval. Das war für mich immer eine Art sicherer Hafen. Vor allem meine Mama hat immer auf Familienzeit geachtet, und gerade das ist mir als Mutter von zwei Kindern selbst sehr wichtig. <BR /><BR /><b>Das bedeutet also: Verantwortung nicht nur für 20 Mitarbeiter mit deren Familien, sondern vor allem auch für die eigene Familie, oder?</b><BR />Messner: Sicher, wobei ich dank der Hilfe meines Mannes und Kindermädchen in einer privilegierten Lage bin. Zuerst, als Leo zur Welt gekommen ist, war ich überzeugt, alles problemlos vereinbaren zu können. Ich hatte hier in Firmian ein Babybett aufgestellt, doch das Pendeln zwischen Juval und Firmian mit dem Baby war dann doch zu viel des Guten. Nun sind Leo (7) und Noa (5) in einem Alter, in dem sie geniale Fragen auf Lager haben. Eine spannende, erfüllende Zeit.<BR /><BR /><b>Wo soll es mit den Museen künftig hingehen?</b><BR />Messner: Ich möchte den Besuchern viele interessante, abwechslungsreiche Einblicke vermitteln, sie zum Staunen bringen. Für mich sind die Museen Orte der Begegnung und des Entdeckens. Zu diesem Zweck gibt es immer wieder neue, sicherlich auch überraschende Impulse, etwa zum Jubiläumsabend ein Improtheater der Carambolage bei freiem Eintritt. Ein anderes Beispiel ist die neue Installation im MMM Corones des Südtiroler Künstlers Hubert Kostner bestehend aus vielen gebrauchten Kletterseilen. Jedes Stück Seil erzählt Geschichten, das große Werk hat eine Vielzahl an Bedeutungen. Die Museen sollen immer Inspiration und Denkanstöße liefern, jeder kann sich herausholen, was von Interesse ist. Und gerade in unserer Welt, die so stark von Polemik und Spaltung gekennzeichnet ist, möchte ich einen Beitrag für das Verbindende und Versöhnliche leisten.