Anna Rieder Wwe. Pichler, geboren 1948, ist eine Frau mit starkem Charakter und tiefer Heimatverbundenheit. Aufgewachsen als eines von zehn Kindern auf einem kleinen Hof in Steinegg, hat sie früh gelernt, mit Verlust umzugehen: Eine Schwester und zwei Brüder starben jung. Dennoch erinnert sie sich mit Wärme an ihre Kindheit: „I hon feine Eltern ghob.“ Die Familie war eng verbunden, Musik erfüllte das Haus – eine Gabe, die sie alle vom Vater geerbt haben, sagt Anna.<h3> Die Arbeit auf dem Hof war hart, das Haus alt</h3>Nach der Schule arbeitete sie als Konditorin am Seiser Hof, spielte Theater und war bei der Musikkapelle als Marketenderin tätig. Doch trotz ihrer Unternehmungslust zog es sie immer wieder heim: „I hon ollm vordrossn, boll i auswärts gwesn bin.“ Als sie Christian kennenlernte wusste sie, mit ihm konnte sie in Steinegg bleiben. 1967, im Alter von 19 Jahren, heiratete sie ihren Christian und kam so auf den Untertschatscher-Hof. Die Arbeit dort war hart, das Haus alt, und die Schwiegermutter machte ihr das Leben schwer. <BR /><BR />Doch Anna gab nicht nach. Sie arbeitete überall mit, kümmerte sich um Haus, Hof und bald auch um die vier Kinder Ingeborg, Birgit, Markus und Norbert. Beim Umbau des Hauses war sie die treibende Kraft. Wenn sie etwas wollte, setzte sie es durch. „Mitn Christl hon i nie streitn gekennt, des ischs Schlimmste für mi gwesn“, sagt sie heute mit einem Schmunzeln.<h3> Christian verstarb nach einer Operation in Innsbruck</h3>Jahrelang bewirtschafteten sie den kleinen Hof mit ein paar Kühen im Stall. Anna machte Butter und verkaufte sie, so hatte sie etwas Geld. In der Arbeit mit dem Vieh blühte sie auf, auch im Wald bei den Waldarbeiten. Die körperliche Arbeit in den steilen Wiesen machte ihr nichts aus: „Wenn i in Roan untn steah, donn hon i a Freid.“ Als Christian zur Eisenbahn ging, übernahm Anna alleine die Arbeit im Stall und Hof. Rückblickend sagt sie: „Des wor schun schod, weil durch die Turnusorbet sein mir nimmor ollm beianodor gewesen.“ Doch der schwerste Schlag kam erst: Als Christian endlich in Pension war und sich darauf freute, wieder mit dem Vieh auf die Alm zu gehen, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Nach einer Operation in Innsbruck verstarb er unerwartet an einer Embolie. Anna haderte mit Gott: „Man frog sich schun oft, wos man vorbrochn hot.“ <BR /><BR />Nun stand sie alleine da – mit Hof, den Kindern und den finanziellen Lasten. Anna erzählt, dass die Feiertage die schlimmsten Tage sind, denn an solchen Tagen fühlt man sich ganz besonders allein. Anna gab nie auf. Die Bürokratie war schlimmer als die körperliche Arbeit, sagt sie. Auch die Hofübergabe war äußerst mühsam. Acht Jahre dauerte es, bis Sohn Markus den Hof übernehmen konnte. Unterstützung von außen gab es wenig, dafür umso mehr innerfamiliären Zusammenhalt. Das war für Anna immer das Wichtigste. <h3> „Zommenkemmen brauch man, sell tuet guet“</h3>Heute lebt Anna mit Markus sowie Norbert und seiner Familie am Hof. Markus führt den Hof weiter, hat ein paar Pferde und Hennen im Stall, mäht die steilen Wiesen und sorgt somit für den Weiterbestand des Untertschatsch-Hofes. Anna bleibt, wie sie immer war, tatkräftig, zupackend, aufrecht. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1294314_image" /></div> <BR />Jeden Morgen steht sie um fünf Uhr auf, geht in den Stall und füttert die Pferde. Sie backt Brot, singt im Frauenchor und ist bei den „Kropfnmocherinnen“ aktiv. Eine große Freude machen ihr ihre Enkelkinder. Gemeinschaft ist ihr wichtig: „Des Zommenkemmen brauch man, sell tuet guet!“