Für eines der aufwändigsten Verfahren gegen die organisierte Kriminalität seit Jahren wurde der Gerichtsschauplatz in einen „Bunker“ verwandelt, wie Reporter am Donnerstag festhielten. Alle Angeklagten waren bei einer umfassenden Anti-Mafia-Aktion im Juli vergangenen Jahres festgenommen worden. Die Liste der Vorwürfe gegen sie reicht von der Bildung einer kriminellen Vereinigung über Waffen- und Drogenhandel bis hin zu Erpressung, Wucher und Mord.Mehr als 170 mutmaßliche Mafiosi schnappten die Sondereinheiten im Juli 2010 allein in der Lombardei, in Kalabrien waren es etwa 120. Für 39 von ihnen hatte schon Anfang Mai ein gesondertes Verfahren begonnen. Insgesamt wurden bei der Operation „Il crimine“ (Das Verbrechen) der italienischen Sondereinheiten mehr als 300 Verdächtige gefasst.Die kalabrische 'Ndrangheta ist vor der sizilianischen Cosa Nostra, der apulischen Sacra Corona Unita und der kampanischen Camorra gegenwärtig die mächtigste Mafia-Organisation in Italien. Mit ihren Ermittlungen konnten die Staatsanwaltschaften in Mailand und Reggio Calabria im vergangenen Jahr erstmals dokumentieren, wie die 'Ndrangheta verschiedene Wirtschaftsbereiche unterwandert – und bei weitem nicht nur in Süditalien.Die Regionen Kalabrien und Lombardei wollen als Zivilkläger dieses Prozesses auftreten. Darüber wird das Mailänder Gericht am Donnerstag kommender Woche entscheiden.Am Mittwoch hatte die italienische Polizei erneut 151 mutmaßliche 'Ndrangheta-Mitglieder festnehmen können – den Großteil von ihnen in der Region Piemont.dpa