Rot und gelb glühen Blätter, und das Licht ist weich und warm, wenn die Sonne erste Nebelschwaden wie eine Tischdecke von Tälern gezogen hat. So verschwenderisch ist der Herbst mit seinem Gold, dass mir alles für Augenblicke unwirklich und paradiesisch erscheint, beim Anblick der Natur. <BR /><BR />Wie ein tiefes Atemholen ist das, bevor Nachrichten aus aller Welt Realität zum Frühstück servieren: Der Ukraine-Krieg vor unserer Haustüre, über dem das Damoklesschwert eines atomaren Weltenbrandes hängt, der Klimawandel mit seinen verheerenden Wetterextremen, exorbitant hohe Energiepreise, die Armut anheizen, Angst vor einer neuen Corona-Welle, das schreckliche Busunglück in Venedig... <BR /><BR />Mögen sie für die vielen Erschütterungen und Schicksalsschläge stehen, die unser Dasein begleiten. Dass auch positives Denken manchmal an seine Grenzen stößt, darf sein! Doch wenn sich Resignation breit macht und den Antrieb lähmt, wird es bedenklich! <BR /><BR />Ich muss dann stets an meinen Onkel Heiner denken. Einer der letzten Soldaten ist er gewesen, fast noch ein Kind – Kanonenfutter für den Hitler-Irrsinn, der ihn schwer gezeichnet hat – an Körper und Seele. Er hat überlebt! Er hat gelebt! In vollen Zügen! Trotzdem! Oder gerade deshalb? Wie machst du das, habe ich ihn gefragt. Wie kannst du nur so lebensbejahend sein, bei all dem Schrecklichen, das du erlebt hast? Warum bist du nicht verroht? Und woher nimmst du die Kraft? „Ich habe mich dafür entschieden! Das ist mein Sieg über den Krieg, auch den in mir.“ <BR /><BR />Erst viel später habe ich verstanden, was er damit meint. Man bekommt nichts im Leben geschenkt! Und erst recht nicht, wenn es wichtig und kostbar ist. <BR /><BR />Wie mit der Liebe ist das. Im besten Fall begegnet sie einem. Damit sie bleibt, dafür muss man hart arbeiten, an sich, miteinander, füreinander. Auch die Liebe zum Leben braucht das! Nur... Sie kennt keine Lebensabschnittspartnerschaft. Sie kennt nur ein bedingungsloses JA. <BR />