Mittwoch, 28. Oktober 2015

Mahnwachen: So laut ist das Schweigen

Pfiffe, Protestrufe, Vorwürfe. Die Mahnwachen des vergangenen Jahres wird Martha Stocker wohl nie wieder vergessen. Am Mittwochabend standen an den Bezirkskrankenhäusern wieder Protestveranstaltungen an. Doch statt lautstarken Rufen dominierte das Schweigen.

Rund 1500 Bürger haben sich zur Mahnwache in Schlanders versammelt. - Foto: lie
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Rund 1500 Bürger haben sich zur Mahnwache in Schlanders versammelt. - Foto: lie

Im Herbst 2014 war Stocker zu einer Aussprache in die Bezirkskrankenhäuser gekommen, doch die Pläne der Gesundheitsreform waren schneller dort. Während die Mahnwache in Schlanders recht ruhig ablief, begrüßten in Sterzing Tausende Bürger die Landesrätin mit Fackeln und Spruchbändern vor dem Spital. Auch in Innichen wurde gebuht, gerufen, lautstark protestiert. Die Bürger sorgten sich um den Fortbestand ihres Gesundheitszentrums vor Ort. Die Landesrätin selbst rettete sich ins Innere, soll nach der Wache in Sterzing mit den Tränen gekämpft haben.

Die Bilder der Mahnwachen des vergangenen Jahres sind kaum verblasst, die Sorgen der Bürger nach wie vor präsent. Und etwas mehr als ein Jahr später wurde am Mittwoch wieder zu Mahnwachen gerufen – an einem Abend, zur selben Uhrzeit, in allen drei Bezirken. 28. Oktober, 20 Uhr.

Schweigen statt Protest

Seit Tagen kursierten die entsprechenden Flyer auf der Straße und im Netz. Die Frage, um die sich alles drehte: Was wird aus „unserem Spital“? Die Organisatoren der Mahnwachen fordern: Die Abteilungen und Primariate müssten in ihrer derzeitigen Form erhalten bleiben. Auf Facebook riefen die Gruppen „Freunde Krankenhaus Schlanders“, „Pro Krankenhaus Innichen“ und „Pro Krankenhaus Sterzing“ deshalb dazu auf, an den Veranstaltungen teilzunehmen.

Eine Teilnahme bedeutete dabei: zum Spital kommen und schweigen. Denn auch wenn die Sorgen und Ängste noch dieselben sein mochten wie vor einem Jahr, sollte die Mahnwache dieses Mal anders ablaufen. Statt Protestrufen dominierte das Schweigen. Als stilles, großes Bekenntnis für die Gesundheitszentren vor Ort.

Tausende Bürger dabei

Die ersten Schätzungen zu den Mahnwachen erreichten STOL am Mittwochabend aus Schlanders: Dort hatten sich, so schätzten die Veranstalter, 1500 Menschen am Treffen beteiligt.

Die Bürger zogen durchs Dorf, sammelten Unterschriften für eine Petition. Die Veranstaltung verlief, ersten Informationen zufolge, durchaus friedlich und ruhig.

Mahnwache in Schlanders - Foto: lie

Foto: Freunde Krankenhaus Schlanders

Auch in Sterzing folgten zahlreiche Bürger dem Ruf der Veranstalter und kamen zur Mahnwache. Sie zogen vom Zwölferturm zum Krankenhaus. Rund 1500 Teilnehmer wurden gezählt. 

Mahnwache in Sterzing - Fotos: DLife

In Innichen schwankten die Zahlen zur Beteiligung stark: Mal war von 1000 Menschen die Rede, mal von 2000. Die Bürger nahmen am Schweigemarsch teil, der sich rund ums örtliche Spital zog. 

Mahnwache in Innichen - Foto: Pro Krankenhaus Innichen

SVP distanziert sich von Mahnwachen

Die SVP-Bezirksobmänner des Wipptals, des Vinschgaus und des Pustertals blieben den Mahnwachen fern. Polig, Plangger und Durnwalder ließen bereits am Dienstag wissen, man dürfe die Stimmung nicht falsch interpretieren und solle weiterhin auf Verhandlungen statt auf Mahnwachen setzen.

Auch die Gesundheitslandesrätin meinte im Vorfeld, sie verstehe nicht, warum die Mahnwachen organisiert würden. Es gebe einen Beschluss der Landesregierung, "wo genau drin steht, welche Abteilungen bleiben". „Was mich stört ist, dass damit bewusst Angst geschürt wird", sagte Stocker zu STOL.

stol

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