<b>Von Irene Rapp/TT</b><BR /><BR />Die Ohrringe von Verena W. haben die Form von Herzen. Ein Detail, das beim Besuch der Familie in Volders (Nordtirol) auffällt. Ein anderes: Das Ehepaar wirkt glücklich-entspannt, auch wenn die vergangenen Wochen die vierköpfige Familie - der Sohn ist 21 Jahre, die Tochter 18 Jahre alt - an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht haben. „Er ist mein lebensrettender Engel“, sagt die 50-Jährige und schaut ihren Mann an. Der sieht das Geschehene ein wenig nüchterner. „Offensichtlich habe ich nicht großartig viel falsch gemacht“, sagt Markus W.<h3> „Erst wieder auf Intensivstation aufgewacht.“</h3><BR />Rückblick. Am 27. Februar, einem Freitag, ist man im Wohnhaus in Volders mit Entrümpelungsarbeiten beschäftigt. „Es war anstrengend, ich habe mich auf die Couch gelegt. Und dann bin ich erst wieder auf der Intensivstation in der Klinik aufgewacht“, erzählt Verena.<BR /><BR /><BR />Seit 15 Jahren ist die 50-Jährige wegen ihres Herzens in Behandlung. Bereits 2011 führt eine Virusinfektion zu einer starken Beeinträchtigung der Herzleistung. „Doch mit ständiger Medikamenten-Einnahme und Sport habe ich das Ganze relativ gut im Griff gehabt“, sagt Verena. 2025 sorgt ein Infekt für eine weitere Verschlechterung der Herzleistung und eigentlich hätte die Voldererin eine Biopsie machen müssen - sprich, die Entnahme einer Gewebeprobe vom Herzen.<BR /><BR />Doch dazu kommt es nicht mehr. „An diesem 27. Februar bin ich kurz vor 17 Uhr in die Wohnung gegangen und habe meine Frau auf der Couch liegen gesehen. Sie war ohnmächtig und hat schwer geatmet“, berichtet Markus.<BR /><BR />In der Folge reagiert der 53-Jährige blitzschnell - und richtig. Absetzen des Notrufs. Dann zieht der Mann seine Frau auf den Boden und beginnt mit Wiederbelebungsmaßnahmen, während ein Mitarbeiter der Leitstelle ihm per Telefon Anweisungen dafür gibt und ihn zu beruhigen versucht.<BR /><BR />Angst um die Ehefrau und Mutter seiner Kinder. Panik, etwas falsch zu machen. Doch Markus ruft sich Erste-Hilfe-Kenntnisse in Erinnerung und beginnt mit Herzdruckmassage sowie Beatmung.<h3> Minutenlange Reanimation</h3>Über zehn Minuten lang spult der Volderer die Reanimationsmaßnahmen ab. Und immer wieder setzt dabei die Atmung von Verena ein bzw. hört auf. „Das kommt einen vor wie Stunden. Oder noch länger“, blickt Markus heute auf diesen Freitag zurück.<BR /><BR />Die Tochter bekommt von dem Ganzen nichts mit, obwohl sie sich ebenfalls im Haus aufhält. Und irgendwann einmal rennt Markus zur Tür, weil das Notarzt-Team eintrifft.<BR /><BR />Acht Personen bemühen sich nun um das Leben von Verena. Defibrillator. Intubation. Herzdruckmassage. Nach weiteren gefühlt zehn langen Minuten fährt der Rot-Kreuz-Wagen mit der Voldererin in die Innsbrucker Klinik.<BR /><BR />Einen Tag später wacht sie dort auf. 17 Tage muss die Frau in der Klinik verbringen, wegen der lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen wird ihr ein Defibrillator implantiert, der diesen entgegenwirken soll. Auch die Biopsie wird gemacht, die zeigt, dass Verena eine Herz-Entzündung hat. In den nächsten Monaten soll diese mit einer Cortison-Behandlung zur Abheilung gebracht werden.<h3> Neue Lebensfreude</h3>„Seit Ostermontag geht es mir besser. Das Leben freut mich wieder“, erzählt die 50-Jährige. Eine Folge der langen Reanimierung sei zwar ein Hämatom auf der Leber, „zum Glück wurde aber keine Rippe gebrochen“, sagt ihr Ehemann mit einem kleinen Lachen. Und dann wird er wieder ernst.<BR /><BR />„Man muss in so einer Notlage reagieren, unbedingt“, lässt er noch einmal die dramatischen Stunden Revue passieren. Trotz Angst. Trotz Panik.Doch dazwischen sei damals auch immer wieder Hoffnung gewesen. Zu Recht.<BR /><BR />Für Notarzt Thomas Fluckinger vom Roten Kreuz Tirol zeigt dieser Einsatz eindrucksvoll, wie entscheidend Erste Hilfe ist: „Ohne das sofortige Eingreifen des Ehepartners wäre die Überlebenschance praktisch null gewesen“.